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Saison fortsetzen oder abbrechen?: SPD-Gesundheitsexperte: "Bekommt der Fußball eine Extrawurst, wird es Ressentiments geben"

Der Fußball drängt darauf, die Saison ab Mai mit Geisterspielen fortzusetzen. Nun hat der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach große Zweifel an den Plänen geäußert – und er ist nicht der einzige.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach glaubt, nicht, dass die Fußball-Bundesliga vor dem September wieder startet

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach glaubt, nicht, dass die Fußball-Bundesliga vor dem Herbst wieder startet

DPA

Die Coronakrise zwingt den Fußball in die Knie. Von der Kreisliga bis zur Champions League ruht der Ball – und das wird Monate so weitergehen, wenn es nach dem Gesundheitsexperten der SPD, Karl Lauterbach, geht. Lauterbach war am Sonntagmorgen zu Gast im "Doppelpass", der Fußball-Talkshow von Sport1. Dort traf er Aussagen, die der deutsche Profi-Fußball nicht gern hören wird.

Die Pläne, möglichst bald die Saison der Fußball-Bundesliga mit Geisterspielen fortzusetzen, um die (überlebens-)wichtigen TV-Einnahmen zu sichern, hält Lauterbach in den nächsten Monaten für unrealistisch: "Ich denke im Herbst könnte wieder gespielt werden, wenn wir dann genügend Tests haben und keiner das Gefühl hat, hier wird einem etwas weggenommen." Damit spielte Lauterbach auf die Tatsache an, dass Schnelltests zurzeit nicht ausreichend vorhanden sind und es eine Weile dauern wird, bis sie massenhaft zur Verfügung stehen.

Lauterbach: Logistisch ist Durchführung von Geisterspielen möglich

Für die verbleibenden Spiele sei eine fünfstellige Zahl von Tests notwendig und solange diese knapp seien, könne der Fußball keine Ausnahmebehandlung erwarten. "Wenn der Fußball eine 'Extrawurst' gebraten bekommt, wird es Ressentiments in der Bevölkerung geben", warnte Lauterbach. Zudem seien bei den ganzen Gedankenspielen die 2. und 3. Liga sowie die Frauen-Bundesliga gar nicht berücksichtigt.

Lauterbach verwies damit auch auf die Gerechtigkeitsfrage. Der Fußball könne gegenüber anderen Branchen keine Vorzugsbehandlung erwarten: "Das wäre aus meiner Sicht nicht vertretbar, insbesondere nicht gegenüber den Unternehmen, die auch auf Lockerungen warten, die wir aber nicht in Aussicht stellen können."

Auch andere Experten sind skeptisch

Logistisch hält er die Durchführung von Geisterspielen zwar für möglich, aber sie sei sehr aufwendig und schwer in der Öffentlichkeit vermittelbar. Die Profis müssten "vor den Spielen mehrfach getestet werden, ob sie genetische Material im Abstrich haben", sagte Lauterbach. Und: "Dafür müsste eine große Testbatterie bei allen Spielern durchgeführt werden." 

Neben den logistischen Problemen sieht er auch medizinische Argumente, die gegen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den nächsten Monaten sprechen: "Ich glaube, dass es sehr schwer werden würde, die Geisterspiele so zu veranstalten, dass die Gesundheit der Spieler geschützt wäre. Durch den Kontaktsport ist die Übertragung von Viren kaum vermeidbar, wenn jemand infiziert ist", sagte er. "Stellen Sie sich folgende katastrophale Situation vor: Wir lassen die Bundesliga wieder anrollen und es kommt wieder zu mehr Fällen".

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Lauterbach ist nicht der erste Experte, der den Fußball mit unangenehmen Voraussagen konfrontiert. Der Virologe Christian Drosten sagte unlängst im stern-Interview, dass es höchst unwahrscheinlich sei, Profi-Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den kommenden Monaten durchzuführen. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut sieht es ähnlich. Man müsse sich davon verabschieden. Es sei nicht realistisch, dass die Saison zu Ende geführt werden kann, sagte er im März.

Quellen: "Sport1", "Spiegel", NDR

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