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David Beckham: Englands Superstar droht Rot

Englands Trainer Sven-Göran Eriksson denkt gar nicht daran, Kapitän David Beckham auf dem Platz zu lassen, sollte er im Achtelfinale gegen Ecuador schlecht spielen. Der Kritisierte hat indes nur ein Ziel: den WM-Titel.

Aufruhr bei England: Sven-Göran Eriksson droht Superstar David Beckham mit der Roten Karte. "Wenn er die Leistungen nicht bringt, dann lasse ich ihn draußen oder hole ihn vom Platz. Er ist zwar Kapitän, wird deswegen aber nicht bevorzugt behandelt", sagte der 58 Jahre alte Trainer und sorgte vor dem WM- Achtelfinale gegen Ecuador am Sonntag in Stuttgart für den ersten Paukenschlag bei den englischen Fußballern.

Als Eriksson und Beckham am Freitag Seite an Seite den Trainingsplatz in Bühlertal betraten, hatten diverse englische Medien ihre Schlagzeilen längst verbreitet. "Beckham ist nicht unantastbar. Ich bin nicht mit Beckham verheiratet", wurde der Trainer zitiert. "Er ist der Spielführer, wird aber wie alle anderen Spieler behandelt. Egal, ob das beim Essen ist, im Bus oder im Training." Das Massenblatt "Sun" ließ Eriksson sagen: "Ich bin kein Waschlappen".

"Ich bin hier, um Weltmeister zu werden"

Der 31 Jahre alte Star von Real Madrid und Lieblingsspieler von Eriksson bereitete bei der WM zwei Tore vor, ist aber wegen seiner ansonsten enttäuschenden Auftritte in die Kritik geraten. Aus Angst, er müsste sich ohne WM-Titel als Trainer verabschieden, habe Eriksson die Wandlung vom Gentleman zum harten Hund vollzogen, mutmaßten die Zeitungen. In der fünfeinhalbjährigen Ära des Schweden hat Beckham bei großen Turnieren mit einer Ausnahme keine Minute gefehlt: Beim WM-Start 2002 gegen Schweden wurde er nach 27 Minuten ausgewechselt.

Trotz der warnenden Worte des Trainers und der Kritik aus der Heimat denkt Beckham bei seiner wohl letzten WM nur an sein Titelversprechen. "Ich bin hier, um Weltmeister zu werden", sagte der Kapitän der englischen Fußball- Nationalmannschaft und kündigte für das Achtelfinale eine titelreife Vorstellung an: "Bisher haben wir nicht so gut gespielt, aber unser bester Fußball kommt jetzt. Wir sind in Topform und der Zusammenhalt im Team könnte nicht besser sein."

"Wir müssen uns auf unseren Job konzentrieren"

Mit einer großen Portion Optimismus machten sich die "Three Lions" am Samstagvormittag mit dem Bus auf den Weg nach Stuttgart. Das Schicksal von Michael Owen, der wegen eines Kreuzbandrisses erst wieder im kommenden Jahr auf den Fußballplatz zurückkehren wird, war in den Hintergrund gerückt. "Wir werden Michael nicht vergessen, aber jetzt müssen wir uns auf unseren Job konzentrieren", mahnte Beckham und erinnerte warnend an die schlechte Defensivleistung beim 2:2 gegen Schweden: "Diesen schwarzen Tag werden wir hinter uns lassen und eine Runde weiter kommen."

Als voraussichtlich einzige Sturmspitze soll Wayne Rooney den Weltmeister von 1966 ins Viertelfinale schießen. Beckham ist davon überzeugt, dass der 20 Jahre alte Stürmerstar "einen sehr guten Job machen wird. Er ist im Moment der beste junge Spieler der Welt." Beckham wird im Fünfer-Mittelfeld wahrscheinlich einen neuen Partner bekommen. Englischen Presseberichten vom Samstag zu Folge steht Michael Carrick vor seinem ersten WM-Einsatz. Der 24-Jährige von Tottenham Hotspur soll den Platz von Owen Hargreaves einnehmen. Der Bundesligaprofi von Bayern München rückt für den verletzten Gary Neville in die rechte Verteidigung.

Keine Angst vor dem Gegner

Der Gegner aus Südamerika flößt Beckham keine Angst ein, auch wenn er betonte: "Ecuador hat technisch sehr versierte Spieler. Sie haben in den ersten zwei Vorrundenspielen sehr guten Fußball gezeigt." Mit gehörigem Respekt dagegen geht Ecuador in die bedeutendste Begegnung seiner Fußball-Geschichte. Die einmalige Chance, England im Achtelfinale den WM-K.o. zu versetzen und damit endlich erstmals im "Flachland" einen der ganz Großen zu schlagen, motiviert die Hochland-Fußballer aus den Anden zusätzlich.

"Wer Angst hat, hat bei einer Weltmeisterschaft nichts zu suchen", sagte Trainer Luis Suàrez. Die bisherigen Auftritte gegen Polen und Costa Rica haben das Selbstvertrauen der Südamerikaner gehörig gesteigert. Das 0:3 gegen den Gastgeber war für Suàrez ein Muster ohne Wert, da er fünf seiner stärksten Schützlinge geschont hatte.

Ecuador stellt sich auf Elfmeterschießen ein

Suàrez stellt sich darauf ein, dass die Entscheidung auch erst nach 120 Minuten oder sogar im Elfmeterschießen fallen kann. Fitness ist deshalb für den Chefcoach eine entscheidende Voraussetzung, um gegen "den logischen Favoriten" bestehen zu können. Ob Spielmacher Edison Mendéz auflaufen kann, ist immer noch offen. Er laboriert an einer Muskelverletzung an der Wade.

Gerd Münster und Elmar Dreher/DPA / DPA

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