HOME

Michael Ballack: Lago di Como statt Starnberger See

Hält er den Bayern die Stange, oder wagt er den Sprung ins Ausland? Die öffentliche Debatte um die Zukunft von Deutschlands bestem Fußballer Michael Ballack - sie nervt eigentlich nur noch.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Vorhang auf zum munteren Kasperle-Transfer-Theater. Neuester Stand: Der bajuwarische Vorzeige-Klub hat sein Vertragsangebot zurückgezogen. Gemeint ist die 36-Millionen-Offerte für den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, mit Hilfe derer Ballack idealerweise für weitere vier Jahre an den Rekordmeister gebunden werden sollte.

Was Rummenigge und Co damit bezwecken wollen, ist klar: Der Superstar soll in seinem Entscheidungsfindungsprozess unter Druck gesetzt werden. Natürlich sprechen die Verantwortlichen das nur verklausuliert aus. Das hört sich dann so an: "Ich sage klipp und klar, dass wir ab sofort den Markt sondieren werden", schimpfte der beleidigte Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung in die Mikrofone. "Und wenn schon", dürfte sich Michael Ballack daheim am Starnberger See gedacht haben. Den 29-Jährigen kratzen derartige Äußerungen seiner Vorgesetzten schon lange nicht mehr. Warum auch, seine Entscheidung ist ja längst gefallen.

Real und Milan mit den besten Karten

Weder die Bayern-Verantwortlichen und schon gar nicht die einschlägigen Dampfplauderer (Lattek, Matthäus, Calmund) der Szene werden daran etwas ändern können. Die haben zuletzt über die Medien immer lauter versucht, Ballack einen Wechsel ins Ausland zu vermiesen - mit den gleichen Argumenten: Er habe in München den Himmel auf Erden, spiele bei einem Topverein mit dem er jederzeit die Champions League gewinnen könne. Und überhaupt, er könne ja weder Spanisch noch Italienisch und würde deshalb vermutlich isoliert inmitten der Beckhams, Ronaldos und Maldinis in der Kabine sitzen und nur Bahnhof verstehen. Manche ließen sich gar zu der Äußerung hinreißen, dass ein Weggang aus München ein herber Verlust für den deutschen Fußball sei. Unsinn!

Die Wahrheit ist wohl, dass Michael Ballack, der das Fußballspielen einst beim BSG Motor Karl-Marx-Stadt erlernte, den FC Bayern München nach Ende der laufenden Saison in Richtung europäisches Ausland verlassen wird. Um es mit Klaus Wowereits Worten zu sagen: "Und das ist auch gut so". Offen ist lediglich, wohin es den Chemnitzer zieht. Aber auch diesbezüglich kommt immer mehr Licht ins Dunkele. Die "Königlichen" von Real Madrid scheinen derzeit die besten Karten im Transferpoker zu haben. Dicht gefolgt vom AC Mailand, dem ausgewiesenen Lieblingsverein Michael Ballacks. Mannschaften wie Manchester United, Juventus Turin oder Inter Mailand, die ebenfalls allesamt an einer Verpflichtung des Spielmachers interessiert sind, werden lediglich Außenseiterchancen eingeräumt.

Umzug an den Comer See?

Ballacks Entscheidung, den Sprung zu einem Weltverein zu wagen ist nicht nur klug, sondern auch logisch. Über die Stationen FC Karl-Marx-Stadt, Chemnitzer FC, Kaiserslautern und Bayer Leverkusen kam der 29-Jährige zu den großen Bayern. Auf seiner persönlichen Karriereleiter steht er beim deutschen Rekordmeister nunmehr seit fast drei Jahren auf der zweithöchsten Stufe. Ganz oben angekommen, wäre er wirklich erst als Teammitglied einer Mannschaft vom Kaliber eines Klubs wie Real Madrid. In Deutschland ist Michael Ballack ein Star, ein echter Weltstar kann er aber nur im Ausland werden. Dem deutschen Fußball täte es ohne Frage gut, wenn sein Aushängeschild nach der WM 2006 für Milan oder Real die Fußballschuhe schnüren würde - dem ehrgeizigen Ballack, der im Ausland zu einer noch stärkeren Persönlichkeit reifen könnte, sowieso. Sein Traumhaus am idyllischen Starnberger See müsste der Mittelfeldstar bei dem anstehenden Wechsel vermutlich aufgeben. Sollte es ihn tatsächlich zum AC Mailand ziehen, wäre selbst das zu verkraften. Am nahe gelegenen und nicht minder schönen Lago di Como gibt es genug herrschaftliche Residenzen. Fragen Sie mal bei Lothar Matthäus nach!

Wissenscommunity