Manipulationsvorwürfe Großrazzien im Wettskandal


Die Polizei hat bundesweit zahlreiche Wohnungen von Verdächtigten im Wettskandal durchsucht. Laut Hoyzer-Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner könnte die Spur auch nach Osteuropa führen.

Der Fußball-Wettskandal nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Mittlerweile ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft bundesweit gegen 25 Beschuldigte wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges oder Beihilfe. Das teilte die federführende Behörde in der Hauptstadt nach Durchsuchungen von Wohnungen und Büros von 19 Beschuldigten in zehn Bundesländern mit. 150 Polizisten waren im Einsatz. Es sind "mit Erfolg Beweismittel gesichert worden".

Akteneinsicht soll Spielbetrieb sichern

Nach dieser Großrazzia soll der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, jetzt umgehend Aktenauskunft erhalten. Damit könnten laut Staatsanwaltschaft "die beim DFB für notwendig erachteten Maßnahmen zur Sicherung des Spielbetriebes ergriffen werden".

Die Beschuldigten sind verdächtig, zumindest 10 Spiele der 1., 2. und 3. Liga sowie im DFB-Pokal 2004 manipuliert zu haben. Unter Verdacht stehen neben dem geständigen Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer laut Staatsanwaltschaft die DFB-Schiedsrichter Jürgen Jansen, Felix Zwayer und Dominik Marks. Außerdem beschuldigt werden 14 Spieler der Vereine LR Ahlen, Chemnitzer FC, Energie Cottbus, Dynamo Dresden, Kickers Offenbach und SC Paderborn sowie Laurentiu-Aurelian Reghecampf, der vor kurzem von Cottbus zu Alemannia Aachen transferiert worden war.

Den Beteiligten werden Manipulationen vorgeworfen, damit die bereits am vergangenen Freitag festgenommenen Gebrüder S. bei verschiedenen Wettanbietern im In- und Ausland erfolgreich wetten konnten. Nach derzeitigen Erkenntnissen sollen Schäden in Millionenhöhe entstanden sein, erklärten die Ermittler.

Spieler des Berliner Bundesligisten Hertha BSC befinden sich laut Staatsanwaltschaft nicht unter den Beschuldigten. Drei Spieler des Hauptstadtvereins waren vor kurzem durch Veröffentlichungen in die Nähe des Skandals gerückt worden.

Die Tatvorwürfe, die die Behörde zu den erneuten Durchsuchungen nach der ersten Aktion vom vergangenen Freitag veranlassten, gingen wesentlich auf Aussagen und Angaben des ehemaligen Berliner DFB- Schiedsrichters Robert Hoyzer zurück, hieß es.

Die Durchsuchungen hätten an 32 Orten im Bundesgebiet zwischen 6.00 Uhr und 11.30 Uhr stattgefunden. Festnahmen erfolgten nicht. Bei der ersten Aktion am vergangenen Freitag waren in einem als Treffpunkt von Wettern bekannten Berliner Café die Gebrüder S. festgenommen worden. Gegen das Trio waren später Haftbefehle erlassen worden.

Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, dass zwischen 28. Januar bis 1. Februar bei den beschuldigten Brüdern, von denen einer in Berlin ein Wettcafé führt, nach einem Beschluss des Amtsgerichts Tiergarten deren Konten und sonstige Vermögenswerte beschlagnahmt worden sind. Der Gesamtwert beträgt etwa 2,44 Millionen Euro. Damit sollen später Regressansprüche von Geschädigten befriedigt werden können, erläuterte die Staatsanwaltschaft. Ein Verfahrensabschluss könne allerdings zu diesem Zeitpunkt weder zeitlich, dem Umfang noch dem Ergebnis nach vorausgesagt werden: "Die Ermittlungen stehen insgesamt noch am Anfang".

Hoyzer-Anwalt vermutet Hintermänner im Geheimdienstmilieu

Laut Hoyzers Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner könnte die Affäre sogar eine internationale Dimension bekommen. Er vermutet als Hintermänner der Wettbetrüger Personen aus dem osteuropäischen Geheimdienstmilieu: "So mancher dieser Leute aus dem europäischen Ausland gehörte früher zum Geheimdienst. Die haben sich neue Aufgaben gesucht", sagt der Essener Rechtsanwalt der Wochenzeitung "Die Zeit". Er gehe davon aus, dass es vergleichbare Netzwerke wie die in Berlin auch in anderen Regionen gebe.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf Berliner Justizkreise, dass die ermittelnde Staatsanwältin Petra Leister Hoyzer nicht als Kronzeugen, sondern als Täter betrachtet. Damit würde sich der 25-Jährige mit weiteren Geständnissen möglicherweise selbst schaden.

Derweil räumte der DFB erstmals Fehler bei der öffentlichen Darstellung im Schiedsrichterskandal ein. Kommunikationsdirektor Harald Stenger sagt der "Zeit", im Rückblick sei es ein möglicherweise falsch gewesen, zu Beginn des Skandals von einem Einzelfall zu sprechen: "Da hätte man sich vielleicht nicht so festlegen dürfen."

DPA/AP AP DPA

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