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Reizklima beim FC Bayern Was hinter der Schlammschlacht zwischen Hoeneß und Alaba steckt

David Alaba (l.) und Uli Hoeneß: "Es geht wirklich nur um Geld und sonst gar nichts"
David Alaba (l.) und Uli Hoeneß: "Es geht wirklich nur um Geld und sonst gar nichts"
© Matthias Balk / Alexander Hassenstein / DPA / Getty Images
Es herrscht wieder ein gewisses Reizklima beim FC Bayern: Uli Hoeneß hat sich mit deftigen Worten in den Poker um die Vertragsverlängerung von David Alaba eingemischt - und gleich mal zum Rundumschlag ausgeholt.

Es war wie eine Zeitreise. Da saß Uli Hoeneß in der TV-Talkrunde "Doppelpass" und äußerste sich zu den aktuellen Entwicklungen im Fußball. Der frühere Bayern-Präsident und Manager war einer der Gäste der Jubiläumssendung - vor 25 Jahren war der erste "Dopa" ausgestrahlt worden. Offenbar wollte Hoeneß ein bisschen Retro-Talk beisteuern, was ja ganz gut passt zu einer Jubiläumssendung. Vielleicht wollte er jüngeren Zuschauer vermitteln, wie das früher so war beim FC Bayern, als er scharfzüngig als oberster Bayern-Häuptling das große Zepter schwang. Jedenfalls merkte man Hoeneß an, dass er seinen Auftritt genoss. 

Hoeneß haute also einen raus. "Abteilung Attacke" nannte man das einst, wenn er einen vermeintlichen Gegner verbal in Grund und Boden stampfte. Diesmal ging es um die sich seit Monaten hinziehenden Vertragsverhandlungen mit Verteidiger David Alaba, einer der wichtigsten Spieler der erfolgreichen Triple-Mannschaft von Trainer Hansi Flick. Bislang ist die vorzeitige Verlängerung des bis 2021 laufenden Vertrages daran gescheitert, dass Alaba und sein (berüchtigter) Berater Pini Zahavi zuviel Geld verlangen.

Also sprach Uli Hoeneß: Alabas Berater ist ein Piranha

Also sprach Hoeneß: "Er hat einen geldgierigen Piranha als Berater". Und er präzisierte: "Was der Berater für einen Schmarrn erzählt, ist Wahnsinn. (...) Wenn ihr wüsstet, was Herr Zahavi allein für die Unterschrift von David im zweistelligen Millionenbereich für sich verlangt, das ist überhaupt nicht möglich. Er hat erzählt, nach Corona wird der Fußball viel besser sein. Der wird sich noch wundern. Ich verstehe, dass Hasan (Sportdirektor Salihamidzic) bei einem Treffen völlig ausgetickt ist." Von Zahavi lasse sich insbesondere Alabas Vater beeinflussen, behauptete Hoeneß: "Es geht wirklich nur um Geld und sonst gar nichts. David ist ja schon beim besten Verein der Welt." Selbstverständlich betonte Hoeneß, dass alle im Verein wollen, dass Alaba bleibt. Nur eben nicht für die angeblich geforderten 20 Millionen Gehalt.

Was folgte, war zu erwarten. Alaba, sein Vater George und Berater Zahavi konterten die Angriffe. "Ich wünsche mir, dass meine vertragliche Situation nicht in der Öffentlichkeit geklärt wird", sagte Alaba der "Bild". "Daher haben mich ein paar Aussagen und Berichte der letzten Wochen verwundert und durchaus auch verletzt. Viele Dinge, die im Moment geschrieben und gesagt werden, stimmen einfach nicht und entsprechen nicht der Wahrheit." Alabas Vater sprach von "schmutzigen Lügen" und "dreckigen Anschuldigungen". Zahavi betonte, dass er nie konkret über die Höhe der Provisionszahlungen mit Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic gesprochen habe.

Hoeneß weiß, dass der FC Bayern im Fall von Alaba in der schwächeren Verhandlungsposition ist. "Der Super-Gau wäre - und das ist das Ziel von Herrn Zahavi -, David nächstes Jahr vom FC Bayern ablösefrei loszulösen. Das muss der FC Bayern unbedingt verhindern," beschrieb er die Lage. Gleichzeitig, dürfe man nicht auf Alabas Forderung eingehen, weil sie "die Gehaltsstruktur" der Bayern sprengen würden. Soll heißen: Der 28-jährige Österreicher darf natürlich nicht mehr verdienen als ein Manuel Neuer oder Robert Lewandwoski (der im übrigen auch Herrn Zahavi als Berater hat).

Die Heftigkeit der Äußerungen überraschte

Und wo Hoeneß schon mal dabei war, wischte er die öffentlich vorgetragenen Forderungen von Trainer Flick nach Ersatz für die Abgänge von Coutinho und Perisic einfach beiseite: "Wenn man drei Titel gewonnen hat, muss man auch mal experimentieren." Da mit Thiago ein weiterer hochkarätiger Abgang zum FC Liverpool droht, bekamen die Engländer ebenfalls eine verbale Watschn verpasst: "Die versuchen, uns zu erpressen."

Die Heftigkeit der Äußerungen überraschte, weil man solch drastischen Töne länger nicht gehört hatte. Seit Hoeneß Rückzug vor zehn Monaten (Hoeneß sitzt weiter als stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat) zeichnete sich der FC Bayern durch eine äußere Ruhe aus. Zudem ist der historische Triumph von Lissabon erst drei Wochen her. Doch offensichtlich herrscht wieder einmal ein leichtes Reizklima beim FC Bayern. 

Es bleibt die Frage, ob Hoeneß im Alleingang lospolterte oder in Absprache mit Sportdirektor Salihamidzic, um Druck auf Alaba und seine Berater aufzubauen und die Forderungen Flicks zu kontern. Während der Verhandlungen mit Neuer im Frühjahr hatte Salihamidzic die gleiche Taktik angewandt, als er mit angeblich konkreten Forderungen Neuers an die Öffentlichkeit ging. Es folgten ein paar Verbalscharmützel, schließlich einigten sich die Parteien auf einen neuen Vertrag.

Quelle: "Sport1.de", "Süddeutsche Zeitung", "Sportbuzzer"


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