Vor dem Polen-Spiel "Ganz anderes Kaliber als Costa Rica"


Passend zur Wetterlage in Deutschland rechnet Rückkehrer Michael Ballack im zweiten WM-Spiel gegen Polen mit einem "ganz heißen Tanz". Das hat weniger mit den Hitzegraden als mit dem angeschlagenen Gegner zu tun.
Von Klaus Bellstedt, Berlin

In Deutschland nähern sich dieser Tage die Temperaturen der 30-Grad-Grenze. Und auch im Lager der deutschen Nationalmannschaft steigt das Stimmungsthermometer gut 48 Stunden vor dem zweiten WM-Auftritt gegen Polen am Mittwoch in Dortmund an. Der Grund: Kapitän Michael Ballack konnte am Montag nach insgesamt zehn Tagen Zwangspause endlich wieder mit der Mannschaft trainieren. Co-Trainer Jogi Löw ließ dann auch auf der täglichen Pressekonferenz keine Zweifel daran, dass der Kopf des Teams im vielleicht schon vorentscheidenden Spiel um den Einzug ins Achtelfinale von Beginn an spielen wird: "Michael Ballack kehrt in die Mannschaft zurück, das ist jetzt klar."

Michael Ballack selbst, der sich wegen seiner Wadenverletzung bis zuletzt mit Einheiten im Fitnessraum und Waldläufen begnügen musste, war die Freude über seine Rückkehr in den laufenden Trainingsbetrieb deutlich anzumerken: "Ich bin froh, endlich wieder aktiv eingreifen zu können." Den Frust über das verpasste Eröffnungsspiel hat der Kapitän endgültig ad acta gelegt: "Es wird für uns im Laufe des Turniers hoffentlich noch wichtigere Spiele als das gegen Costa Rica geben und zwar mit mir", so der 29-Jährige.

"Das ist unser Stil"

Jenes vom kommenden Mittwoch gegen die Polen gehört mit Sicherheit dazu. Der 4:2-Erfolg gegen die "Ticos" war für den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft so etwas wie ein lästiger Pflichtsieg. Gegen die Osteuropäer, die nach ihrer Auftaktniederlage gegen Ecuador bereits jetzt schon brutal unter Druck stehen, rechnet Ballack dagegen mit einem "ganz heißen Tanz". "Die beiden Spiele kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen, Polen ist ein ganz anderes Kaliber als Costa Rica." Der Leader des deutschen Teams bemühte den berühmten Vergleich mit dem angeschlagenen Boxer. Die seien immer "besonders gefährlich". Klinsmann-Assistent Jogi Löw stieß ins gleiche Horn und warnte vor den Polen: " Wir haben großen Respekt vor den Polen, weil die bereits mit dem Rücken zur Wand stehen. Sie müssen gewinnen, das macht sie so unberechenbar."

Eine Partie von ganz besonderer Bedeutung wird es für das deutsche Sturmduo Podolski/Klose. Beide sind in Polen geboren, beide haben noch enge familiäre Verbindungen in das Nachbarland. "Deshalb brennen Miro und Lukas auch besonders auf dieses Spiel", beschrieb Kapitän Ballack die Gemütslage der beiden Angreifer. Überhaupt wolle man gegen Polen wie schon beim WM-Auftakt gegen Costa Rica wieder munter nach vorne spielen. "Das ist doch unser Stil. Und wenn wir vorne immer ein Tor mehr erzielen als wir hinten kassieren, dann ist doch alles gut." Auch eine interessante Sicht der Dinge…

"MV" muntert zum Mitträllern auf

Der genesene Ballack jedenfalls legte (nicht nur wegen der gewagten Abwehr-Sturm-Theorie) zwei Tage vor dem Polen-Spiel großes Selbstvertrauen an den Tag: "Wir wollen mit einem Sieg den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale perfekt machen. Mit dem Publikum im Rücken sollten wir das auch schaffen." Apropos Publikum: DFB-Präsident Mayer-Vorfelder, der der Mannschaft in den letzte Tagen einen Kurzbesuch im Hotel abstattete, zeigte sich bei seinem Kurzauftritt auf der Montags-Pressekonferenz beeindruckt von der derzeitigen Stimmung im Land und auf den Rängen: "Ich habe es noch nie erlebt, dass eine deutsche Nationalhymne vom Publikum so eindrucksvoll mitgesungen wurde wie beim Eröffnungsspiel", so "MV". So eine Stimmung übertrage sich automatisch auf die Mannschaft. Also dann: Am Mittwoch wieder alle schön mitsingen.


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