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UEFA-Cup: Hertha BSC und Stuttgart gescheitert

Tumulte auf dem Spielfeld nach der 0:1 Niederlage von Hertha BSC gegen Boavista Porto. Stuttgart gewann zwar 3:2 gegen Glasgow, für den Einzug ins Viertel-Finale reichte es aber auch hier nicht.

Ein Kopfball-Treffer von Fernando Avalos fünf Minuten vor Schluss hat den Traum von Hertha BSC vom größten internationalen Erfolg seit 24 Jahren zerstört. Die Berliner verloren damit am Donnerstagabend das Achtelfinal-Rückspiel im UEFA-Pokal mit 0:1 (0:0) bei Boavista Porto und verpassten das Viertelfinale, weil die Portugiesen beim Berliner 3:2 im Hinspiel mehr Auswärtstore erzielt hatten. Nach dem Treffer kam es zu Tumulten auf dem Spielfeld und unter den Zuschauern, so dass sogar Polizei aufmarschierte. Beide Teams beendeten die Partie mit neun Feldspielern, nachdem Pal Dardai in der 66. und der Portugiese Filipe Anunciacao in der 81. Minute wegen wiederholten Foulspiels mit der Gelb-Rote Karte vorzeitig in die Kabine geschickt wurden.

Hertha-Trainer Huub Stevens bot wie erwartet die selbe Formation wie im Hinspiel vor einer Woche auf. Gar nicht erst mitgereist waren nach seinem Muskelfaserriss Nationalspieler Marko Rehmer sowie der erkrankte Andreas Schmidt und der angeschlagene Pole Bartosz Karwan. Gerade einmal 5500 Zuschauer verfolgten die Partie auf der ungemütlichen Baustelle im Estadio do Bessa, wo im kommenden Jahr Spiele der EM-Endrunde stattfinden werden.

Die Portugiesen jubelten schon nach 100 Sekunden

Die Boavista-Fans hatten schon nach 100 Sekunden den Torjubel auf den Lippen. Nachdem sich Elpidio Silva gegen zwei Hertha-Spieler durchsetzte, lenkte der glänzend reagierende Gabor Kiraly den harten Flachschuss aber noch um den Pfosten. Der portugiesische Vizemeister präsentierte sich in der ansehnlichen Partie auch danach wesentlich stärker und offensiver als in Berlin. Kiraly musste dabei wiederum gegen Silva (15.) und einen Freistoß von Pedrosa (30.) retten.

Die Hauptstädter verloren auf dem von vorherigem Dauerregen rutschigen Rasen oft zu schnell die Bälle. Chancen gab es vor 200 mitgereisten Fans dennoch: Michael Preetz schoss nach Eingabe von Thorben Marx freistehend vorbei (17.), dann köpfte der Routinier nach einem Eckball von Alex Alves über das Tor (40.). Alves und Regisseur Marcelinho konnten bis zur Pause jedoch kaum Akzente setzen.

Nach dem Wechsel sicherten sich die Gastgeber mit den zwei neuen Offensivkräften Goulart und Luiz Claudio mehr Spielanteile. Große Chancen blieben aber aus. Die Hertha-Abwehr stand zunächst sicher und mit ihr die erhoffte Null. Die Berliner hatten bei ihren Kontern sogar bessere Möglichkeiten. So zielte Bart Goor (47.) knapp am Tor vorbei, Alex Alves (68.) und Marx (71.) scheiterten an Boavista-Schlussmann Ricardo. Umso überraschender fiel dann doch noch die Entscheidung zu Gunsten des portugiesischen Vizemeisters.

Stuttgarts "junge Wilde" in zwei Minuten K.O.

Zwei schwere Abwehrschnitzer haben Stuttgarts "junge Wilde" beim 3:2 (1:2)-Sieg gegen Celtic Glasgow innerhalb von zwei Minuten aus allen UEFA-Cup-Träumen gerissen. Vor 50 348 Zuschauern im ausverkauften Daimlerstadion leitete ein Doppelschlag der Schotten durch Alan Thompson (13.) und Chris Sutton (15.) nach der 1:3-Hinspielniederlage schon nach einer Viertelstunde den Achtelfinal-K.o. der Schwaben ein. Christian Tiffert (38.), Alexander Hleb (75.) und der eingewechselte Michael Mutzel (87.) konnten den bis zum Umfallen kämpfenden VfB zwar noch zum Sieg schießen, das Aus auf der europäischen Fußball-Bühne aber nicht mehr verhindern.

"Wir haben uns klasse verkauft", sagte VfB-Trainer Felix Magath nach dem Schlusspfiff, "wir können erhobenen Hauptes den UEFA- Wettbewerb verlassen." Der VfB wolle sich jetzt auf die Meisterschaft konzentrieren. "Wir haben nichts mehr zu verlieren", hatte Magath schon zur Halbzeit festgestellt. Mit Viorel Ganea brachte er einen vierten Angreifer, um noch "das Wunder zu schaffen". Die Stuttgarter kämpften. Aber die notwendigen vier Tore waren zu viel verlangt. "Wir versuchen nächstes Jahr wieder anzugreifen", so der gesperrte Silvio Meißner.

Der Vfb kann sich nach "Schock" nicht wieder berappeln"

Der VfB begann beherzt und offensiv, setzte die Favoriten aus Schottland vom Anpfiff weg unter Druck. Die erste Chance in der 4. Minute, doch Ioannis Amanatidis verfehlt nach Flanke von Tiffert. Dann der Schock in der 13. Spielminute: Nach einer Stuttgarter Abwehrschwäche verwandelt Thompson die erste Möglichkeit der Schotten zum 1:0. Nicht einmal zwei Minuten später versenkt Sutton den Ball zum 2:0 für Celtic. Das Spiel war gelaufen, der VfB war schon nach einer Viertelstunde besiegt.

Magath, der im Sturm auf die beiden Jungspunde Kevin Kuranyi (20) und Amanatidis (21) setzte, musste auf die gesperrten Abwehrstützen Marcelo Bordon, Fernando Meira und Silvio Meißner verzichten. Timo Wenzel spielte nach seinem Nasenbeinbruch mit einer Schutzmaske. Der Celtic-Angriff bestrafte VfB-Unsicherheiten in der Abwehr eiskalt.

Nach der schnellen Führung konnten die Gäste einen Gang zurück schalten. Der VfB mühte sich redlich, aber der Schock saß tief. Nichts lief mehr zusammen. Und die Schotten warteten geschickt auf Kontermöglichkeiten. In der 38. Spielminute durften die VfB-Fans endlich jubeln, als Tiffert mit seinem dritten UEFA-Cup-Tor auf 1:2 verkürzte. Krassimir Balakow verpasste kurz vor dem Halbzeitpfiff noch den möglichen Ausgleich.

Die späte Aufholjagd konnte das Unheil nicht mehr abwenden

Mit Ganea starteten die Stuttgarter ihre Aufholjagd. Aber sie fanden gegen die gut gestaffelten Schotten einfach kein Mittel. Svonimir Soldo musste die wacklige VfB-Abwehr stärken.

Die Schotten beschränkten sich auf das Notwendigste, ließen den Ball laufen und warteten auf Konter. Und dem VfB lief die Zeit davon. Ganea köpfte in der 74. Spielminute am Tor vorbei. Eine Minute später gelang Hleb bei der ersten VfB-Chance in der zweiten Halbzeit der Ausgleich. Hleb traf in der 85. Spielminute noch den Pfosten. Das 3:2 von Mutzel, der in der 65. Spielminute für Tiffert gekommen war, kam zu spät.

Robert Semmler und Elmar Dreher

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