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Stefan Effenberg exklusiv: Hertha: Schluss mit den Entschuldigungen!

Für stern.de-Kolumnist Stefan Effenberg ist der Drops gelutscht: Hertha BSC ist nicht mehr zu retten. Effe kennt die Gründe für die Krise und nennt Ross und Reiter. Der ehemalige Bayern-Kapitän wünscht sich darüber hinaus einen Selbstreinigungsprozess.

Stefan Effenberg

Erfolgreiche Reizfigur und ein prägendes Gesicht der Bundesliga-Geschichte: Stefan Effenberg

Die Situation bei Hertha BSC Berlin ist dramatisch. Denken Sie bitte ganz kurz an die letzte Saison. Da landete der Club in der Abschlusstabelle auf Platz vier. Jetzt, nach der 1:2-Pleite im "Endspiel" gegen den 1. FC Nürnberg ist der Abstieg aus der höchsten deutschen Spielklasse besiegelt. Da lege ich mich fest. Nichts kann die Hertha noch retten. Nicht mal ein blau-weißes Wunder. Die Gründe für den brutalen Absturz liegen auf der Hand. Da ist in erster Linie natürlich die völlig verfehlte Einkaufspolitik zu nennen. Vorwürfe, die sich die Herren Hoeneß, Favre, aber natürlich auch Preetz und Funkel anhören müssen. Im Sommer gingen Pantelic, Simunic und Voronin. Und wer kam? Tja, genau das meine ich. Es ist alles eine Frage der Qualität. Die reicht bei der Hertha nicht aus. Aber da gibt es doch noch Drobny, Friedrich und Cicero, mögen mir jetzt die Hertha-Frösche zurufen. Klar, die haben Qualität. Das Problem ist nur, dass selbst diese Spieler vom Kopf her nicht mit der Situation umgehen können. Nehmen wir als Beispiel den Kapitän Arne Friedrich: Er analysiert nach den Spielen auf den Punkt. Der Bursche ist intelligent. Das merkt man, wenn man ihm so zuhört. Er kennt die Fehler, spricht sie an. Aber auf dem Platz versagt er so wie die anderen zehn.

Friedhelm Funkel ist schon ewig im Geschäft. Dass er das Ruder bis heute nicht hat herumreißen können, ist für mich enttäuschend. Er schafft es nicht, die Jungs im Kopf zu befreien. Sie sehen unten auf dem Rasen hilflos aus. Und was macht eigentlich Michael Preetz? Auch er trägt ein großes Maß an Verantwortung für die Katastrophe in der Hauptstadt - genauso wie Präsident Gegenbauer. Alle drei sitzen in einem Boot. Und deshalb hilft es jetzt auch nichts, in der Führung irgendwelche Köpfe rollen zu lassen. Das Trio muss mit in die zweite Liga runter. Gemeinsam müssen sie den Selbstreinigungsprozess dort mitmachen, um dann in 2011 den sofortigen Wiederaufstieg möglich zu machen. Nur der kann das Ziel sein. Sollte dieser Plan allerdings nicht aufgehen, muss an der Personalschraube gedreht werden. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf Verdienste.

Wenn ich mir persönlich noch etwas wünschen dürfte, dann das: Die Hertha spielt in der zweiten Liga ein dominante Rolle, sie hat die Zuschauer im Rücken und "arbeitet" wieder Fußball. Dann gelingt ihr ganz souverän der sofortige Wiederaufstieg. Denn klar ist ja auch: Deutschland braucht den Hauptstadt-Club in der Bundesliga. Und ich wünsche mir noch etwas: In den nächsten Wochen und Monaten vor dem Gang in die zweite Liga darf sich aus der Führungsriege keiner mehr hinstellen und sich entschuldigen. Stattdessen müssen Konsequenzen gezogen werden. Nur so kommt Hertha BSC weiter.

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