Vogts unter Dauerbeschuss "Nein, ich bin nicht zurückgetreten"


Entmachtung, Presse-Boykott und das Gerede von Rassismus: Im Lager der nigerianischen Fußball-Nationalmannschaft geht es auch vor dem Viertelfinal-Duell im Afrika-Cup gegen Gastgeber Ghana drunter und drüber. Im Mittelpunkt: Berti Vogts.

Vogts Entlassung steht bei einer Niederlage gegen die "Black Stars" wohl fest. Im zweiten Viertelfinale stehen sich ebenfalls am Sonntag (21.30 Uhr) die Elfenbeinküste und Guinea gegenüber.

In Nigeria ist bereits von der Entmachtung Vogts' die Rede. Wie heimische Zeitungen berichten, habe Amos Adamu, Generaldirektor des Sportministeriums, in der Halbzeitpause des Vorrundenspiels gegen Benin (2:0) den deutschen Coach aufgefordert, still zu sein. Stattdessen soll der Funktionär selbst eine Ansprache gehalten und anschließend Kapitän Nwankwu Kanu gebeten haben, die Spieler auf die zweite Halbzeit einzuschwören.

"Nein, ich bin nicht zurückgetreten", entgegnete Vogts mit seinem eigenwilligen Humor den Spekulationen um seine Person. Sein Job habe sowieso vom ersten Spiel an am seidenen Faden gehangen. Der frühere Welt- und Europameister ist sichtlich genervt von den chaotischen Zuständen bei den "Super Eagles". Mit den nigerianischen Journalisten redet der 61-Jährige ("Das tue ich mir nicht mehr an") erst gar nicht mehr. Im Interview mit Eurosport erhob er stattdessen schwere Vorwürfe: "Würden weiße Journalisten mit einem schwarzen Trainer so umgehen, dann glaube ich, dass man von Rassismus sprechen würde."

Vogts gibt der nigerianischen Presse quasi eine Mitschuld an den schlechten Auftritten des zweimaligen Afrikameisters. "Sie haben den großen Druck erzeugt, in dem sie den Titel fordern. Aber Nigeria hat seit 14 Jahren nicht mehr den Afrika-Cup gewonnen und war vor zwei Jahren zu schlecht, um sich für die WM zu qualifizieren", erklärte Vogts weiter.

Verbands-Vizepräsident Amanze Uchegbulam

fordert das Umfeld unterdessen auf, Ruhe einkehren zu lassen: "Die Rufe nach einer Entlassung von Vogts sind störend. Wir müssen jetzt Geduld haben. Die Spieler wollen, aber sie haben ihren Rhythmus noch nicht gefunden." Er hoffe stattdessen, dass gegen Ghana nun der Knoten platze.

Vogts sieht seine Mannschaft im dem Duell mit den Black Stars in der Außenseiterrolle. "Der Druck liegt eindeutig auf Ghana", sagte der frühere Bundestrainer und redete die Bedeutung des Spiels herunter: "Es spielen elf gegen elf. Es ist nur ein Spiel, mehr nicht."

Für Vogts-Assistent Steffen Freund

ist die Partie dagegen ein "Klassiker im afrikanischen Fußball, vergleichbar mit Deutschland gegen England". Und dabei kann Nigeria wieder auf Kanu zurückgreifen, der Kapitän hat seine Verletzung auskuriert. Geht es nach der Statistik, hat Nigeria gute Karten. Die "Super Eagles" haben noch nie ein Viertelfinale beim Afrika-Cup verloren. Nigerias Spieler Ikechukwu Uche glaubt sogar an höhere Mächte und ist zuversichtlich für den Rest des Turniers. "Dass wir noch weitergekommen sind, zeigt mir, dass Gott noch viel mit uns vor hat."

Otto Pfister muss mit Kamerun unterdessen erst am Montag ran, wenn das Viertelfinal-Duell gegen Tunesien in Kamale ansteht. Außerdem trifft Titelverteidiger Ägypten auf Angola.

Peter Wilson/sid


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