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TV-Deal mit Nordkorea: Bundesliga stürmt den Schurkenstaat

Robben, Ribéry und Co. werden künftig auch in Nordkorea zu sehen sein. Das autoritär regierte und weitgehend isolierte Land hat einen Fernsehdeal mit der deutschen Bundesliga abgeschlossen.

Von Björn Erichsen

Nordkorea ist ein trostloses Land. Das Volk muss hungern, während die Machthaber in Pjönjang bei martialischen Militärparaden mit dem großen Säbel rasseln. Auch unter Kin Jong Un ist kein Tauwetter in Sicht, der neue Machthaber droht lieber den USA und Südkorea mit "tödlichen Atomschlägen". Immerhin: In dem abgeschotteten Land wird Fußball gespielt. Und zwar so gut, dass es die Nationalelf Nordkoreas sogar zur Fußball-WM in Südafrika schaffte. Als das Team dort jedoch eine 0:7-Klatsche gegen Portugal einstecken musste, schwieg der nordkoreanische Moderator ab dem vierten Tor beharrlich und brach die Übertragung nach dem Schlusspfiff ohne ein weiteres Wort ab. Anschließend kamen sogar böse Gerüchte auf, der Trainer sei nach dieser nationalen Blamage kurzerhand ins Arbeitslager gesteckt worden.

Künftig wird erfolgreicherer Fußball auf nordkoreanischen Mattscheiben zu sehen sein. Nach Informationen des "Wall Street Journal Deutschland" will Nordkoreas Staatssender KCTV ab Mitte September Spiele der Fußball-Bundesliga ausstrahlen. "Uns geht es darum, unserer Produkt auch in Nordkorea bekannter und die Bundesliga dort erlebbar zu machen", bestätigt Jörg Daubitzer, Geschäftsführer der DFL Sports Enterprises den Deal. Der Vertrag würde die für die Auslandsvermarktung zuständige Firma zwar "wirtschaftlich nicht in neue Dimensionen" befördern – die Übertragungen nach Nordkorea seien aber ein "nice to have".

Entspannung durch Bundesligafußball?

So ist der außergewöhnliche Kontrakt mit dem isolierten Land vor allem in politischer Hinsicht bemerkenswert. Willi Lemke etwa, seines Zeichens Sonderberater des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für den Sport, hofft, dass durch die Verträge und die Sportübertragungen aus Deutschland Bewegung in die verhärteten Beziehungen zu dem Land kommen. "Dies wird hoffentlich zur Entkrampfung und Entspannung beitragen", so Lemke gegenüber dem "Wall Street Journal Deutschland".

Schon ab dem nächsten Spieltag vom 14. - 16.9. könnte erstmals eine Partie der deutschen Bundesliga offiziell in Nordkorea ausgestrahlt werden. Laut der Vereinbarung hat das Staatsfernsehen in Pjöngjang das Recht, pro Woche ein beliebiges Spiel der ersten oder zweiten Liga in voller Länge auszustrahlen. Bei den Erstligaspielen käme die Übertragung direkt vom Satelliten, bei Liga zwei würde das Match vom Band ausgestrahlt werden.

Ein Superstar namens Chong Tese

Dabei ist es gut möglich, dass sich die Nordkoreaner statt Spitzenspielen von Bayern München oder Borussia Dortmund lieber die Partie 1. FC Köln gegen den FC St. Pauli anschauen werden. Bei den Domstädtern spielt nämlich mit Chong Tese, der erste Nordkoreaner, der je in der Bundesliga unter Vertrag genommen wurde. Der Stürmer, der vielen noch in Erinnerung ist, weil er bei der WM 2010 bei der Nationalhymne vor dem Spiel gegen Brasilien hemmungslos weinte, genießt in seiner Heimat den Status eines Superstars.

Zu konkreten Details der Ausstrahlung ist derzeit aber noch nichts bekannt, auch nicht welcher Sendeplatz den deutschen Spielen im Staatsfernsehen letztendlich zugeteilt werden wird. Von der Live-Variante der Bundesligaspiele am Samstag um 15.30 Uhr deutscher Zeit werden die Nordkoreaner wohl kaum Gebrauch machen. Wegen der Zeitverschiebung beginnen diese Partien erst um 22.30 Uhr Ortszeit. Das würde nicht einmal für die erste Halbzeit reichen - denn um 23 Uhr ist in Nordkorea Sendeschluss.

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