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Premier League: Panik bei englischen Clubs

Die internationale Finanzkrise hat die englischen Fußball-Clubs erreicht. Aber das ist nicht das einzige Problem. Auf den Clubs lasten enorm hohe Schulden. Die Uefa prüft, ob sie in Zukunft betroffene Vereine von internationalen Wettbewerben ausschließen kann.

Im englischen Fußball geht die Existenzangst um, und die Uefa kennt kein Pardon. Statt Mitleid zu verteilen, wettert Uefa-Präsident Michel Platini gegen die Flut ausländischer Investoren in der Premier League, die derzeit von der internationalen Bankenkrise gebeutelt wird. "Wenn man Menschen aus Katar nach Manchester oder Liverpool holt und da keiner mehr vom dem Club selbst ist, wo ist dann überhaupt noch Liverpool oder Manchester?", sagte Platini dem englischen Sender BBC, "ich glaube, das ist nicht gut. Die Katarer sollten in Katar investieren." In Englands Elite-Klasse tummeln sich so viele ausländische Geldgeber wie sonst in keiner anderen Liga. Arsenals Coach Arsene Wenger nannte die Entwicklung sogar "Finanz-Doping".

Selbst Liga-Krösus FC Chelsea mit dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch als Besitzer ist gegen die Turbulenzen auf dem internationalen Finanzmarkt nicht immun. "Ich glaube, alle Clubs werden den finanziellen Engpass in relativ naher Zukunft spüren", warnte Chelseas Vorsitzender Bruce Buck, "vor allem wenn die Erneuerung der Dauerkarten oder Weihnachtskäufe anstehen. Die Finanzkrise ist ein großes Problem, mit dem wir uns alle auseinandersetzen müssen, selbst mit einem Mäzen Roman Abramowitsch."

Neun Clubs in ausländischer Hand

Neun der zwanzig Vereine haben mittlerweile einen ausländischen Besitzer. Tendenz steigend. Nach Platinis Auffassung sollten diese schwerreichen Gönner lieber den Fußball im eigenen Land fördern. "Will man in Liverpool einen arabischen Scheich als Präsidenten, einen Brasilianer als Coach und neun oder elf afrikanische Spieler?" Die Popularität des Fußballs beruhe darauf, dass sich Fans mit ihren Clubs identifizieren können, betonte Platini. Der Franzose schloss nicht aus, dass die Uefa die Einflussnahme ausländischer Geldgeber auf die Vereine reguliert. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob das möglich ist. Ich muss erst das EU-Recht, das englische, das französische, das deutsche, das russische, das ukrainische prüfen, das ist jede Menge."

Am kommenden Montag in Genf will sich die Uefa zunächst einmal zu einem Arbeitskreis zu einer schärferen Begrenzung der erlaubten Schulden eines Vereins treffen. Auslöser sind die am Dienstag öffentlich gemachten 3,85 Milliarden Euro Verbindlichkeiten des englischen Fußballs. Die vier Spitzen-Clubs Manchester United, FC Liverpool, FC Chelsea und der FC Arsenal allein sind für etwa ein Drittel des Schuldenbergs verantwortlich. Hochverschuldete Vereine müssen künftig sogar mit dem Ausschluss von den europäischen Wettbewerben wie der Champions League rechnen, hatte Uefa-Generalsekretär David Taylor am Mittwoch gesagt.

West Ham United hat es am schwersten getroffen

Wohl am schlimmsten hat die internationale Banken-Krise in der Premier League West Ham United getroffen. Grund ist der Kollaps der inzwischen notverstaatlichten isländischen Bank Landsbanki. Club- Besitzer Björgolfur Gudmundssson, bisher zweitreichster Isländer, gehörten mit seinem Sohn 42 Prozent des Geldinstituts. Gudmundsson, der West Ham im November 2006 für 85 Millionen Pfund (knapp 109 Millionen Euro) übernommen hatte, erklärte, dass der Club sicher sei und keine Spieler verkauft werden müssten. West Hams Vize-Präsident Asgeir Fridgeirsson räumte aber ein, dass Teammanager Gianfranco Zola sehr wahrscheinlich im Januar kein Geld für neue Transfers zur Verfügung steht.

West Ham hat bereits zum zweiten Mal Pech: Im September hatte sein Trikotsponsor, das Reiseunternehmen XL Holidays, Konkurs angemeldet und in der Vereinskasse ein Loch von fünf Millionen Pfund (knapp 6,4 Millionen Euro) hinterlassen.

Inga Radel und Ben James/DPA / DPA

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