Prozess Lange Haft für Ex-FCK-Führung?


Wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe steht die ehemalige Dreierspitze des 1. FC Kaiserslautern vor Gericht. Den Männern drohen bis zu drei Jahren Haft - doch das Trio gibt sich unschuldig und plädiert auf Freispruch.

Im Strafprozess gegen das ehemalige Führungstrio des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern vor dem Landgericht Kaiserslautern hat die Staatsanwaltschaft hohe Freiheitsstrafen wegen gemeinschaftlicher Steuerhinterziehung beantragt. Oberstaatsanwalt Thomas Lißmann forderte für den früheren Vorstandschef Jürgen Friedrich drei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe, für seinen Vorstandskollegen Gerhard Herzog zwei Jahre auf Bewährung und für den Aufsichtsratsvorsitzenden Robert Wieschemann zwei Jahre und neun Monate. Die Verteidiger plädierten geschlossen auf Freispruch.

Nach Ansicht der Anklage hat die Beweisaufnahme ergeben, dass sich Friedrich in sieben Fällen der Steuerhinterziehung schuldig machte. Es sei ein Gesamtschaden von 1,7 Millionen Euro entstanden. Bei Herzog geht die Anklagebehörde von vier Fällen und 1,2 Millionen Euro Schaden aus, bei Wieschemann von drei Fällen und einer Million Euro. Es seien meist über Verträge zum Erwerb von Persönlichkeitsrechten Schwarzgelder an FCK-Profis geflossen. Die entsprechenden Verträge seien der Deutschen Fußball Liga (DFL) nicht vorgelegt, der FCK- Aufsichtsrat sei nicht informiert worden.

Kaiserslautern womöglich kein Einzelfall

Die Angeklagten, so Lißmann, hätten unter enormem Erwartungsdruck von Fans und Medien mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln den Erfolg gesucht. Irgendwann hätten sie die Bodenhaftung verloren, Realitätsverlust habe sich breitgemacht. Als mildernden Umstand wertete die Anklage die zeitweise "wohlwollende Prüfungspraxis der Finanzbehörde". Lißmann glaubt, dass ähnliches womöglich auch anderswo geschah: "Man muss schon sehr naiv sein, um zu glauben, dass Kaiserslautern ein Einzelfall ist."

Hauptverantwortlicher sei Friedrich als "Ideengeber und Verhandlungsführer". An zweiter Stelle stehe Wieschemann, der es ermöglicht habe, die Geschäfte am Aufsichtsrat vorbei zu tätigen. Herzog sei stets dabei gewesen, "doch nicht in der ersten Reihe". Lißmanns Ausführungen zufolge hat Herzog die Steuerhinterziehungen zumindest billigend in Kauf genommen.

"Negativ-Höhepunkt meines 62-jährigen Lebens"

Friedrichs Verteidiger Ernst Misamer zeichnete das Bild einer vom derzeitigen FCK-Chef René C. Jäggi gegen die Angeklagten angezettelten Verschwörung. Jäggi habe, um seine Vereinspolitik durchzusetzen, das Stadion verkaufen wollen; deswegen seien Steuernachzahlungen provoziert worden. Die Anklage sei "ein Rad in der von Jäggi aufgestellten Maschinerie". Aufsichtsrat, DFB und DFL hätten sich unwissend gestellt.

Friedrich bezeichnete in seinem Schlusswort die Verhandlung als "Negativ-Höhepunkt meines 62-jährigen Lebens". Herzog erklärte: "Ich hätte nicht mitgemacht, wenn je von Steuerhinterziehung die Rede gewesen wäre." Wieschemann sagte: "Ich bin das Opfer einer Verleumdungskampagne, die von Herrn Jäggi angezettelt wurde." Das Urteil wird am 13. Oktober verkündet.

DPA DPA

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