stern vor Ort Im Hitzestau


Heute geht sie los, die grausamste EM der Geschichte, im Glutofen von Portugal. Bis Dienstag müssen die Deutschen noch warten. stern-Redakteur Rüdiger Barth schmort mit.
Rüdiger Barth

Da ja, wie Rudi Völler sagte, diese EM in Portugal und nicht in Sibirien stattfindet, sollte man sich nicht wundern, wie heiß es ist. Und doch: Allenthalben stöhnt man vor sich hin und träumt davon, ein einziges Mal nur in einen kühlen Pool zu springen. Ist vermessen, klar, angesichts der Berge von Arbeit, aber wäre halt schön. Zwei Grad pro Tag steigt die Hitze, und wer bei diesen Aussichten bis zum Finale hierbleiben möchte, ist selbst schuld.

Vermutlich liegt das daran, dass in ganz Europa, von den Azoren bis nach Nowosibirsk, die Menschen nach Iberien schauen, und wenn so viele Menschen sich gleichzeitig konzentrieren, ist die Wirkung ungeheuerlich. Über dem kleinen Portugal liegt ein Brennglas aus Hochmut und Hoffnung.

Endlich geht sie los, die grausamste EM der europäischen Geschichte, noch nie hatte so viele Favoriten und Geheimfavoriten etwas gutzumachen, die Franzosen die verhunzte EM, die Italiener die verhunzte WM, die Portugiesen die verhunzte WM, ebenso die Engländer, Spanier und Dänen, von den Holländer und Tschechen wollen wir nicht reden, die konnten die WM nicht verhunzen, sie waren nicht dabei. Die Deutschen haben nur Rumänien zu bieten und ein bisschen Ungarn. Das wird nicht reichen, auch wenn von allen 368 Spielern Olli Kahn am mürrischsten guckt, Europarekord.

Man kann sehr viel lernen von den Deutschen, die bekanntlich die beste Turniermannschaft der Welt haben. Zum Beispiel, dass man beim ersten Training absolut gar nichts hören darf außer dem Klatschen des Balles und dem Stöhnen des mürrischen Torhüters. Oder, dass man, wenn man bei diesem mörderischen Turnier auch nur die Vorrunde überstehen möchte, schon zwei Tage vor Ankunft des Teams einen Spezialisten ins Quartier schickt, der die Golfclubs der Umgebung abgrast.

Drei Dinge wünscht sich der Nationalspieler, so war zu hören: Er will nicht weit laufen, keine Journalisten sehen und nichts bezahlen. Zum Glück gibt es in diesem Teil der Algarve mehr Golfplätze als Portugiesen, was dem guten Mann die Suche erleichtert hat.

Dies alles nur: Geplänkel vor dem ersten Spiel. Bis Dienstag müssen die Deutschen noch warten. Wir schmoren mit.

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