HOME

Szenarien des Abgangs: Was Fans beim Urteil über Guardiola auf keinen Fall vergessen sollten

Es scheint beschlossene Sache, dass Trainer Pep Guardiola den FC Bayern München zum Saisonende verlässt. Unter welchen Umständen er seine Ära erfolgreich beenden würde - und unter welchen nicht. Und was Fans auf jeden Fall bedenken sollten.

Pep Guardiola mit skeptischem Blick

Große Erwartungen: Pep Guardiola will in seinem letzten halben Jahr bei Bayern München noch einmal Erfolge liefern

Unter den Fans des FC Bayern München gehen die Meinungen auseinander. Manche halten Pep Guardiola für den besten Trainer, den sie je hatten. Andere schimpfen den Spanier einen überschätzten Selbstdarsteller. Wahrscheinlich schießen beide Standpunkte übers Ziel hinaus, wie so oft bei extremen Meinungen.

Aber was muss Guardiola in seinem letzten Jahr noch erreichen, damit seine Ära auch in der Rückschau als Erfolg gewertet wird? Wie muss er in den drei Wettbewerben abschneiden, um sich erhobenen Hauptes zu verabschieden? Und was sollte er sich auf keinen Fall erlauben? Die Szenarien im Überblick:

Bundesliga

Guardiolas Bundesliga-Bilanz ist einmalig: Bisher (Stand: 18.12.) saß er 84-mal auf der Bank, davon gewann seine Mannschaft sagenhafte 68 Partien bei acht Unentschieden und acht Niederlagen. Diese Statistik wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Saisonende noch weiter aufgehübscht. Der Titel ist den Bayern unter keinen Umständen zu nehmen, er wird Guardiolas dritte Meisterschaft im dritten Jahr. Weshalb er fälschlicherweise als Selbstverständlichkeit abgeheftet wird. Einen Ehrenplatz im Bayern-Museum wird er Guardiola trotz aller Rekorde jedoch nicht einbringen.

DFB-Pokal

Wenn es nicht gerade zum Duell mit den Erzrivalen vom BVB kommt, ist der Pokalwettbewerb den anspruchsvollen Fans ziemlich egal. Gewonnen werden muss er natürlich trotzdem. Was meistens auch gelingt. Und sollte doch einmal Unvorhergesehenes dazwischenkommen - wie die Elfmeterschießen-Niederlage im Halbfinale 2015 gegen Dortmund -, wird es erstaunlich schnell wieder vergessen. Noch so ein Scheitern wäre für den geschmeidigen Gesamteindruck der Ära Guardiola dennoch nicht ratsam. Der DFB-Pokal ist für die Bayern wie schöner Schmuck, den man eigentlich nicht braucht - und wie der Liga-Titel deshalb ein Muss zum Abschied des Welttrainers.

Champions League

Hier - und nur hier - entscheidet sich, wie man sich an Guardiolas Werk beim FC Bayern erinnern wird: Er muss den Titel in der Königsklasse holen. Die Halbfinal-Pleiten gegen Real Madrid (2014) und den FC Barcelona (2015) werfen einen Schatten auf das Schaffen des Spaniers in München. Sollte er in der Champions League ein drittes Mal scheitern, werden sich die Fans auch an die beste Bundesliga-Saison bald nicht mehr erinnern. Und wenn doch, werden sie dabei nicht vorrangig an Guardiola denken - sondern an Neuer, Müller, Lewandowski.

Eines sollten die Fans keinesfalls vergessen ...

Am Ende gilt für Guardiola dieselbe Regel wie für alle Trainer im internationalen Spitzenfußball: Er wird an Titeln gemessen. Aber man sollte beim Urteil über Guardiola auch bedenken: Dieser Coach hat den Bayern einen mitreißenden Stil verpasst. Schönerer Fußball als in der Ära Guardiola wurde in der Allianz-Arena nie gespielt. Das bestätigen sogar die Anhänger jener Teams, die reihenweise mit Kantersiegen heimgeschickt wurden. Vielleicht war unter Pep nicht alles perfekt. Aber vieles war besser als je zuvor. Ganz egal, wie viele Titel er dem Bayern-Briefkopf noch hinzufügt.

tim

Wissenscommunity