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Wettskandal: Drei Haftbefehle und Schiedsrichter Jansen abgezogen

Für insgesamt 70.000 Euro Schmiergeld soll Robert Hoyzer die Liga verraten haben. Mit Jürgen Jansen geriet erstmals ein Unparteiischer der Erstliga ins öffentliche Interesse.

Im Wettskandal um den geständigen Schiedsrichter Robert Hoyzer ist mit Jürgen Jansen erstmals ein Unparteiischer der Erstliga in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses geraten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat wenige Stunden vor dem Bundesliga-Spiel am Sonntag zwischen Werder Bremen und Hansa Rostock den Essener Schiedsrichter "rein vorsorglich zurückgezogen und durch Lutz Wagner (Hofheim) ersetzt. Vehement bestritten hat Hertha BSC die angebliche Verstrickung von drei seiner Spieler in die Affäre. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat in der Nacht zum Samstag Haftbefehle gegen drei Beschuldigte erwirkt.

Jansen Name fiel bei Hoyzers Vernehmung

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sagte am Sonntagabend, man habe "auf indirektem Wege erfahren", dass bei Hoyzers Vernehmung vor der Staatsanwaltschaft Berlin "der Name Jansen gefallen sein soll". Einen Tatverdacht gebe es nicht. "Die Maßnahme wurde getroffen zum Schutz eines Schiedsrichters, der nach meinem derzeitigen Erkenntnisstand nicht in den Zusammenhang mit einem Manipulationsverdacht gebracht werden kann", erklärte DFB- Schiedsrichterobmann Volker Roth, der bereits im ersten "Ringtausch" den ursprünglich vorgesehenen Referee Stefan Trautmann durch Jansen ersetzt hatte.

Drei Schiedsrichtern und acht Spieler verwickelt

Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" sind neben drei Schiedsrichtern acht Spieler aus den Clubs Chemnitzer FC und Dynamo Dresden sowie dem SC Paderborn in den Wettskandal verwickelt. Paderborns Präsident Wilfried Finke bestätigte, dass ein Spieler Geld erhalten habe, das nach dem 4:2-Pokalsieg gegen den Hamburger SV im Mannschaftskreis verteilt worden sei. Angeblich sei der Spieler aufgefordert worden, sich im Strafraum fallen zu lassen, dann werde es Elfmeter geben. Tatsächlich wurden von Hoyzer zwei unberechtigte Strafstöße gegen den HSV verhängt.

70 000 Euro Schmiergeld

Hoyzer soll in seiner Vernehmung eingeräumt haben, von Bekannten aus dem Umfeld einer kroatischen Wett-Mafia in Berlin knapp 70 000 Euro erhalten zu haben. Er habe vier Spiele manipuliert und dafür Beträge zwischen 5000 und 15 000 Euro erhalten. Zudem habe er nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" dem Schiedsrichter-Kollegen Felix Zwayer, der vor eineinhalb Wochen als einer von vier Zeugen den Fall ins Rollen gebracht hat, ein paar hundert Euro zugesteckt.

Bei den manipulierten Spielen soll es sich neben dem DFB- Pokalspiel SC Paderborn - Hamburger SV um die Regionalligaspiele Eintracht Braunschweig - FC St. Pauli (5. Juni 2004), FC St. Pauli - VfL Osnabrück (14. August 2004) und das Zweitligaspiel LR Ahlen - Wacker Burghausen (22. Oktober 2004) handeln.

Hertha BSC vertraut den Spielern

Hertha BSC will keine Konsequenzen aus einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" ziehen, nach dem drei Spieler zu den Gästen des Charlottenburger "Café King", das als Zockerlokal gilt, gehört hätten. Wenige Stunden vor der Sonntag-Partie gegen Bayern München bestätigte Hertha-Sprecher Hans-Georg Felder noch einmal, dass die betreffenden Profis Josip Simunic, Alexander Madlung und Nando Rafael dabei sein werden: "Zwei von ihnen werden spielen, alle drei sind im Aufgebot." Die drei Spieler hatten eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass sie mit dem Wettskandal nichts zu tun hätten.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte am späten Samstagabend Haftbefehle gegen drei Beschuldigte des Wettskandal erwirkt. Ein Bereitschaftsgericht am Amtsgericht Tiergarten ordnete die Untersuchungshaft wegen "gewerbs- und bandenmäßigen Betruges" an. Diese Delikte können mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren geahndet werden. Die drei Männer waren am Freitag im Zuge von Durchsuchungsmaßnahmen vorläufig festgenommen worden.

Razzia im "Café King"

128 Einsatzkräfte der Berliner Polizei und des Landeskriminalamtes Berlin waren zeitgleich an vier Orten in der Hauptstadt im Einsatz. Die drei Beschuldigten haben sich laut Staatsanwaltschaft zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen bislang nicht geäußert. Es gebe keinen neuen Sachstand, teilte die Behörde am Sonntag mit. Bei der Razzia im "Café King" sollen nach einem Bericht des "Tagesspiegel" zwei Wettscheine über Auszahlungen von Gewinnen von einer Million und 1,7 Million Euro sichergestellt worden sein. Außerdem wurden drei hochwertige Autos und ein Bestellschein für einen Ferrari beschlagnahmt.

Der deutsche Fußball drängt auf eine rasche Aufklärung des Wettskandals und erwartet schnelle Einsicht in die Ermittlungsakten der Berliner Staatsanwaltschaft. Er wolle am Montag einen entsprechenden Antrag bei der Behörde stellen, sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger. Der Vorsitzende der Deutschen Fußball Liga (DFL), Werner Hackmann, erwartet, dass die Sportgerichtsbarkeit innerhalb der nächsten 14 Tage über Wiederholungsspiele als Konsequenz aus dem Wettskandal entscheidet.

Illegale Sportwetten im Visier

Die Politik will die illegalen Sportwetten in Deutschland stärker bekämpfen. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer haben einen entsprechenden Auftrag an die Innenminister erteilt, bestätigte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das Thema stehe auch auf der Tagesordnung der Ministerpräsidentenkonferenz am 14. April in Berlin.Ein konsequentes Durchgreifen fordert auch Bundesinnenminister Otto Schily.

Von Andreas Schirmer/DPA

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