Nationalmannschaft Keine Spur von Super-Mario


In der Fußball-Nationalmannschaft steckt der Stuttgarter Torjäger Mario Gomez mitten in einer schweren Krise: Nicht einmal gegen die völlig überforderten Liechtensteiner gelang ihm ein Tor, die eigenen Fans pfiffen ihn aus. Aber Bundestrainer Löw will an Gomez festhalten.

Keine Spur vom Super-Mario: Mit Verzweiflung im Gesicht versuchte Mario Gomez seine Tor-Krise zu erklären. Am Ende eines für ihn total frustrierenden Länderspiel-Abends wollte aber auch das nicht gelingen. "Nichts. Leere. Es sollte wieder nicht sein", beschrieb der im Nationaltrikot seit nun 643 Länderspiel- Minuten tor- und glücklose Stürmer in den Katakomben des Leipziger Zentralstadions mit leiser Stimme und knappen Worten seine Gefühle.

Von den Fans während des missratenen Auftritts gegen Liechtenstein erstaunlich gnadenlos ausgepfiffen, standen dem 23-Jährigen immerhin die Kollegen und auch Bundestrainer Joachim Löw sofort helfend zur Seite. "Er ist ein guter junger Spieler, der im Moment ein Tief durchläuft. Wir werden ihn wieder stark machen", sagte Löw und gab gleich eine Einsatzgarantie für das Spiel gegen Wales am Mittwoch.

Schnelle Tor-Therapie nötig

Eine schnelle Tor-Therapie soll es richten, doch Gomez hatte schon gegen Liechtenstein alles versucht: Nach nur 17 Sekunden kam die erste Kopfballchance - vorbei. Er hatte gerackert, sich in allen Körperlagen - auch per Fallrückzieher - in Bälle hineingeworfen. Doch der befreiende Schuss blieb aus, zum Schluss wirkte das Bemühen um ein Tor eher kurios als konstruktiv. Die rätselhafte Torphobie im DFB-Einsatz lässt den für den VfB Stuttgart regelmäßig erfolgreichen Angreifer (23 Saison-Tore in allen Wettbewerben) schier verzweifeln.

"Es kamen die Gelegenheiten, aber der Ball war nie drin. Das ist bitter", sagte der 23-Jährige. "Ich schieße im Training viele Tore, aber sobald ich hier auf den Platz gehe, ist es ein bisschen verhext." Das letzte von insgesamt sechs Länderspieltoren ist nun mehr als ein Jahr her - am 26. März 2008 gegen Lieblingsgegner Schweiz traf er ebenfalls bei einem 4:0-Sieg noch im Doppelpack.

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt bis zur Prüfung in Cardiff nicht. Und grundlegende Änderungen hält Gomez auch nicht für notwendig. "Ich werde nichts anders machen als sonst. Ich weiß, dass ich es kann. Ich bin relativ ruhig, so lange ich sehe, dass ich noch Chancen habe", sagte der verhinderte "TORero" mit einer Spur Trotz in der Stimme. Doch die eigentliche Begründung für die Ladehemmung blieb er schuldig: "An was es liegt, kann ich mir nicht erklären."

Unterstützung durch Mitspieler

An Unterstützung von den Mitspielern soll es nicht mangeln. Schon gegen Liechtenstein legte Kapitän Michael Ballack einmal selbst in aussichtsreicher Position für Gomez auf. "Er kann jederzeit auf unsere Hilfe bauen", versprach VfB-Teamkollege Thomas Hitzlsperger - und warnte gleichzeitig: "Wir sollten nicht alles auf ihn konzentrieren. Wir werden nicht alle auf sein Zimmer gehen und ihn trösten. Er ist selbst stark genug."

Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff mahnte im Fall Gomez zu größerer Gelassenheit. "Am besten ist es, es durch harte Arbeit im Training zu erzwingen und trotzdem zu entdramatisieren und zu wissen, dass nicht die Welt davon abhängt, dass man ein Tor schießt", riet er. Jeder Stürmer habe diese Phase durchgemacht: "Ob Völler, Klinsmann oder auch ich", sagte Bierhoff.

Oder auch Miroslav Klose. Der nach dem 6:0 im Hinspiel im September 2008 gegen Liechtenstein in den Medien gescholtene Stürmer traf vier Tage später gegen Finnland gleich dreifach. Auf diesen Effekt setzt Löw nun auch bei Gomez. Der versprach vollen Einsatz. "Was soll ich davonlaufen. Das werde ich nicht tun. Ich bin ein Kämpfer und werde auch weiter kämpfen."

Jens Mende und Klaus Bergmann/DPA DPA

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