Schiedsrichter-Skandal Ende einer Leidenszeit


Die Ermittlungen gegen Jürgen Jansen, der im Zuge des Hoyzer-Skandals in Manipulations-Verdacht geraten war, sind eingestellt worden. Jetzt hofft der Bundesliga-Schiedsrichter auf sein baldiges Comeback.

Die Erleichterung ist bei Jürgen Jansen groß. Doch Jubelstimmung kann beim Essener Referee nach seiner Rehabilitierung durch die Berliner Staatsanwaltschaft und das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht aufkommen. "Ich fange erst an, das zu realisieren. Was ich durchmachen musste, das wünsche ich keinem, das kann sich wirklich kein Außenstehender vorstellen", sagte der 44-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA über die vergangenen Monate, als er im Zuge des Hoyzer-Skandals in Manipulations-Verdacht geraten war: "Ich wurde gepresst bis zum geht nicht mehr, bin aus dem Leben gerissen worden."

Sehnen nach dem "Tag X"

Ins Schiedsrichter-Leben wird Jansen nun, da die Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden, wohl innerhalb der nächsten drei Monate zurückkehren. Dann könne er endlich das Versprechen, das er seinen Kindern abgegeben habe, einlösen. "Erst die Rückkehr auf den Platz ist für mich die Rehabilitation und der Start in eine neue Zukunft."

Mit Waldläufen hat er sich auf den "Tag X" vorbereitet, für den in vermutlich zwei Wochen anstehenden Leistungstest sieht er sich gut gerüstet. Über die Regionalliga und die 2. Liga soll er wieder ans Oberhaus herangeführt werden. "Man muss behutsam aufgebaut werden, nur so kann der Weg gehen", sagte Jansen, der "wie ein junges Rennpferd" seinem Comeback entgegenfiebert und keine Furcht vor der besonderen Beobachtung hat: "Die Normalität kehrt schneller zurück, als manche denken."

"Nur wenige halten zu einem"

Doch wird auch dann nichts mehr so sein, wie es einmal war in der Schiedsrichter-Gilde, die sich gern als 19. Mannschaft der Bundesliga sieht, von der sich Jansen aber ausgegrenzt sah. Von den Team-Mitgliedern habe er in den zurückliegenden Monaten keinen Zuspruch erfahren, berichtet er: "Es war ja auch für sie eine schwierige Situation. Die einen wussten vielleicht nicht, wie sie sich verhalten sollten, andere hatten vielleicht Angst." Am Ende, so hat er festgestellt, "sind es immer nur zwei, drei Menschen, die zu einem halten".

Einer davon ist Volker Roth, der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses. "Er kennt mich, er hat immer an mich geglaubt und zu mir gehalten." Roth wird auch das Drehbuch für Jansens Rückkehr ausarbeiten. Zuvor ist ein Treffen mit dem Geschäftsführenden DFB- Präsident Theo Zwanziger geplant, bei dem über eine finanzielle Entschädigung durch die halbjährige Zwangspause gesprochen werden soll.

Keine Emotionen mehr

"Das Geld ist aber nicht das Entscheidende", sagt der Versicherungs-Fachwirt, der vor dem Hoyzer-Skandal seine Stelle beim Gerling-Konzern aufgegeben hatte, um sich mehr auf den Fußball konzentrieren zu können. Eine Rückkehr in den Beruf beim Haftpflichtverband der Deutschen Industrie scheiterte wegen der Ermittlungen der Staatsanwalt, "was ich verstehen konnte".

Drei Jahre lang kann Jansen, der bisher 142 Bundesligaspiele leitete, noch bis zum Erreichen der Altersgrenze auf höchstem Niveau seiner Leidenschaft als Schiedsrichter nachgehen. Künftig aber wird man einen anderen Jürgen Jansen erleben, sagt der Referee: "Früher war ich ein lebhafter und agiler Typ, das ist vollkommen weg. Ich habe kaum noch Emotionen."

Oliver Hartmann/DPA DPA

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