HOME

Real-Publikum: Die Angst des Torwarts vor den "Ultras Sur"

Die Erinnerung an den schlimmen Patzer vom Hinspiel im Kopf und die gefürchteten "Ultras Sur" im Rücken: Bayern-Torwart Oliver Kahn wird am Mittwoch in Madrid um seine Position nicht zu beneiden sein.

Die Erinnerung an den schlimmen Patzer vom Hinspiel im Kopf und die gefürchteten "Ultras Sur" im Rücken: Bayern-Torwart Oliver Kahn wird um seine Position im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Real Madrid nicht zu beneiden sein. Eine Halbzeit lang wird er am Mittwochabend die radikalste Fangruppe des spanischen Fußball-Rekordmeisters direkt hinter sich haben.

Die radikalsten Real-Fans

Die "Ultras Sur" - benannt nach ihrem Standort auf der Südtribüne des Bernabéu-Stadions - hatten in den vergangenen Jahren immer wieder durch rechtsradikale Symbole oder gewaltsame Ausschreitungen den Ruf des "königlichen" Vereins angekratzt. 1998 sorgten sie weltweit für Schlagzeilen. Vor dem Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund rissen sie ein Tor um; die Partie konnte nur mit 75-minütiger Verspätung angepfiffen werden und endete erst gegen Mitternacht.

Einfluss auf Vereinsführung schwindet

Damals kam heraus, dass der Club die Ultras jahrelang verhätschelt hat. Die Fan-Gruppe durfte ein Büro im Stadion unterhalten und bekam Zuschüsse für Reisen zu Auswärtsspielen. Seit der ominösen Tor-Affäre und der Wahl des Baulöwen Florentino Pérez zum neuen Real-Präsidenten haben die Zeiten sich jedoch geändert. Die "Ultras Sur" verloren ihr Büro und ihren Einfluss auf die Clubführung. Sie erhalten keine Finanz-Hilfen mehr und ihre Zahl ging von 2000 auf etwa 700 zurück.

Früheren Schrecken verloren

Diese Fangruppe gelangt durch einen bestimmten Eingang, das Tor Nummer 28, ins Stadion. "Grada Joven" (Tribüne für junge Leute) steht über dem Einlass. Dort sind die Kontrollen besonders streng. Die "Ultras Sur" dürfen sich auf der Südtribüne nicht mehr frei bewegen, sondern sind vom übrigen Publikum abgeschirmt. Gewalttäter werden sofort aus dem Verein ausgeschlossen und verlieren ihre Dauerkarten. All dies trug Früchte. Um die Fangruppe ist es eher still geworden. Seit Monaten gab es keine nennenswerten Ausschreitungen mehr.

Das Bernabéu mit seinen gut 75 000 Plätzen ist ohnehin kein Hexenkessel. Wer die Arena zum ersten Mal besucht, ist überrascht, wie ruhig das Publikum ist. Anders als in den Bundesliga-Stadien feuern die Zuschauer ihre Mannschaft nicht an. Es ist umgekehrt: Das Publikum will von den Fußballern mitgerissen werden. Und wenn Real schlecht spielt, werden auch Stars wie Ronaldo ausgepfiffen.

"Hassgegener" Bayern

Im Spiel gegen den FC Bayern wird dies jedoch anders sein. Die Münchner sind für die Real-Fans ein "Lieblingsfeind". Sie werden in Madrid zwar als ein großer Verein achtet, aber sie kamen beim Publikum in der spanischen Hauptstadt schon immer schlecht an. Es ist unvergessen, dass Kahn zum Vereinsjubiläum Reals lieber auf Mallorca Golf spielte, als im Bernabéu-Stadion im Tor einer Weltelf zu stehen.

Die Atmosphäre auf den Rängen wird zum Zerreißen gespannt sein. Die Madrilenen taten selbst ihr Bestes, die Spannungen zu schüren. Sie erweckten den Eindruck, als wäre es Schuld des FC Bayern, dass ihr Verteidiger Roberto Carlos vom Europäischen Verband UEFA gesperrt wurde. Die "Königlichen" folgen einem schlichten Kalkül: Wenn das Publikum "heiß" ist, springt der Funke auf den Rasen über und das Star-Ensemble um Zidane sieht sich zu Top-Leistungen herausgefordert.

Wissenscommunity