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Vorstellung bei Real: Madrid im Ronaldo-Fieber

Was für ein Empfang für den teuersten Fußballer der Welt: Im Santiago-Bernabéu-Stadion von Real Madrid wurde Cristiano Ronaldo von 80.000 begeisterten Fans begrüßt und gefeiert wie ein Popstar. Es war eine Show der Superlative. Nie kamen mehr Fans zur Präsentation eines Fußballers.

Empfangen wie ein Staatsgast, gefeiert wie ein Popstar: Mit einer Riesenshow ist Cristiano Ronaldo am Montagabend im Santiago-Bernabéu-Stadion als neuer Superstar des spanischen Fußball-Rekordmeisters Real Madrid vorgestellt worden. Rund 80 000 Fans jubelten dem 24-Jährigen zu, als er erstmals den Rasen der Arena betrat. "Ich bin sehr glücklich, hier zu sein. Für mich ist ein Kindheitstraum wahr geworden", sagte der Portugiese, der anschließend einige Balltricks vorführte und einem kleinen Jungen einen signierten Ball schenkte. Später drehte er eine Stadionrunde und küsste das Wappen seines neuen Clubs.

"Mit Cristiano Ronaldo ist einer jener auserwählten Fußballer zu Real Madrid gekommen, der die Fans in aller Welt zu begeistern vermag", sagte Vereinsboss Florentino Pérez. Ronaldo bekommt bei seinem neuen Club das Trikot mit der "9", das zuvor bereits Idole wie Reals derzeitiger Ehrenpräsident Alfredo di Stéfano getragen haben. Dieser war bei der Vorstellung ebenso anwesend wie der legendäre portugiesische Fußballer Eusebio. Ronaldo hatte zuvor seinen Vertrag unterzeichnet, der ihm in den kommenden sechs Jahren etwa 13 Millionen Euro netto pro Saison bringen soll. Für die Verpflichtung des Weltfußballers des Jahres 2008 hatte Real Madrid an Manchester United 94 Millionen Euro Ablöse gezahlt.

Größte Präsentation aller Zeiten

Nach Medienberichten war es die bislang größte Präsentation eines Fußballers in der Geschichte. Sie habe sogar die Jubelfeier übertroffen, mit der rund 75.000 Fans den Argentinier Diego Armando Maradona 1984 beim SSC Neapel begrüßt hatten.

Dass er eines Tages derart gefeiert werden würde, davon konnte Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro nur träumen. Als er als junges Talent von seinem Club CD Nacional auf der Insel Madeira zu Sporting Lissabon wechselte, betrug die Ablöse umgerechnet 25.000 Euro. Er war damals zwölf und bekam in der Fußballschule des Traditionsclubs 50 Euro im Monat. Immerhin 250 Euro monatlich brachte ihm sein erster Vertrag ein. Heute ist Ronaldo, den sie damals wegen seines schnellen Antritts "Bienchen" nannten, dank seines neuen Arbeitgebers nicht nur teuerster, sondern auch bestbezahlter Kicker der Welt.

Der Dribbelkünstler wird nicht selten als arrogant kritisiert. "Ich bin mein Geld wert", sagte er kürzlich. Einiges lässt sich mit seinen Ursprüngen erklären. Ronaldo stammt aus armen Verhältnissen. Geboren wurde er in Santo António nahe Madeiras Hauptstadt Funchal als Jüngster von vier Kindern. Seine Mutter Maria Dolores arbeitete als Putzfrau. Vater José Dinis war Gärtner und Platzwart von Ronaldos erstem Club CF Andorinha. Er trank sich zu Tode und wurde nur 52 Jahre alt. Ihm hat er seinen Namen zu verdanken: Der damalige US- Präsident Ronald Reagan war sein Lieblings-Politiker.

Den geliebten Vater konnte Ronaldo nicht vor dem Alkohol retten, wohl aber seinen älteren Bruder Hugo vor den Drogen: Der Torjäger bezahlte ihm diverse Entziehungskuren, wie es in der Presse heißt. Kein Wunder, dass Ronaldo als Gesundheitsfanatiker gilt und seinen Körper trimmt. 3.500 Sit-ups macht er angeblich täglich, um seinen Waschbrettbauch in Form zu halten. Seinem Körper und seinem Latin-Lover-Image, dem zuletzt auch Hotel-Erbin Paris Hilton verfiel, hat Ronaldo auch seinen Erfolg als Werbe-Ikone zu verdanken. Etwa mit seiner eigenen Modemarke «CR7», deren Namen sich aus seinen Initialen und seiner bisherigen Trikotnummer zusammensetzt. Die "7" kann er bei Real nicht tragen, weil sie Kapitän Raúl gehört.

Zehn Millionen Euro im Jahr sollen Ronaldo seine Werbeverträge einbringen. Davon will sein Club, wie einst bei David Beckham, auch profitieren, denn Real gehört ein Teil von Ronaldos Image-Rechten. Der 24-Jährige gilt aber auch als Arbeitstier: Bei United sei er stets als Erster zum Training erschienen und habe den Platz als Letzter verlassen, heißt es. Mit Erfolg: Der Portugiese gewann mit Manchester dreimal die englische Meisterschaft und einmal die Champions League. 2008 wurde er als Welt- und Europas Fußballer des Jahres geehrt.

Jörg Vogelsänger/DPA / DPA

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