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Wettskandal: Manipulations-Affäre weitet sich aus

Der neuerliche Wettskandal im deutschen Fußball zieht immer weitere Kreise. Nun sind zwei weitere Spieler in den Verdacht geraten, für Manipulationsversuche angeworben worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft schließt eine Ausweitung nicht aus.

Nach den Süd-Regionalligisten 1. FC Eschborn und Stuttgarter Kickers haben auch die Liga-Rivalen Eintracht Trier und SpVgg Bayreuth bestätigt, dass jeweils ein namentlich nicht genannter Spieler für Manipulationen angeworben werden sollte. Beide seien darauf jedoch nicht eingegangen. Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel wollte sich zu den neuen Informationen nicht äußern. "Ich kommentiere keine Namen und Vereine", sagte Bechtel. Er schloss eine Ausweitung des Skandals jedoch nicht aus.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts der Manipulation von Spielen der Zweiten Fußball-Bundesliga und in den Regionalligen. Vier Verdächtige, denen unter anderem bandenmäßiger Betrug vorgeworfen wird, sitzen in Untersuchungshaft. Den Angaben zufolge soll eine Bande versucht haben, durch die Manipulation von Spielergebnissen bei Sportwetten hohe Gewinne zu erzielen. Mindestens fünf Mal hätten Mitglieder der Gruppe versucht, Ergebnisse durch Bestechung von Spielern verschiedener Vereine zu beeinflussen. Den Akteuren seien für erwünschte Spielergebnisse Geldbeträge in Höhe von mehreren tausend Euro versprochen worden. In mindestens einem Fall seien das Angebot und eine Bezahlung angenommen worden.

Ermittlungen könnten ausgeweitet werden

Im Januar 2005 war eine Manipulationsaffäre im deutschen Fußball aufgedeckt worden. In deren Mittelpunkt stand der frühere Schiedsrichter Robert Hoyzer, der Spiele manipulierte, auf die Komplizen hohe Wettbeträge gesetzt hatten. Er wurde wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Ein als Drahtzieher beschuldigter Kroate bekam zwei Jahre und elf Monate. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Der DFB hatte als Reaktion auf den Fall ein generelles Wettverbot für Spieler, Trainer, Funktionäre und Schiedsrichter verhängt. Die DFB-Spitze hatte vergangene Woche erklärt, die neue Affäre habe bei weitem nicht die Ausmaße des Hoyzer-Skandals.

In den kommenden Tagen sollen die vier in Weiterstadt bei Darmstadt in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen, bei denen es sich um einen Libanesen aus Bad Dürkheim, einen Serben aus Speyer, einen Malaien und einen Polen handeln soll, von Beamten des hessischen Landeskriminalamtes vernommen werden. Aufschlüsse über das Ausmaß der Manipulationsversuche erhoffen sich die Ermittler zudem von der Auswertung der bei den Beschuldigten sicher gestellten Unterlagen und Computer. "Wenn sich dabei herausstellt, dass weitere Personen involviert sind, werden wir die Ermittlungen ausweiten", sagte Bechtel.

"Die Verdächtigungen haben sich nicht erhärtet"

Nach Informationen der "Frankenpost" ist bereits die Wohnung des Bayreuther Spielers, der offenbar telefonischen Kontakt zu einem der vier Beschuldigten hatte, von vier Ermittlungsbeamten durchsucht worden. Dabei wurde laut Vereinsangaben jedoch kein belastendes Material gefunden. "Die Verdächtigungen haben sich nicht erhärtet. Es wird nicht weiter gegen ihn ermittelt", erklärte Präsident Heinz Wicklein.

Der Trierer Akteur hatte sich vor einer Woche in einem Restaurant mit einem Unbekannten getroffen und war von diesem direkt auf Manipulationsversuche angesprochen worden. Der Kontakt war über einen gemeinsamen Bekannten zu Stande gekommen. "Der Spieler hat gleich gesagt, dass er dafür nicht zu haben ist", sagte Eintracht- Vorstandsmitglied Alfons Jochem der Zeitung "Trierischer Volksfreund".

Beschuldigter ist eine bekannte Größe

Der Spieler habe den Verein über den Anwerbungsversuch zeitnah in Kenntnis gesetzt. Allerdings erst, nachdem der Wettskandal am Mittwoch bekannt geworden war. Trier informierte daraufhin den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Das am vergangenen Samstag wegen des schlechten Wetters ausgefallene Spiel zwischen Bayreuth und Trier gehört zu den insgesamt fünf unter Manipulationsverdacht stehenden Partien. Bei den anderen handelt es sich um das Zweitligaspiel Hansa Rostock gegen Sportfreunde Siegen sowie die Regionalliga-Begegnungen 1. FC Eschborn - FC Augsburg, Stuttgarter Kickers - VfR Aalen und 1. FC Kaiserslautern II - SpVgg Bayreuth.

Von den vier inhaftierten Beschuldigten, die laut Bechtel noch keinen Haftverschonungstermin beantragt haben, ist der Serbe in Fußballer-Kreisen eine bekannte Größe. Er ging in den 90er Jahren für die Oberligisten SGK Heidelberg und VfR Mannheim erfolgreich auf Torejagd und war zuletzt bis Ende 2005 Co-Trainer beim SV Waldhof Mannheim. Sein Anwalt Peter Slania bestätigte, dass sein Mandant enge Kontakte zum Siegener Torwart Adnan Masic unterhielt. Dass der Serbe Spielern oder Funktionären Geld angeboten hätte, sei jedoch "schlicht unrichtig". Masic hatte bereits am vergangenen Freitag seine Unschuld beteuert.

DPA/Reuters / DPA / Reuters

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