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Nach Skandal-Tor: Fifa lehnt Wiederholungsspiel ab

Das Handspiel von Thierry Henry im WM-Relegationsspiel sorgt weiter für Wirbel. Frankreich schämt sich, eine Ministerin plädierte für eine Regeländerung. In Irland fordert man ein Wiederholungsspiel, doch die Fifa sieht dazu keinen Anlass.

Das Skandal-Tor von Thierry Henry im WM-Relegations-Spiel zwischen Frankreich und Irland hat für heftige Diskussionen gesorgt. In Irland gehen Politiker und Medien in die Offensive und fordern ein Wiederholungsspiel. In Frankreich zeigt man nach dem offensichtlichen Handspiel viel Verständnis für die Vorschläge der Iren. Trotz der großen Empörung wird das Spiel allerdings nicht wiederholt werden. Über diese Position des Weltverbandes Fifa hat die britische BBC am Freitagvormittag berichtet.

"Es gibt keinen Weg, das Spiel wiederholen zu lassen. Das Spiel erneut anzusetzen, würde absolutes Chaos für den Fußball bedeuten. Die Fifa-Regeln sind absolut eindeutig. Die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters ist endgültig. Damit ist jede Diskussion beendet", zitierte die BBC einen Fifa-Offiziellen.

Ein französisches Regierungsmitglied hat derweil eine Regeländerung im Fußball gefordert. Finanz- und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sprach sich für die Zukunft für eine Wiederholung von Spielen in vergleichbaren Fällen aus: "Natürlich bin ich sehr froh, dass unsere Mannschaft bei der WM dabei ist, aber ich denke auch, dass es sehr bitter ist, dass wir uns durch solch einen Betrug qualifiziert haben", sagte Lagarde dem Radiosender RTL: "Ich glaube, dass der Weltverband Fifa gut beraten wäre, sich der Regeln anzunehmen, weil es gut wäre, unter solchen Umständen eine Wiederholung anzusetzen. Zwar respektieren wir den Schiedsrichter und die Regeln, aber wenn die Regeln schlecht sind, muss man sie ändern."

Sarkozy zeigt Verständnis für Iren

Schon am Donnerstag Abend hatte sich auch Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy auf dem EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel zu dem Fall geäußert: "Ich habe Irlands Ministerpräsident Brian Cowen erklärt, wie leid es mir für die Iren und ihre Fans tut". Sarkozy hatte allerdings abgelehnt, sich beim Weltverband Fifa für ein von den Iren gefordertes Wiederholungsspiel stark zu machen : "Man will mich schon wieder als Hyper-Präsidenten darstellen. Bitten Sie mich aber nicht, mich an die Stelle des Schiedsrichters oder des französischen Verbandes oder der internationalen Verbände zu setzen. Lassen Sie mich in der Rolle, die ich habe."

Irlands Verband dagegen stützt seinen angekündigten Protest gegen die Wertung des Matches und seine Forderung nach einer Neuansetzung auf einen Präzedenzfall von 2005 in der Asien-Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland. Vor vier Jahren hatte die Fifa das Play-off-Hinspiel zwischen Usbekistan und Bahrain wiederholen lassen, weil der Schiedsrichter ein Tor der Gastgeber nach einem Strafstoß wegen zu frühen Hereinlaufens von Spielern in den Strafraum zunächst nicht anerkannt und den Elfmeter nicht wiederholen lassen hatte.

Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech zeigte kein Verständnis für die internationale Kritik an seinem Team und lehnte ein Wiederholungsspiel kategorisch ab: "Ich kann nicht nachvollziehen, dass wir als Schuldige dargestellt werden. Auf dem Platz habe ich das Handspiel nicht gesehen, erst danach im Fernsehen, und es war ein Fehler des Schiedsrichters. Deswegen kann ich nicht verstehen, warum wir uns entschuldigen sollen. Wir werden nicht Harakiri begehen, weil eine Fehlentscheidung eines Schiedsrichters einmal zu unseren Gunsten ausgefallen ist."

sid/feh

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