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Nationalmannschaft: Konstant schwankend

Das wahre Leistungspotenzial der DFB-Auswahl bleibt undurchschaubar. Daran ändert auch das 4:2 gegen Südafrika nichts.

Von Klaus Bellstedt

Nach den beiden Testspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen die Slowakei und Südafrika zum Auftakt der WM-Saison, rätselt die halbe Republik: Wo steht die DFB-Auswahl 274 Tage vor Beginn der Titelkämpfe im eigenen Land wirklich? Eine Frage, die sich nur schwer beantworten lässt. Dafür sind die Leistungsschwankungen der Männer von Cheftrainer Jürgen Klinsmann einfach zu groß.

Die in sie gesetzten Hoffnungen nach dem guten Abschneiden beim Konföderationen Pokal konnten die Nationalkicker sowohl beim 0:2 in Bratislava als auch beim 4:2-Erfolg gegen die "Bafana Bafana" jedenfalls nur teilweise bestätigen. Wobei die Begegnung gegen die Slowakei vor diesem Hintergrund schon mal komplett durchs Raster fällt. Selbst DFB-Boss Mayer-Vorfelder ordnete die Leistung seiner Getreuen dort als "mittlere Katastrophe" ein. Harsche Medienkritik musste sich Jürgen Klinsmann daraufhin gefallen lassen.

Klinsmann kehrt zum Jugendstil zurück

Nach außen hin wurde die Niederlage als einkalkulierter Ausrutscher (…"das war ein kleiner Dämpfer, den arbeiten wir auf. Wir werden uns schon wieder nach oben ziehen"…, Zitat Jürgen Klinsmann) abgebucht. Intern aber korrigierte der Coach seine viel diskutierten Personalentscheidungen. Als Beleg hierfür dient ein Blick auf die Startformation des DFB-Teams gegen Südafrika. Mit Sinkiewicz, Jansen, Borowski, Schweinsteiger und Podolski standen im Vergleich zum Slowakei-Spiel fünf neue Spieler in der Anfangself. Keiner von ihnen über 25!

Nach der Besorgnis erregenden (und teilweise gescheiterten) Rückholaktion der beiden Routiniers Hamann (schon nicht mehr im Kader) und Wörns (Reservist) setzte der Coach seinen bereits während des Confed Cups praktizierten Jugendstil im Bremer Weser-Stadion wieder fort. Und hatte damit prompt Erfolg. Beim 4:2-Sieg avancierte der 20-jährige Kölner Lukas Podolski mit einem Dreierpack zum Matchwinner. "Prinz Poldi" wirbelte die südafrikanische Defensive ein ums andere Mal durcheinander und profitierte dabei auch von den Anspielen seines kongenialen Mitspielers und Freundes Bastian Schweinsteiger (21).

Weiter Schwächen in der Defensive

Keine Frage: die Stärke der deutschen Nationalmannschaft liegt in der "Abteilung Attacke", in der ein Lukas Podolski schlichtweg unverzichtbar ist. Diese Lektion hat auch Jürgen Klinsmann gelernt: "Es ist wirklich beeindruckend, wie der Kerl auftritt in dem Alter, wie er explodiert, teilweise außergewöhnliche Dinge macht, rein aus dem Instinkt heraus." "FC Podolski schlägt Südafrika 4:2" titelte eine Tageszeitung und vergaß dabei glatt, dass eine Fußballmannschaft aus 11 Spielern besteht. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

In der Hintermannschaft war die Verunsicherung nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 gegen einen technisch limitierten Gegner plötzlich wieder regelrecht greifbar. Ein Bruch im gesamten deutschen Spiel war die Folge, das vorher so engagiert vorgetragene Pressing kam fast vollständig zum Erliegen. Jürgen Klinsmann sah das offenbar anders. Angesprochen auf die Kritik an seinem Abwehrverbund meinte der DFB-Coach nur: "Wenn wir weiter so konzentriert arbeiten, dann werden wir es auch mal hinbekommen, zu null zu spielen. Und dann sind wir nicht schlecht aufgestellt, wenn wir in die WM gehen."

Jürgen Klinsmann ist von seiner Mannschaft überzeugt, er glaubt an sie. Das wundert niemanden. Man selbst will das schließlich auch, so kurz vor der WM. Aber ganz gelingt es einem noch nicht. Und das liegt auch daran, dass sich das Team in schöner Regelmäßigkeit unkonstant präsentiert. Positive Ansätze sind da, aber ein echter Trend lässt sich (noch) nicht erkennen. Das hat das Länderspiel-Doppel gegen die Slowakei und Südafrika bewiesen.

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