Manipulations-Skandal "Affäre wird sich ausweiten"


Wettskandal und kein Ende: Am Mittwochmorgen hat die Polizei die Häuser von drei Schiedsrichtern durchsucht. Nach Ansicht von Robert Hoyzers Anwalt wird das nicht der Schlusspunkt gewesen sein.

Im Wettskandal hat es am Mittwochmorgen bei mehreren Schiedsrichtern Hausdurchsuchungen gegeben. Die Polizei Essen bestätigte eine Hausdurchsuchung beim Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung gab es weitere Durchsuchungen in Berlin und Dresden. Dabei soll es sich um die Wohnräume des Zweitliga-Schiedsrichters Dominik Marks und des Dresdner Schiedsrichter-Obmanns Wieland Ziller gehandelt haben.

Affäre wird sich noch ausweiten

Damit ist ein neuer Höhepunkt im Schiedsrichter-Skandal erreicht. Aber vielleicht nicht der letzte. Nach Ansicht des Anwalts von Robert Hoyzer werde sich die Affäre noch ausweiten. "So mancher meinte noch vor ein paar Tagen, als sich alle Augen allein auf Robert Hoyzer richteten: So, da haben wir einen, der war’s und damit Ende. Ehrlich gesagt, das glaube ich überhaupt nicht", sagte der Essener Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner der Wochenzeitung "Die Zeit".

Zu den Hintermännern der Wettbetrüger zählt der Anwalt Personen aus dem osteuropäischen Geheimdienstmilieu. "So mancher dieser Leute aus dem europäischen Ausland gehörte früher zum Geheimdienst. Die haben sich neue Aufgaben gesucht", sagte Holthoff-Pförtner. Er gehe davon aus, dass es vergleichbare Netzwerke wie die in Berlin "auch in anderen Regionen" gebe.

Hoyzer soll alle Namen nennen

Über seinen Mandanten Robert Hoyzer, der den Skandal ins Rollen brachte, sagte der Essener Anwalt: "Er ist in etwas hineingeraten, dessen Dimension er nicht richtig überschaut hat." Er habe dem 25- Jährigen geraten, "ohne Rücksicht auf die eigene Person auszupacken, alles zu sagen, alle Namen zu nennen".

Derweil wehrt sich DFB gegen die Medien. Der geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger hat erklärt, dass der Verband rechtliche Schritte gegen Medienberichte prüfe, die den Eindruck einer Vertuschung der Affäre durch den DFB erweckten. Außerdem sei DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder nach seinem Auftritt in einer Talkshow falsch zitiert worden. Mayer-Vorfelder war mit den Worten wieder gegeben worden, die staatliche Sportwette Oddset habe den DFB nicht bereits im August über den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten informiert worden. Dies sei jedoch falsch. Mayer-Vorfelder selbst nahm an der Pressekonferenz nicht teil.

DFB hofft auf Akteneinsicht

Erfreut äußerte sich Zwanziger darüber, dass die Staatsanwaltschaft Berlin dem DFB Akteneinsicht in dem Fall gewähren wolle. Er hoffe, dass dies noch in dieser Woche geschehen werde, sagte er. "Ich bleibe optimistisch, dass wir sehr schnell beweiskräftige Informationen vorlegen können", so Zwanziger.

Dazu, ob in der Wett-Affäre mittlerweile auch Bundesliga-Spiele auf Manipulationen überprüft werden, will sich der DFB nicht äußern.

"Ich möchte keine konkreten Spiele oder einen Ermittlungsstand nennen", sagte der Leiter der DFB-Sonderkommission zur Untersuchung der Affäre, Götz Eilers. Zuvor hatten Medien berichtet, der geständige Schiedsrichter Robert Hoyzer habe bei der Staatsanwaltschaft erklärt, möglicherweise sei auch das Bundesliga-Spiel Kaiserslautern gegen den SC Freiburg im November 2004 manipuliert worden.

Pause für belastete Schiedsrichter

Die nach Aussagen Hoyzers im Manipulationsskandal unter Verdacht geratenen Unpartaiischen wird der DFB trotz ihrer Unschuldsbeteuerungen vorerst nicht einsetzen. "Alle, deren Namen jetzt fallen, werden nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen. Und da ist es wurscht, wie lange es dauert, bis die Sache geklärt ist", sagte DFB-Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell. "So lange jemand unter Verdacht steht, pfeift er keine Spiele mehr."

Daran würden auch Eidesstattliche Erklärungen, mit denen im Zuge des Wettskandals die genannten DFB-Referees Jürgen Jansen, Felix Zwayer und Dominik Marks ihre Unschuld untermauern wollen, nichts ändern. "Also, wir glauben erst einmal gar nichts mehr. Wir haben ja schon gesehen, wie solche Erklärungen abgegeben und dann entkräftet wurden", sagte Amerell.

Wenn die Beschuldigten jedoch entlastet würden, könnten sie auch finanzielle Entschädigungen verlangen. "Sollte es so sein, dass sich herausstellt, dass einer der jetzt Beschuldigten absolut sauber ist, muss er natürlich darüber nachdenken, Schadensersatzforderungen zu stellen, das ist doch völlig klar", meinte Amerell.

Hoyzer hat Zeitungsberichten zufolge neun Spieler, drei Schiedsrichter und einen Funktionär belastet. Der 25-jährige hatte bereits vor Tagen zugegeben, mehrere Parteien manipuliert und dafür Geld von einer kroatischen Wettmafia bekommen zu haben. Zudem hatte er erklärt, auch andere Schiedsrichter und Spieler seien an Manipulationen beteiligt. Dem DFB lagen zuletzt Einsprüche gegen neun Spiele aus der Zweiten Liga, dem Pokal und der Regionalliga vor.

DPA/Reuters DPA Reuters

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