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Hinweise auf Abschied: Die Gründe für Pep Guardiolas Abgang

Es besteht wohl kein Zweifel mehr: Pep Guardiola wird den FC Bayern München zum Saisonende verlassen - obwohl der Club ihn gerne gehalten hätte. Was den Startrainer zu seiner Entscheidung veranlasst haben dürfte.

Pep Guardiola gedankenversunken

In sich gekehrt: Bayern-Trainer Pep Guardiola hält sich bezüglich seiner Zukunft immer noch bedeckt - entschieden hat er sich längst

"Es ist eine große Ehre für mich, Trainer dieser Mannschaft zu sein", sagte Pep Guardiola noch nach dem 1:0 im Pokal-Achtelfinale gegen Darmstadt 98 am Dienstag. Ein typischer Guardiola-Satz: Der Trainer des FC Bayern München spricht grundsätzlich gerne in den höchsten Tönen, singt Hymnen auf die Spieler, überfrachtet seine Sätze mit einer ordentlichen Portion Pathos. Glaubwürdiger werden sie dadurch nicht - erst recht nicht, wenn nur wenige Tage später gegenteilige Meldungen die Runde machen.

Denn es gibt wohl keinen Zweifel mehr: Guardiola wird den FC Bayern München am Saisonende verlassen. Der Startrainer äußert sich seit Monaten auf Nachfrage nicht offiziell zu seiner Zukunft, aber seine Entscheidung soll er dem Bayern-Vorstand längst mitgeteilt haben. Das berichten neben den üblichen Verdächtigen wie "Daily Mail" oder "Marca" jetzt auch seriöse Medien. Sogar das Fußball-Fachmagazin "kicker", traditionell jeglicher Effekthascherei unverdächtig, schreibt auf seiner Titelseite in aller Deutlichkeit: "Guardiola verlässt die Bayern."

Auf den ersten Blick kaum nachzuvollziehen

Aber warum will der Katalane nicht weitermachen an der Säbener Straße? Der FC Bayern hat stets intensiv um ihn geworben und auch öffentlich regelmäßig großes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Coach bestätigt, gewährte ihm großes Vertrauen und viele Freiheiten. Auf den ersten Blick kann man als neutraler Beobachter kaum nachvollziehen, warum der 44-Jährige seinen Dienst in München unter diesen Umständen nicht fortsetzen will. Aber er hat seine Gründe:

1. Seine alten Freunde wollen ihn nach Manchester holen

Idealere Arbeitsbedingungen als in München wird Guardiola wohl bei keinem anderen Spitzenverein in Europa finden - aber bessere Freunde schon: Bei Manchester City bekleiden mit Txiki Begiristain (Sportdirektor) und Ferran Soriano (Klubchef) zwei frühere Barca-Weggefährten die wichtigsten Positionen. Das Duo soll den aktuellen Trainer der Citizens, Manuel Pellegrini, lieber heute als morgen durch den alten Kumpel ersetzen wollen. 100 Millionen Pfund (umgerechnet 142 Millionen Euro) für fünf Jahre stehen laut Informationen von "The Sun" im Raum. Aber nicht nur bei City ist Guardiola im Gespräch - auch Stadtrivale United ist momentan nicht glücklich mit Coach Louis van Gaal, Chelsea mit José Mourinho ebenso wenig.

2. Nach dieser Saison hat er in München keine Perspektive mehr - so oder so

Es klingt komisch, aber Guardiola hätte sich am Ende dieser Spielzeit für kommende Aufgaben abgenutzt: Sollte er den ersehnten Champions-League-Titel erringen, gibt es als Bayern-Trainer keine Herausforderung mehr - Titelverteidigungen dürften dann als Antrieb kaum ausreichen. Sollten die Bayern beim Sturm auf Europas Thron erneut scheitern, wäre Guardiola in Kombination mit den krachenden Pleiten der vergangenen Halbfinals gegen Real Madrid und den FC Barcelona ebenfalls nur noch schwer zu vermitteln. Da würden beim Anspruch von Verein und Fans auch drei nahezu perfekte Bundesliga-Spielzeiten nicht mehr als Argument gelten.

3. Er wollte nie länger als drei Jahre bleiben

Von Anfang an ließ der Spanier immer wieder durchscheinen, dass er seine Ära im Verein auf drei Jahre begrenzt sehe. Schon sein viertes Jahr in Barcelona bezeichnete er später als Fehler. Der Abgang nach drei Spielzeiten wäre deshalb nur konsequent.

4. Der Stress mit den Ärzten

Die Meldung ist ein Schock: Franck Ribery ist schon wieder verletzt, fällt mit Muskelbündelriss im linken Oberschenkel für Wochen aus. Neues Öl ins Feuer des wütenden Guardiola, der Teamarzt Dr. Volker Braun für die aktuelle Verletztenmisere verantwortlich macht. Ständige Streitigkeiten mit dem Trainer hatten schon den legendären Hans-Wilheilm Müller-Wohlfarth seinen Job als Bayern-Doktor gekostet. Wohlfarth hatte sich gegen Guardiolas ständige Vorwürfe gewehrt, genau wie Braun im aktuellen Fall. Nach "kicker"-Informationen soll der Trainer den Arzt daraufhin aus seinem Büro geworfen und gewettert haben: "Hier kann ich nicht vernünftig arbeiten!" Neben dem Ärger mit den Medizinern geht es Guardiola auf die Nerven, dass bei Transfers nicht er das letzte Wort hat, sondern der Verein.

Nach dem letzten Pflichtspiel des Jahres in Hannover wollen die Bayern-Verantwortlichen verkünden, ob es mit Guardiola auf der Bank weitergeht. Weil dieses offene Geheimnis nun aber gelüftet scheint, wird die Diskussion um seinen Nachfolger bis dahin längst in vollem Gange sein.

tim

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