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Start der Champions League mit Bayern, Dortmund und Schalke: Anpfiff zum Milliarden-Kick

Am Abend startet die Champions League: Aus dem Landesmeisterpokal ist ein Megageschäft geworden. Für die Clubs gab es noch nie so viel zu verdienen wie in diesem Jahr.

Von Oliver Schulze

Der Ball rollt wieder - und mit ihm Rubel, Pfund und Euro: Für Fußball-Fans ist der Anpfiff zur Champions-League-Saison 2012/13 am Dienstagabend (ab 20.45 Uhr im Liveticker auf stern.de) mit der Vorfreude auf spannende Spiele und die Superstars des Weltfußballs verbunden. Für die Profis ist der Wettbewerb das anspruchsvollste Turnier überhaupt. Und den meisten Clubs geht es vor allem darum, möglichst viel Geld einzunehmen. Aus dem traditionsreichen Vereinswettbewerb ist das einträglichste Geschäft des europäischen Sports geworden.

Mit der Umetikettierung des Europapokals der Landesmeister 1992 in die Champions League wurde eine große Geldmaschine angeworfen. In dieser Saison schüttet die Uefa Prämien in Höhe von 910,3 Mio. Euro aus - noch mal 150 Mio. Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Teilnahme am Wettbewerb kommt der Vollversorgung gleich: Bevor der Ball überhaupt rollt, haben die 32 qualifizierten Clubs bereits 8,6 Mio. Euro sicher. Der Spielmodus bietet Planungssicherheit. Für einen Sieg in der Gruppenphase wird zudem eine Mio. Euro gezahlt, 500.000 Euro gibt es für ein Unentschieden. Wer den Titel gewinnt, könnte am Ende 37,4 Mio. Euro kassieren. Dazu kommen Erlöse aus dem Marketing-Pool.

1,1 Milliarden Euro Umsatz

In der abgelaufenen Saison wurden 754 Mio. Euro an die 32 Vereine ausgeschüttet. Die Finalisten erhielten das meiste Geld: Sieger FC Chelsea bekam 59,94 Mio. Euro, Bayern München als Verlierer des Heimfinales in München immerhin 41,73 Mio. Euro. Dazu verleiht das Premiumprodukt samt eigener Hymne den Vereinen ein Spieljahr lang eine besondere Aura: Champions League ist sexy!

Der Finanzbericht des europäischen Fußballverbandes Uefa weist für die Saison 2010/2011 allein für die Champions League mehr als 1,1 Mrd. Euro Umsatz aus, für die abgelaufene Saison wird mit 1,3 Mrd. Euro gerechnet. Von den geschätzten Bruttoerlösen sind 55 Mio. Euro exklusiv für die Playoffs vorgesehen: Jeder der zwanzig teilnehmenden Vereine in den Spielen ab dem Achtelfinale erhält garantierte 2,1 Mio. Euro. Und für die kommenden Jahre wird gar eine Steigerung von über 20 Prozent prognostiziert.

Positive Mitnahmegeschäfte

So ein Geschäft lockt die Wirtschaft an - aber die Hauptsponsoren halten dem Wettbewerb die Treue. Mastercard , Ford und Sony Playstation sind seit mehr als 20 Jahren am Ball. Seit einiger Zeit gehören auch UniCredit , Heineken und Gazprom zum Sponsorenpool. Ford schätzt "die hohe Emotionalität dieses Wettbewerbs". Die Marke werde dadurch "positiv besetzt", die Zuschauer stünden Werbebotschaften aufgeschlossen gegenüber, sagte Wolfgang Booms, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei Ford in Deutschland dem Medienportal "Horizont.net".

Belastbare Daten liefert die Studie "Heart of Sports Commerce" der Coventry Business School aus dem Jahr 2011. Simon Chadwick, einer der führenden Experten in der Sportwirtschaft, dokumentiert, dass es im Endspiel der Champions League des vergangenen Jahres zwischen FC Barcelona und Manchester United in London um Profite von mehr als 120 Mio. Euro ging. Mehr als eine Milliarde Euro soll allein mit dem Spiel umgesetzt worden sein. Die von Sponsor Mastercard in Auftrag gegebene Studie schätzt die positiven Mitnahmeeffekte des Finales für die europäische Wirtschaft auf rund 351,5 Mio. Euro.

Auch die Fernsehrechte bleiben ein kostbares Gut. Während Bezahlkanal Sky samt Vorgänger Premiere seit 2006 seinen Stammplatz im deutschen Fernsehen inne hat, vollzog sich beim frei übertragenden Sender ein Paradigmenwechsel - der der Werbeindustrie nicht unbedingt gefallen wird. Nach dem Wechsel von Privatsender Sat.1 ab dieser Saison zum öffentlich-rechtlichen ZDF bietet sich den Sponsoren und anderen Unternehmen im frei empfangbaren Fernsehen kaum noch Platz zur Darstellung.

ZDF zahlt 54 Millionen Euro für die Senderechte

Klassische Werbeblöcke sind nach 20 Uhr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verboten. Und mit Inkrafttreten des 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrags wird ab 2013 auch kein TV-Sponsoring in der Primetime mehr möglich sein. Dennoch blieb der öffentliche Aufschrei der Werbewirtschaft aus. "Die Ankündigung des ZDF, zusätzliche Spiele im Free-TV zu übertragen, begrüßen wir sehr", sagte Christian Andersen, Chef von Marketing und Kommunikation bei Sony Deutschland in "Horizont.net". "Für uns hat das positive Auswirkungen: Unsere Präsenz im TV steigt mit jedem Spiel, das live in Deutschland gezeigt wird."

Nach Expertenschätzungen zahlt das ZDF 54 Mio. Euro im Jahr für die Senderechte. Der Vertrag läuft bis einschließlich der Saison 2014/15 und umfasst neben der Liveübertragung von einer Partie pro Runde Zusammenfassungen anderer Begegnungen sowie den Super Cup. Dafür reißt das ZDF sein Programmschema auf. Um den Sponsoren Platz zur Darstellung vor 20 Uhr zu bieten, wurde ein zehnminütiges Champions-League-Magazin als Appetithäppchen hinter die Heute-Nachrichtensendung um 19.25 Uhr gebaut. Die Übertragung beginnt dann um 20.35 Uhr zehn Minuten vor dem Anpfiff.

Das Endspiel in München bescherte Sat.1 eine Rekordquote: 59 Prozent der für die Werbeindustrie wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sahen im Mai das Finale samt Verlängerung und Elfmeterschießen. In der Spitze verfolgten bis zu 20 Millionen Zuschauer den 5:4-Sieg des FC Chelsea. Auch wenn die Bayern hinterher weinten - für die Sponsoren ein traumhaftes Werbeumfeld. In diesem Jahr freuen sich vor allem die englischen Clubs und Werbetreibenden: Wie 2011 endet der Wettbewerb im Londoner Wembley-Stadion. Die Chancen stehen gut, dass der Umsatzrekord geknackt wird.

FTD

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