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Tabellenführer Mainz 05: Mit Spaß an die Spitze

Mainz 05 stellt mit Spaßfußball und Dauer-Rotation die Bundesliga-Tabelle auf den Kopf. Spätestens nach dem Sturmlauf gegen Köln dürfte die Mannschaft ernst genommen werden. Auch dank eines jungen Mannes, der von Felix Magath durch die Republik gereicht wird.

Von Dirk Benninghoff

Nichts beschreibt den FSV Mainz 05 derzeit besser als das Gesicht von Lewis Holtby. Am Samstag rockte der blonde Jüngling mit seinen Mannschaftskameraden an der Eckfahne und schrie seine Freude über das 2:0 beim Favoriten in den Bremer Himmel. Am Dienstag kam er aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus, filmte den Spitzenreiter-Rausch am Mainzer Bruchweg und gab fleißig Interviews. Selten sieht man Fußballer nach dem Spiel so voller ehrlicher Freude wie Holtby am gestrigen Abend. Er hatte ja auch reichlich Gründe: Der eingewechselte 20-Jährige schoss zwei Tore gegen Köln, spielte stark, und sein Verein ist einer der sensationellsten Tabellenführer der Bundesliga-Geschichte. Fünf Spiele, fünf Siege. Und was für welche: In Wolfsburg ein 0:3 umgebogen, in Bremen gewonnen, den Kölner Beton geknackt.

"Ich freue mich auf diesen Wiesn-Tag. Von mir aus könnte es schon morgen losgehen", frohlockte Matchwinner Holtby - und ist wie der Rest der Mannschaft heiß auf das anstehende Spitzenspiel beim FC Bayern. Gelingt Mainz im sechsten Spiel der sechste Sieg, hätte der FSV zehn Punkte Vorsprung auf den Deutschen Meister. Der Spitzenplatz würde spätestens dann nicht mehr mit der mangelnden Aussagekraft von Bundesliga-Tabellen kurz nach dem Saisonstart erklärt.

"Premier-League-würdig"

Da ist Holtby dem Trainer auch nicht gram, dass er trotz Klasseleistung in Bremen zunächst nur auf der Bank sitzen durfte. Egal, was Coach Thomas Tuchel derzeit tut: Es gelingt - und der Glaube der Spieler an ihren Trainer scheint riesig. Selbst, wenn seine ständige Rotation den ein oder anderen vor dem Spiel verwirren dürfte. Gegen Köln beispielsweise standen gegenüber dem Bremer Triumph fünf Neue in der Mannschaft.

Und obwohl Tuchel von dem Köln-Spiel schier begeistert war ("Das war Premier-League-würdig. Die erste Halbzeit war die beste, seit ich hier Trainer bin"), dürfte er auch gegen München wieder an seinem Team basteln. Während Kollegen markig verkünden, der Gegner interessiere sie nicht, richtet sich der Shooting-Star im Trainer-Gewerbe sehr wohl nach dem, was auf ihn zukommt: "Wir werden uns etwas überlegen, um den Gegner vor eine schwierige Aufgabe zu stellen. Natürlich ist das für uns eine hohe Hürde. Die Bayern sind das Nonplusultra, aber wir dürfen mutig nach München fahren und uns was zutrauen."

Bis vor kurzem war noch Felix Magath Holtbys Trainer. Der hatte ihn gleich nach seinem ersten Spiel gefressen, als Holtby vor gut einem Jahr in Nürnberg aus verwegener Position aufs Tor geschossen hatte. Danach spielte das Supertalent zunächst gar nicht, dann wurde er als Leihgabe in der Republik herumgereicht, landete erst in Bochum, jetzt in Mainz. Statt aus dem Keller grüßt das Talent jetzt von ganz oben - und dürfte angesichts der Probleme von Magath, der am anderen Ende der Tabelle rangiert, eine gewisse Genugtuung verspüren.

mit SID

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