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Spielerkritik nach U21-Debakel "Eine Arbeitsverweigerung von jedem Einzelnen"

Nach der Niederlage gegen Portugal, gehen die Spieler der U21-Nationalmannschaft hart mich sich selbst ins Gericht.
Nach der Niederlage gegen Portugal, gehen die Spieler der U21-Nationalmannschaft hart mich sich selbst ins Gericht.
© EPA/Peter Powell
Nach der historischen 0:5-Pleite der deutschen U21-Mannschaft bei der Europameisterschaft gegen Portugal gehen die Spieler mit sich selbst hart ins Gericht. 

Nach der historischen Demontage der hochgelobten nächsten deutschen Fußballer-Generation offenbarten sich Risse in einer bisher so heilen Welt. Die größte Kritik kommt dabei von den Spielern selbst: "In der Vorbereitung auf dieses Spielist einiges falsch gelaufen. Wir hatten einen Tag mehr Pause, Portugal war aber frischer als wir, von Anfang an hellwach und hat uns in den ersten Zweikämpfen gezeigt, wo es lang geht", sagte Weltmeister Matthias Ginter nach einer Demütigung über 90 Minuten. 

0:5 ging die Mannschaft von Trainer Horst Hrubesch am Samstag im Stadion Andruv in Olmütz im Halbfinale der U21-EM unter und verabschiedete sich sang- und klanglos aus dem Turnier. Noch nie hat eine deutsche U21 eine derartig hohe Niederlage einstecken müssen. Die bislang höchste Pleite vom 10. Oktober 2002 war ein 1:5 in Bosnien-Herzegowina. 

"Von der ersten bis zur 90. Minute Arbeitsverweigerung"

Nach der erfolgreichen Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 wollten die deutschen Junioren den Triumph des Hrubesch-Teams von 2009 wiederholen und Europameister werden. Das ging ordentlich in die Hose, weil offenbar nicht alle fokussiert genug waren. "Da müssen sich nicht alle, aber ein paar schon Gedanken machen, ob sie für ein Halbfinale professionell alles so gemacht haben, wie es sein sollte", sagte Innenverteidiger Ginter, der gegen die wieselflinken Portugiesen noch die beste Figur machte.

Diesen Andeutungen trat Kapitän Kevin Volland entschieden entgegen. "Das kann ich definitiv ausschließen, hundertprozentig. Ich weiß von jedem einzelnen, dass er sich hundertprozentig auf die Partie vorbereitet hat", sagte er, ließ dann aber auch verbal seinem Frust freien Lauf: "Wir haben uns so gefreut auf das Halbfinale gegen Portugal. Und dann war es von der ersten bis zur 90. Minute eine Arbeitsverweigerung von jedem Einzelnen."

"Ich muss wieder auf den Boden kommen"

Auch Mittelfeldspieler Emre Can ging nach dem 0:5-Debakel hart mit der eigenen und der Leistung der Mannschaft ins Gericht. "Was wir da abgeliefert haben, war einfach eine Frechheit. Das ist ein trauriger Tag für Deutschland", sagte der Profi vom FC Liverpool rund zwei Stunden nach Ende des Spiels. Wie seine Kollegen hatte Can weit unter seinen Möglichkeiten gespielt und begründete dies auch damit, dass er in den vergangenen zwei Wochen ein wenig die Bodenhaftung verloren habe. "Vielleicht habe ich vor dem Spiel gedacht, ich bin der Größte. Ich glaube, ich muss wieder auf den Boden kommen. Ich bin in den letzten zwei Wochen viel gelobt worden", sagte der 21-Jährige in der Mixed Zone.

Trainer Horst Hrubesch hatte vor dem Spiel gesagt, dass er seinen Spielern vertrauen können und das bekomme, "was ich sehen will". Er wurde bitter enttäuscht. "Wir brauchen nichts schönreden, wir haben einfach schlecht gespielt", sagte der 64-Jährige. Der wird nun bis Rio eine Mannschaft zusammenstellen müssen, die dem noch größeren Druck eines Olympia-Turnier gewachsen ist. Acht Spieler des EM-Kaders fallen wegen der Altersgrenze raus. Ob Hrubesch zu den drei erlaubten Kräften Weltmeister wie Philipp Lahm oder Per Mertesacker mitnimmt, ließ er offen. Trotz des Debakels von Olmütz verlor er kein schlechtes Wort über seine Spieler. Hrubesch: "Es hat einfach Spaß gemacht, mit dieser Mannschaft zu arbeiten. Daran ändert diese Niederlage auch nichts. Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen."

db/DPA

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