HOME

Nuri Sahin zum BVB-Anschlag: "Ich werde die Gesichter im Bus niemals vergessen"

Keine 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus musste der BVB in der Champions League gegen AS Monaco antreten. Wie nahe das Attentat den Spielern geht, zeigt ein Interview, das Nuri Sahin im norwegischen TV gab.

BVB-Spieler Nuri Sahin steht in Teamkleidung zwischen einem Poliziebus und bewaffneten Polizisten

Kurz nach dem Anschlag auf den BVB-Bus steht Nuri Sahin (2.v.l.) der Schrecken ins Gesicht geschrieben

Der Satz klingt ganz simpel: "Versuche, uns die letzten 24 Stunden zu beschreiben." Doch die Antwort fällt viel schwieriger aus. Denn der Ex-Fußball-Profi Jan Aage Fjörtoft stellt sie BVB-Spieler Nuri Sahin, der mit im Bus saß, als am Dienstag mutmaßlich Islamisten direkt vor dem Champions-League-Spiel gegen AS Monaco einen Anschlag auf die Mannschaft des BVB verübten. Nun steht Sahin nach Abpfiff des Nachholspiels vor Fjörtofts Mikrofon - etwa 25 Stunden nach dem Anschlag.

"Es ist schwer, darüber zu sprechen. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden," sagt Sahin. "Wir haben es schon oft im Fernsehen gesehen und es schien immer so weit weg. Selbst, als es an Silvester in Istanbul, in meinem Land passierte. Es war nahe, aber trotzdem sehr weit weg von uns. Aber gestern Abend haben wir gespürt, wie es ist, in einer solchen Situation zu sein. Dieses Gefühl wünsche ich niemandem."

Nuri Sahin: "Es gibt so viel mehr als Fußball"

Fjörtoft, für den norwegischen Sportsender Viasport im Stadion, fragt nach: "Es ist schwer, diese Frage zu stellen und es ist schwer, sie zu beantworten. Aber wenn Du da sitzt: Wie weit ist Fußball dann weg aus Euren Köpfen?" Sahin zögert kurz, dann antwortet er: "Ich weiß nicht, ob die Leute das nachvollziehen können, aber bis ich in der zweiten Halbzeit auf dem Rasen stand, habe ich nicht an Fußball gedacht, um ehrlich zu sein. Gestern Abend habe ich gar nicht begriffen, was passiert ist. Als ich nach Hause kam, haben meine Frau und mein Sohn mich vor der Tür erwartet. (...) Ich weiß, dass Fußball sehr wichtig ist. Wir leiden Fußball, wir lieben Fußball und ich weiß, dass wir viel Geld verdienen und ein privilegiertes Leben führen. Aber wir sind menschliche Wesen und es gibt so viel mehr als Fußball in dieser Welt. Gestern Abend haben wir das zu gemerkt."


"Ich habe mit einem ihrer Teamkollegen gesprochen", sagt Fjörtoft. "Und er sagte mir, sie hätten sehr viel Glück gehabt, dass niemand gestorben sei. Wie groß die Verletzungsgefahr war, war von außen schwer zu erkennen."

"Werde den Gesichtsausdruck niemals vergessen"

Sahin antwortet darauf: "Ich habe gerade Gänsehaut. Wenn Du gestern im Bus warst, kannst Du die Gesichter nicht vergessen. Ich werde die Gesichter meinen Lebtag lang nicht vergessen. Wenn man Marc dort gesehen hat und ich saß neben Schmelle (Marcel Schmelzer, d. Red.) und werde seinen Gesichtsausdruck niemals vergessen. Es war unglaublich."

Am Anschlag und seinen Folgen werden einige BVB-Spieler wohl noch länger zu knabbern haben. Ein Wunder, dass sie gegen AS Monaco überhaupt in der Lage waren, zu spielen.

BVB Fans


tkr

Wissenscommunity