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Mundschutz im Fußball: Ronaldos neue "Geheimwaffe"

Seitdem Weltstar Cristiano Ronaldo mit einem Mundschutz das Fußballfeld betreten hat, ist eine Debatte um das Sportler-Accessoire ausgebrochen. Angeblich soll es nicht bloß dem Schutz der Zähne dienen, sondern auch die Leistung der Sportler verbessern können - die Experten streiten sich.

Die Szene währte nur einen Augenblick. Für ein paar Sekunden konnten die spanischen Fernsehzuschauer sehen, wie der Weltklasse-Fußballer Cristiano Ronaldo einen Mundschutz zwischen den Lippen herausklappen und dann wieder im Mund verschwinden ließ. "Will der Stürmer von Real Madrid sich mit dem Kunststoffteil vor Remplern und Ellbogenchecks der Gegner schützen?", fragten sich die Fans.

Das Sportblatt "Marca" löste das Rätsel auf. Der teuerste Kicker der Welt trug den Mundschutz nicht, um damit Kieferverletzungen zu verhindern, sondern als eine Art "Geheimwaffe". "Die Vorrichtung hat es in sich", wusste Spaniens auflagenstärkste Zeitung zu berichten. "Sie schützt nicht nur, sondern sie stärkt auch den Gleichgewichts- Sinn, die Kraft und die Leistung." Der Mundschutz bewirke, dass die Kaumuskeln sich zusammenziehen. Dies ermögliche bei der Atmung eine erhöhte Sauerstoffzufuhr und folglich ein größeres Leistungsvermögen.

Die Hersteller werben damit, dass Athleten in diversen Sportarten gute Erfahrungen mit dem Mundschutz gemacht hätten. Dazu zählen nicht nur (Eis-)Hockey, Rugby- oder American-Football-Spieler, die gute Gründe haben, ihre Kiefer zu schützen. Auch Schwimmer, Leichtathleten oder Golf-Asse, die keine Zusammenstöße mit ihren sportlichen Rivalen befürchten müssen, hätten die Vorzüge des Mundschutzes entdeckt. Zu seinen Anhängern zählen laut "Marca" unter anderem der Golfstar Tiger Woods, die Motorrad-Trial-Weltmeisterin Laia Sanz, der Rallye-Fahrer Albert Bosch oder auch einige Fußballer des AC Mailand.

Modeerscheinung oder Geheimrezept?

Die angeblichen Wunderwirkungen sind aber nicht unumstritten. Das Konkurrenzblatt "As" will erfahren haben, dass Ronaldo den Mundschutz nur probeweise getragen habe und mit dem Ergebnis nicht zufrieden gewesen sei. "Der Portugiese wird sich das Ding nicht noch einmal in den Mund stecken, denn es hat ihn beim Atmen gestört", schrieb die Madrider Zeitung.

Der Sportmediziner José Gonzàlez betonte in einer Kolumne: "Der Mundschutz ist nichts anderes als eine Schutzvorrichtung. Mit dem Leistungsvermögen oder der Atemaktivität hat er nichts zu tun." Nach Ansicht des Arztes sind die Plastikapparate nichts anderes als eine Modeerscheinung, die - ähnlich wie vor Jahren die Nasenpflaster - irgendwann wieder verschwinden wird.

In den USA aber schwören immer mehr Sportler auf die Wirkungen des Mundschutzes, auch wenn dessen Entwicklung noch in den Anfängen steckt. "Derzeit wird noch erforscht, ob damit die Atemaktivität gefördert und die Ermüdung der Kiefermuskeln reduziert wird", sagte der Sportwissenschaftler Fabio Comana der "New York Times". Und: "So wie es aussieht, scheint etwas daran zu sein." Die Zeitung wies aber darauf hin, dass zumindest von den - für wenig Geld angebotenen - Standardmodellen keine Wunderdinge zu erwarten seien: "Mundstücke, die die Leistung steigern sollen, müssen vom Zahnarzt individuell angepasst werden. Sie kosten Hunderte oder Tausende von Dollar."

DPA / DPA

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