Nationalmannschaft Endspiel bei Frost und im ICE-Tempo


Die Kunstrasenfalle, die Russland für die deutsche Nationalelf in Moskau aufgestellt hat, könnte verhängnisvoll für den DFB werden. Ein Aspekt in der ganzen Diskussion um die "K-Frage" wird dabei aber gerne vergessen.
Von Nico Stankewitz

Wer Guus Hiddink kennt, weiß, dass der sympathische Holländer nichts dem Zufall überlässt: Jedes Detail um sein Team herum hat eine bestimmte Ordnung und einen bestimmten Sinn und davon kann man getrost auch bei der Wahl des Bodenbelages für die entscheidende Partie der WM-Qualifikation ausgehen. Der Taktikfuchs und Fitness-Fanatiker, der seit 2006 die Geschicke der russischen Nationalmannschaft leitet, hat eine Unterlage gewählt, die der Spielart seiner Mannschaft optimal entspricht.

"Ein komplett anderes Spiel"

Das ist natürlich auch den Verantwortlichen der DFB-Auswahl klar. Vorgebaut hat Joachim Löw schon vor dem ersten Training in Mainz: "Es ist ein komplett anderes Spiel" leistete der Bundestrainer einen Beitrag zu der allgemeinen Debatte um die Bodenverhältnisse im Luschniki-Stadion von Moskau. Viele Vorbehalte von Spielern und Medien prägten die heftige Debatte um die "K-Frage" in den vergangenen Wochen.

Ein wichtiger Punkt in der ganzen Diskussion um den Heimvorteil auf ungewohntem Geläuf ist aber auch klar: Viele der russischen Topstars spielen bei westeuropäischen Clubs und kommen da ebenso selten mit Kunstrasen in Berührung wie die DFB-Elf, auch die Spieler aus St. Petersburg spielen nicht auf diesem Belag, müssen sich ebenfalls erst an die Bedingungen in Moskau gewöhnen.

Chance für Techniker

Der Kunstrasen bevorzugt Mannschaften mit Kurzpass-Spiel, wie es die russische Elf traditionell pflegt. Kleine, wendige Spieler sind gegenüber großen, schwerfälligeren Konkurrenten eher im Vorteil. Perfekte Technik bei Ballannahme und –mitnahme hilft hier enorm, die Spielgeschwindigkeit kann auf Kunstrasen deutlich erhöht werden, weil viele Unwägbarkeiten durch schlechten Boden oder Witterungsverhältnisse wegfallen. Gut zu Recht kommen werden hier Lahm, Özil oder Marin, nicht so optimal sind die Bedingungen dagegen etwa für "lange Kerls", wie Mertesacker und Ballack.

Die Hiddink-Elf verfügt über ein unheimlich spiel- und passstarkes Mittelfeld, ziemlich erfahren und perfekt eingespielt. Torbinski, Denisow, Semshow, Semak, Bystrow, Zyryanow und Zhirkow – alles Spieler, deren Spielweise durch die Bodenverhältnisse extrem begünstigt wird. Und der wendige Topstar und Supertechniker Andrej Arschawin würde schon auf einer Dorfwiese jede Abwehr vor Probleme stellen, auf dem schnellen Platz in Moskau kommt die Klasse des 1,76 Meter großen Stürmers von Arsenal London erst recht zur Geltung.

Erschwerend für die Löw-Elf könnten die Witterungsbedingungen wirken, denn für Samstag wird mit einer Lufttemperatur von ca. 4° gerechnet, da wird der feuchte Platz noch etwas schneller – Deutschland sollte auf ein ICE-Endspiel gefasst sein.


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