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Nach tödlichen Krawallen bei Fußballspiel: Muslimbrüder beschuldigen Mubarak-Anhänger

Ausbruch der Gewalt: Die Spieler des ägyptischen Top-Teams Al-Ahli müssen um ihr Leben laufen, als gegnerische Fans den Platz stürmen. Viele Zuschauer und Sicherheitskräfte werden totgetrampelt oder erdrückt. Die Muslimbruderschaft beschuldigt am Tag nach dem "Massaker" Anhänger des alten Regimes.

Fußball-Drama mit vielen Toten in Ägypten: Bei Stadion-Krawallen sind in Nordägypten am Mittwoch über 70 Menschen getötet worden. Hunderte wurden verletzt, als Zuschauer in der Hafenstadt Port Said auf den Platz stürmten und Jagd auf Spieler des Kairoer Klubs Al-Ahli machten. Viele Menschen wurden totgetrampelt oder erdrückt. FIFA-Präsident Sepp Blatter zeigte sich entsetzt. Es sei "ein schwarzer Tag für den Fußball".

Der Sender Al Arabija sprach am späten Abend von 77 Toten. Einige starben, nachdem sie zur Behandlung in die Kabine der Gäste-Mannschaft gebracht worden waren, wie dessen portugiesischer Trainer im Radio sagte.

Das Spiel in Port Said war bereits vor Beginn von regionalen Zeitungen als "Treffen der Vergeltung" bezeichnet worden. Die Ausschreitungen begannen unmittelbar, nachdem das Spiel zwischen den Teams Al-Masri und Al-Ahli beim Stande von 3:1 abgepfiffen worden war. Al-Ahli zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Fußballvereinen in Ägypten und war lange Zeit ungeschlagen.

Blatter: "Ein schwarzer Tag für den Fußball"

Unter den Toten sollen auch Sicherheitskräfte sein. Der Leiter eines Krankenhauses in Port Said, Hassan al-Isnawi, sagte der Zeitung "Al-Ahram" (online), viele seien erdrückt worden. Der Mannschaftsarzt von Al-Ahli, wurde von der Zeitung "Al-Masry Al-Youm" mit den Worten zitiert: "Das ist Krieg und kein Fußball."

FIFA-Präsident Sepp Blatter erklärte am Abend: "Ich bin entsetzt und schockiert. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer. Ihnen gilt mein tiefes Mitgefühl. Zu den Gründen der Katastrophe kann ich mich nicht äußern, eines aber steht fest: Es ist ein schwarzer Tag für den Fußball. Ein solches Drama ist jenseits des Vorstellbaren und darf nicht geschehen."

Spieler von Al-Ahli sagten lokalen Medien, die Sicherheitskräfte hätten nichts unternommen, um sie zu schützen. Der Militärrat kündigte an, zwei Militärflugzeuge nach Port Said zu schicken, um die Spieler von Al-Ahli abzuholen, wie das Staatsfernsehen berichtete. Der ägyptische Fußballverband EFA setzte vorerst alle Spiele aus.

Al-Ahli-Trainer beschuldigt Polizisten

Der portugiesische Al-Ahli-Trainer Manuel José sagte, er habe Dutzende von Toten gesehen. Zahlreiche schwerverletzte Fans seien von Ärzten seines Vereins behandelt worden, viele seien dabei in der Umkleidekabine gestorben. "Die Schuld hat einzig und allein die Polizei. Es waren Dutzende im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen", sagte der 65-Jährige empört kurz nach den Zwischenfällen im Telefon-Interview mit dem portugiesischen TV-Sender SIC.

Al-Ahlis Co-Trainer Oscar Elizondo sprach von politisch gefärbter Gewalt. "Es gibt viel Hass", sagte er. Das Verhalten der Polizei bezeichnete er als Schande: "Es gab 3000 Polizisten und wohl niemand wurde verhaftet". Spieler und Trainer seien in "Militärfahrzeugen, die wie Kriegspanzer aussahen", aus dem Stadion gebracht worden.

In einem Stadion in Kairo brach unterdessen ein Feuer aus, nachdem das dortige Fußballspiel als Reaktion auf die Ereignisse in Port Said abgebrochen worden war. Das ägyptische Parlament will laut offiziellen Angaben am Donnerstag zu einer Krisensitzung zusammenkommen.

jwi/DPA / DPA

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