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Nach Klinsmann-Ära: "Wir brauchen keinen Öffentlichkeits-Clown"

Dass auch Jogi Löw ein "harter Hund" sein kann, hat der DFB in den ersten Tagen seiner Amtszeit bereits spüren müssen. Noch stärken die Verantwortlichen der Bundesliga ihm den Rücken. Jürgen Klinsmann wird indessen weiter vom US-Verband umworben.

Jürgen Klinsmann ist schon wieder öffentlich heiß umworben - Joachim Löw schlägt dagegen im Stillen die ersten Pflöcke ein. Während der USA-Fußball-Verband immer intensiver um Ex-Bundestrainer Klinsmann buhlt, will dessen Nachfolger Joachim Löw in den Tagen bis zum ersten Länderspiel als Chef der deutschen Nationalmannschaft am 16. August "neue Impulse und Ideen entwickeln" für das EM-Projekt 2008. "Es wird wichtig sein, dass einige neue Gedanken in die Arbeit einfließen", hat sich der 46-jährige Löw selbst das erste Ziel vorgegeben. Den wichtigsten Förderer hat der neue Bundestrainer bereits gefunden: Die Bundesliga sagte dem akribischen Arbeiter Löw den 100-prozentigen Rückhalt zu.

Liga-Chef Werner Hackmann sieht in Löws Wohn- und Arbeitsort Freiburg, von wo der neue Nationalmannschafts-Chef weiter regelmäßig zur Bundesliga-Beobachtung reisen will, einen großen Vorteil. "Ich denke, dass dies die Arbeit mit der Bundesliga erleichtert und es zum Austausch von Meinungen nicht mehr nötig sein wird, über die Medien zu gehen", sagte Hackmann in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Klinsmann war gerade durch die Distanz seiner Wahlheimat Los Angeles bei Bundesliga-Machern immer wieder in die Kritik geraten.

Löw kann ein "harter Hund" sein

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" will sich Löw noch in diesem Monat mit Bundesliga-Managern treffen, unter anderem mit Uli Hoeneß von Bayern München. Liga-Vizepräsident Wolfgang Holzhäuser von Bayer Leverkusen hatte bereits zuvor eindeutig die Beförderung Löws begrüßt: "Wir brauchen keinen Öffentlichkeits-Clown, sondern einen, der die Arbeit konsequent fortführt."

Allerdings muss sich die Liga auch darauf einrichten, dass der einstige Klinsmann-Assistent wie sein Ex-Chef die Interessen der Nationalmannschaft konsequent durchsetzen wird, was beispielsweise Fitnesstests oder Abstellungen anbelangt. Denn Löw kann auch ein "harter Hund" sein, beim DFB kämpfte er die Beibehaltung des kompletten Stabes einschließlich US-Fitness-Experten und Psychologen durch. Auch das Büro Nationalelf mit dem Chef Oliver Bierhoff und einem eigenen Etat wird weiter arbeiten. Und man darf auch davon ausgehen, dass Klinsmann weiter mit dem einen oder anderen Rat an der Fortsetzung des Reformkurses beteiligt bleibt.

US-Verband wirbt um Klinsmann

Das Werben des USA-Verbandes tangiert Klinsmann bisher offiziell nicht. Verbandspräsident Sunil Gulati hat nach der angekündigten Trennung vom bisherigen Auswahlcoach Bruce Arena den Wahl-Amerikaner Klinsmann an vorderster Stelle seiner Nachfolgerliste eingeordnet. Nach dpa-Informationen will Gulati seinen Wunschtrainer Klinsmann noch in dieser Woche kontaktieren. "Unser neuer Mann muss den US- Fußball gut kennen, braucht Erfahrung und muss Erfolg und Führungsqualitäten vorweisen können", sagte Gulati, der Klinsmann als "sehr interessanten Trainer" eingestuft hat. Viele Menschen seien der Meinung, "dass er genau der richtige Kandidat wäre".

Der neue US-Chefcoach soll am 1. Januar 2007 seine Tätigkeit beginnen. Klinsmann wohnt nur knapp 30 Autominuten vom Trainingszentrum des Verbandes im kalifornischen Carson entfernt. "Wir werden auf der ganzen Welt nach einem qualifizierten Nachfolger für Bruce Arena suchen. Wenn wir ihn in der Heimat finden, umso besser", erklärte Gulati. Neben Klinsmann sind der Franzose Gerard Houllier (Olympique Lyon), der Pole Peter Nowak (D.C. United) und der gebürtige Schwabe Sigi Schmid (Columbus Crew) im Gespräch.

Während Gulati bereits mit potenten Sponsoren gesprochen haben soll, die Klinsmanns oder Houlliers Gehaltsforderungen mit abdecken wollen, wird auch die Unterstützung innerhalb des US-Lagers für eine Verpflichtung Klinsmanns immer größer. Ex-Kapitän Marcelo Balboa, als TV-Experte eine wichtige Stimme im US-Fußball, hält the "German" für die Idealbesetzung. Klinsmann ist mit seiner Firma "soccersolutions" ohnehin bereits im US-Fußball involviert.

Sven Busch und Jens Mende/DPA / DPA

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