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Nationalmannschaft: Sammer macht den Zuchtmeister

Da sprechen zwei die gleiche Sprache: Noch vor der Grundsatzrede von Joachim Löw im Vorfeld des Klassikers gegen England hat sich DFB-Sportdirektor Matthias Sammer an die Seite des Bundestrainers gestellt - und mit Nachdruck das Ende des Kuschelkurses in der Nationalmannschaft angekündigt.

Die klaren Benimm-Richtlinien, die Bundestrainer Löw seinen Nationalspielern nach dem Treffpunkt am Sonntag in Berlin nochmals deutlich machen will, sollen auch bei den Jugendmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) möglichst schnell Einzug halten. Die Auswahl-Talente werden bald einen "Knigge" mit entsprechenden Anweisungen bekommen. "Das unterstütze ich zu hundert Prozent. Wir sind da ganz auf einer Linie. Wir arbeiten etwa mit Hochdruck an einem Verhaltenskatalog für alle U-Nationalteams, von der U 16 an, den wir zum Ende des Jahres präsentieren werden", sagte Sammer in einem Interview der "Frankfurter Rundschau".

Schon vor der von Löw angekündigten Ansprache im Berliner Grand Hyatt Hotel über seine Ansichten zu adäquaten Verhaltensweisen wird damit deutlich, dass beim DFB nicht nur offensive Spielphilosophie und Taktik grundlegend für alle Auswahl-Teams vereinheitlicht werden sollen. Auch öffentliches und internes Auftreten der Elitekicker sollen im Sinne der gewünschten Disziplin klar vorgegebenen Leitlinien entsprechen. "Es ist ganz wichtig, dass wir für den DFB unsere Richtlinien und Verhaltensweisen definieren und die Spieler daran messen", sagte Sammer.

"Profis müssen sich mit dem Job auseinandersetzen"

Die DFB-Führungskräfte reagieren damit nicht nur auf die jüngsten Querelen um die Nationalmannschafts-Stammkräfte Michael Ballack und Torsten Frings, sondern auch auf die aufkommende Debatte um eine generell mangelnde Vorbildfunktion der Profis in Deutschland. Es gehe auch um das Verständnis dafür, Teil einer Mannschaft zu sein, betonte Löw. Sammer, als Spieler selbst als "Hitzkopf" bekannt, machte jedoch zugleich deutlich, dass die neuen Regeln kein Maulkorb seien. "Sicherlich können die Spieler alles ansprechen, aber öffentliche Kritik dient nicht der Sache", sagte der 74-fache Nationalspieler.

Ziel sei sogar die Förderung des mündigen Sportlers, im Sinne des sportlichen Gemeinwohls der Mannschaft. "Allerdings wäre ich froh, wenn sich bei unseren jungen Spielern ein klares Bild der Meinungsäußerung entwickeln würde, natürlich nicht aus egoistischen Motiven", sagte Sammer. "Wir brauchen mehr Spieler, die schon in jungen Jahren Führungsqualitäten zeigen." Die Profis müssten sich mehr mit ihrem Job auseinandersetzen, forderte Löw.

Ballack und Frings mit in Berlin dabei

Die jüngsten Dispute im DFB-Ensemble um Ballack und Frings sowie den auf Dauer suspendierten Kevin Kuranyi sieht Sammer nicht nur negativ. "Ich bin sicher, dass die Auseinandersetzungen in der A-Mannschaft sich positiv auf das Team auswirken werden." Löw will mit seiner Rede am Montag, zwei Tage vor dem letzten Länderspiel des Jahres gegen England unmissverständlich seine Prämissen verkünden. Er werde dabei "seine Erwartungen für die nächsten Spiele auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Südafrika" klar machen, teilte der Verband dazu mit. Auch die im Kader nicht berücksichtigten Ballack (verletzt) und Frings (vereinbarte Pause) werden sich die Grundsatzrede anhören müssen.

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