Schiedsrichteraffäre Gericht verpasst Amerell Maulkorb


Delikate Details aus SMS oder E-Mails wird es vorerst nicht mehr geben in der Schiedsrichteraffäre beim DFB - und wenn, dann nur gegen viel Geld: Michael Kempter hat erwirkt, dass Manfred Amerell keine Intimitäten mehr veröffentlichen darf.

Der Schiedsrichterskandal beschäftigt die deutsche Justiz: Nach DFB-Präsident Theo Zwanziger hat nun auch das ehemalige Schiedsrichter-Ausschuss-Mitglied Manfred Amerell per einstweiliger Verfügung praktisch einen Maulkorb erhalten. Wie Christian Schertz, Rechtsanwalt des in die Affäre verwickelten Schiedsrichters Michael Kempter mitteilte, hat das Landgericht Köln einer einstweiligen Verfügung Kempters gegen Amerell entsprochen und dem 63-Jährigen damit verboten, private E-Mails oder SMS von Kempter an ihn "zu veröffentlichen und/oder zu verbreiten".

Amerell hatte in regelmäßigen Abständen aus Mails und SMS zitiert, um damit ein Abhängigkeitsverhältnis Kempters zu ihm zu widerlegen. Besonders intime Details erfuhren Zuschauer der TV-Sendung "Kerner". Sie wurden bei Amerells Auftritt nicht nur aus erster Hand über die Beziehung der beiden informiert, sondern auch darüber, dass Kempter beim Bayern-Ausscheiden in der Champions League 2007 laut SMS mit Amerell anstoßen wollte. Dadurch ist auch eine fachliche Diskussion um den 27-jährigen Jungschiedsrichter entbrannt, dessen Neutralität in Frage gestellt wird.

Sollte Amerell gegen die einstweilige Verfügung verstoßen, wird ein Ordnungsgeld in Höhe von jeweils 250.000 Euro fällig. Darüber hinaus darf Amerell ebenfalls nicht mehr behaupten, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) habe dem ehemaligen Referee Franz Xaver Wack "ganze Akten" zur Verfügung gestellt mit Aussagen der Schiedsrichter, die Amerell ebenfalls belasten.

Auch Amerell erringt juristischen Sieg

Am Mittwoch hatte Amerell seinerseits beim Landgericht Augsburg eine einstweilige Verfügung gegen DFB-Präsident Theo Zwanziger erstritten. Der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) darf demnach die Affäre um den ehemaligen Schiedsrichtersprecher und Bundesliga-Referee Kempter nicht mehr mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche vergleichen. Zwanziger droht bei Zuwiderhandlung ein noch nicht festgesetztes Ordnungsgeld, das maximal ebenfalls 250.000 Euro betragen könnte.

Amerell war in der Schiedsrichter-Affäre vom aufstrebenden Referee Kempter vorgeworfen worden, ihn sexuell belästigt zu haben. Der 27-jährige Kempter hatte sich Ende 2009 in dieser Sache an den DFB gewandt. Amerell hat sexuelle Belästigung stets bestritten.

DPA/ben DPA

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