Kommentar Lächerlicher Kinderkram


Die argentinischen Spieler hatten nach dem verlorenen Elfmeterschießen gegen die Deutschen Schwierigkeiten, ihre Niederlage anzuerkennen. Und die argentinische Presse bläst in das gleiche Horn.
Von Tim Schulze

Kennen Sie das? Sie stehen nach dem Spiel mit einem Bier in Hand und freuen sich darüber, mit den Kollegen eine Mannschaft besiegt zu haben, die eigentlich als die Stärkere gilt. Während des Spiels hat der Gegner häufiger auf das Tor geschossen, sie hatten mehr Ballbesitz und spielten auch technisch sehr viel besser. Aber es hat ihnen nichts genutzt. Mit viel Kraft und Wadenbeißerei haben sie den Gegner niedergerungen. Und sie haben das entscheidene Tor mehr erzielt.

Nach dem Spiel sind die Verlierer, wie die Argentinier im Viertelfinale gestern gegen die Deutschen, dann nicht in der Lage, die Realität anzuerkennen. Wer mehr Tore schießt, gewinnt das Spiel. So einfach ist das. Gleiches gilt auch für ein Elfmeterschießen. Aber nix da: Jetzt geht das Gejammer los. Mit leicht abschätziger Mine versuchen die gegnerischen Spieler einem das Bier trinken zu vermiesen, indem sie deutlich mitteilen: Die Niederlage war nur ein Ausrutscher. Wir sind eigentlich die Besseren. Gott und das Wetter waren gegen uns.

Lächerlicher Kinderkram ist das, natürlich. Spätestens zu diesem Zeitpunkt fange ich an, meine Gegner zu verhöhnen. Aber offensichtlich ist es sowohl in der Kreisklasse wie auch bei einer Weltmeisterschaft schwer, eine Niederlage einzugestehen, wenn man sich für den Stärkeren und Besseren hält. Die argentinische Presse bläst genau in dieses Horn: das Ausscheiden der Argentinier gegen die Deutschen ist "ungerecht und tut unglaublich weh", schreibt La Nacion". Und: Die Deutschen "zeichneten sich eigentlich nur dadurch aus, vor heimischem Publikum zu spielen. Wenn überhaupt," schreibt die Zeitung "Clarín".

Hallo, merkt ihr noch was? Wie viele Torchancen hatten Riquelme & Co eigentlich während des Spiels? Waren sie brandgefährlich oder haben sie die Pille hübsch ansehbar in ihrer Vierkette hin- und her geschoben, in der Hoffnung, Meisterspieler Riquelme würde irgendwann den tödlichen Pass spielen? Gehört es nicht zur Kunst des Fußballs, Spieler auszuschalten, so wie es Frings mit dem Mann von Villa Real getan hat? Gehört nicht auch ein geschickter Trainer dazu, der zum richtigen Zeitpunkt, die passenden Auswechslungen vornimmt? Kann es sein, das der argentinische Trainer Pekermann mit Riquelme seinen besten Mann vom Platz nahm? Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:0 für die Gauchos und es waren noch satte 20 Minuten zu spielen? Hat da jemand vielleicht die Deutschen unterschätzt? Hochmut kommt vor dem Fall.

Die Deutschen kamen zurück. Klose erzielter nach feiner Vorarbeit von Ballack und Borowski den Ausgleich. Und das Elfmeterschießen? Die Deutschen hatten mit dem Publikum im Rücken die besseren Nerven. Alle Elfmeter verwandelten sie sicher. Jens Lehmann parierte die kläglichen Schüsschen der argentinischen Nervenbündel souverän. Die Deutschen haben noch nie ein Elfmeterschießen bei einer WM verloren. Also bitte, liebe Kollegen aus Argentinien, erkennt den Sieg der Deutschen an. Sie waren, alles in allem, schlichtweg besser!


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