HOME

Stern Logo WM 2006

Portugal - England: Figo vs. Beckham

England hat keine guten Erfahrungen gemacht, wenn es bei Turnieren gegen Portugal ging. Das Team von Felipe Scolari geht allerdings stark ersatzgeschwächt in das Spiel.

Die Teams von England und Portugal sind gespickt mit Stars, die bislang bei dieser Weltmeisterschaft ihr Potenzial nur selten abgerufen haben. Immerhin zeigten die Portugiesen als Mannschaft schon ein paar ordentliche Auftritte. England war dagegen eine spielerische Enttäuschung. Am Samstag treffen die beiden Mannschaften im Viertelfinale in Gelsenkirchen aufeinander.

Für Portugal ist es erst die vierte WM-Teilnahme, und erst zum zweiten Mal gelang es dem Land, über die erste Runde hinauszukommen. Das letzte Mal war vor 40 Jahren. Damals schlug Gastgeber England die Portugiesen mit Weltstar Eusebio im Halbfinale mit 2:1 und gewann anschließend auch das Finale gegen Deutschland mit 4:2 - der einzige Titelgewinn für das Heimatland des Fußballs in der WM-Geschichte.

"Ich will das Team so weit bringen, wie es Eusebio getan hat, was einen Platz im Halbfinale bedeutet", sagte Trainer Luiz Felipe Scolari und erweist damit einem der besten portugiesischen Spieler aller Zeiten die Referenz. Nach 1966 hat Portugal gegen England bei allen großen internationalen Turnieren die Oberhand behalten. 1986 gab es bei der WM einen 1:0-Sieg, bei der Europameisterschaft 2000 war es ein 3:2-Sieg und vor zwei Jahren bei der EM in Portugal setzte man sich im Viertelfinale mit 6:5 nach Elfmeterschießen durch.

"Jedes Mal, wenn wir bei einem solchen Turnier in diesem Stadium ausscheiden, ist das sehr schmerzhaft. Und wenn es das zwei Mal gegen Portugal im Viertelfinale wäre, wäre das besonders hart", sagt der englische Kapitän David Beckham. "Für uns gilt jetzt, dass wir nicht über das nachdenken, was in der Vergangenheit war, sondern dass wir nach vorne blicken und daran glauben, dass wir dieses Team schlagen."

Letzter Sieg Englands liegt sechs Jahre zurück

Auch für Portugals Coach, den Brasilianer Scolari, ist es ein besonderes Spiel. Bereits beim EM-Sieg über England vor zwei Jahren trainierte er Portugal, außerdem betreute er Brasilien beim 2:1-Viertelfinalsieg gegen die "Three Lions" vor vier Jahren. Und vor zwei Monaten erteilte er dem Werben des englischen Fußballverbandes eine Absage, der ihn gerne als Nachfolger für den scheidenden Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson verpflichtet hätte.

Zum letzten Mal konnte England vor sechs Jahren gegen Portugal gewinnen. Bei einem Freundschaftsspiel im April 1998 behielt man mit 3:0 die Oberhand. "England ist ein gefährliches Team mit einer Menge Erfahrung", sagt Verteidiger Nuno Valente. "Sie haben bis jetzt keinen schönen Fußball gespielt, sind aber sehr effektiv." Stürmer Pauleta erklärt, das Spiel am Samstag könne nicht mit dem bei der EM 2004 verglichen werden. "Das wird eine komplett andere Partie", sagt er. England habe großartige Weltklassespieler. "Wir müssen uns darauf einstellen, auf eines der besten WM-Teams zu treffen." Das englische Team hat im laufenden Turnier drei Spiele gewonnen und ein Mal unentschieden gespielt, war jedoch weit davon entfernt zu überzeugen. "England hat die Spieler, die ein Team mit einem Schlag entscheiden können", sagt Nuno Valente trotzdem.

Rotation auf dem Spielfeld

Die Portugiesen ihrerseits haben alle ihre vier Spiele gewonnen und bislang lediglich ein Tor zugelassen. Aber zumindest das letzte Spiel war alles andere als ansprechend. Beim 1:0 über die Niederlande gab es insgesamt 16 gelbe Karten, darunter vier gelb-rote Karten. Defensivspieler Costinha und Mittelfeldregisseur Deco sind nun für das Viertelfinale gesperrt - die ersten beiden Feldverweise seit Scolaris Amtsantritt. Armando Petit soll Costinha ersetzen, Tiago soll voraussichtlich in die Rolle von Deco schlüpfen - oder aber Luis Figo rückt vom Flügel in die Mitte und Simao Sabrosa nimmt seine Position ein.

Unsicher ist der Einsatz von Cristiano Ronaldo, der nach einem üblen Foul des Niederländers Khalid Boulahrouz an einer Oberschenkelverletzung laboriert und auch am Freitag nicht trainieren konnte. "Er könnte spielen, er könnte nicht spielen, ich weiß es einfach nicht", sagte Scolari. "Wir respektieren sie", sagt Figo über die Engländer. "Wir wissen, wie sie spielen können, wir kennen ihre Spieler. Ich hoffe nur, dass sie uns nicht mit irgendeiner Überraschung kommen. Diese Art von Spielen wird durch kleine Dinge entschieden. Das Wichtigste ist, dass wir uns konzentrieren und keine Fehler machen."

Schlecht spielen und gewinnen

England wird voraussichtlich mit Neville beginnen, der die letzten drei Spiele wegen einer Verletzung pausieren musste. Owen Hargreaves vom FC Bayern München könnte dann ins defensive Mittelfeld rücken, wo er sich ohnehin wohler fühlt. Wayne Rooney wird immer fitter. Der Angreifer von Manchester United spielte im Achtelfinale gegen Ecuador seine erste volle Partie über 90 Minuten seit seinem Fußbruch am 29. April. "Wir werden besser spielen, als wir es bisher getan haben", verspricht Rooney. "Aber es bereitet mir auch kein Kopfzerbrechen, wenn wir nicht am allerbesten spielen und trotzdem weiter gewinnen."

Krystyna Rudzki/AP / AP

Wissenscommunity