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Wettskandal: DFB lässt Hoyzer billig laufen

Diese Entscheidung des Fußballbundes könnte noch für Diskussionsstoff sorgen: Vor dem DFB-Bundestag wurde entschieden, dass der Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer ohne Geldstrafe davonkommt.

Der Deutsche Fußball-Bund will die Akte des Wett- und Manipulationsskandals möglichst geräuschlos schließen und lässt den Verursacher Robert Hoyzer billig davon kommen. Der DFB-Kontrollausschuss hat den Antrag auf 50.000 Euro Geldstrafe gegen den geständigen Ex-Schiedsrichter überraschend zurückgezogen und damit vor dem außerordentlichen DFB-Bundestag in Mainz, bei dem an diesem Donnerstag ein Schlussstrich unter die Affäre gezogen werden soll, für brisanten Diskussionsstoff gesorgt.

Ausschluss aus dem Verband schon Strafe genug

Sportgerichts-Vorsitzender Rainer Koch habe seit längerem signalisiert, keine Geldstrafe gegen Hoyzer aussprechen zu wollen, begründete der Verband die plötzliche Kehrtwende. "Entscheidend dafür ist, dass nach seiner Meinung mit dem Ausschluss aus dem DFB schon eine harte Sanktion beantragt ist und daher eine zusätzliche Strafe nicht erforderlich scheint", sagte DFB-Pressechef Harald Stenger.

Der DFB wehrte sich vehement gegen Spekulationen, er habe mit dem Verzicht auf die empfindliche Geldstrafe Hoyzers Aussagen erkauft. "Mit der Rücknahme des Geldstrafe-Antrags sind keine weiteren Absprachen mit Herrn Hoyzer oder dessen Anwalt verbunden", sagte Stenger. Der Kontrollausschuss fordere weiter den Verbandsausschluss auf Lebenszeit für Hoyzer sowie ein dauerhaftes Verbot, ein Amt auszuüben, insbesondere das eines Schiedsrichters.

Bei der Aufarbeitung Tempo gemacht

Bei der Aufarbeitung des von Hoyzer ausgelösten Skandals - der 25-Jährige hatte Spielmanipulationen in vier Fällen und drei weitere Manipulationsversuche gestanden - hat der DFB kräftig auf das Tempo gedrückt. Nach dem Rückzug von zehn Protesten sind alle Sportgerichts-Verhandlungen abgeschlossen und bei vier Einsprüchen durch das Bundesgericht bestätigt worden. Der Kontrollausschuss hat 64 Personen als Beschuldigte oder Zeugen vernommen.

In der Mainzer "Rheingoldhalle" wollen sich die 258 Delegierten vor allem auch damit beschäftigen, wie eine Wiederholung eines solchen Skandals ausgeschlossen werden kann. Der DFB will in seinen Statuten den Passus verankern, dass nach dem 30. Juni keine Punktabzüge mehr verfügt oder Spielwiederholungen angeordnet werden können, sofern kein Verfahren eingeleitet wurde. Zudem sollen Einsprüche gegen Spielwertungen während der laufenden Saison mit dem viertletzten Spieltag nicht mehr zulässig sein.

Keine Anfechtung der Ergebnisse mehr

Nachdem ein Antrag des FC Rot-Weiß Erfurt auf Aussetzung des Abstiegs aus der 2. Bundesliga in dieser Saison von der Mehrzahl der 36 Profivereine auf der DFL-Vollversammlung abgelehnt worden war, dürften die Anträge des DFB-Präsidiums die erforderliche Mehrheit finden. Damit würden alle Ergebnisse dieser Saison sanktioniert und könnten nicht mehr angefochten werden. Die Wiederholung der Zweitligapartie LR Ahlen gegen Wacker Burghausen am Mittwochabend soll den Schlussstrich markieren.

"Unser Ziel muss es sein, den sportlichen Wettbewerb, für den Auf- und Abstieg elementare Bestandteile sind, so umzusetzen, wie es zu Saisonbeginn festgelegt worden ist. Wir werden nicht zulassen, dass in dieser oder auch der nächsten Saison alles auf den Kopf gestellt wird", erklärte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger.

DFB will mehr von Wetten profitieren

Eine Kontroverse zeichnet sich in der Frage ab, ob der DFB gemeinsam mit dem Deutschen Sportbund (DSB) ab 2006 eine eigene Sportwette anbieten soll. "Auf dem Wettmarkt werden 2,5 Milliarden Euro umgesetzt, davon aber nur 500 Millionen von unserem Vertragspartner Oddset. Es kann nicht sein, dass der Fußball die Plattform bietet und nur zu einem geringen Teil profitiert", begründete Zwanziger den Vorstoß. Diese Pläne stoßen jedoch auf teilweise heftige Gegenwehr.

"Ich kann dem DFB nur raten, diese Idee in der angedachten Form wieder zu den Akten zu legen. Zum einen fehlt jedwede Rechtsgrundlage, zum anderen wäre der DFB ja gleichzeitig Veranstalter des Sportereignisses, zu dem er die Schiedsrichter stellt und über die Festlegung der Quoten vom Ausgang der Spiele profitiert", kritisierte Friedhelm Repnik, Geschäftsführer der Toto- Lotto-GmbH Baden-Württemberg, in einem Interview der "Stuttgarter Nachrichten". Auch der Bayerische Fußball-Verband hat sich bereits gegen die DFB-Wettpläne ausgesprochen.

Eric Dobias/Jens Mende/DPA / DPA

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