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WM-Schiedsrichter: Poll und Iwanow haben ausgepfiffen

Die beiden umstrittenen Schiedsrichter Valentin Iwanov und Graham Poll müssen nach Hause fahren. In der Schiedsrichterfrage wächst die Kritik an Fifa-Präsident Josef Blatter.

Die für ihre Entscheidungen kritisierten Schiedsrichter Graham Poll aus Großbritannien und der Russe Valentin Iwanow werden bei dieser WM keine Spiele mehr pfeifen. Dagegen verblieb der Deutsche Markus Merk in der Fifa-Liste der zwölf Unparteiischen, die bei den letzten acht Spielen eingesetzt werden können. Insgesamt berief die zuständige Kommission der FIFA am Mittwoch bei einem Treffen in Neu-Isenburg zwölf Schiedsrichter-Gespanne.

Erwartungsgemäß nicht mehr nominiert wurden der russische Unparteiische Valentin Ivanov und der englische Referee Graham Poll. Iwanow hatte beim Achtellfinale Portugal - Niederlande zwölf Gelbe Karten und vier Gelb-Rote Karten verteilt - so viele wie kein anderer Schiedsrichter bei einer WM vor ihm. Poll hatte dem kroatischen Verteidiger Josip Simunic in der Vorrunden-Partie gegen Australien gegen jede Regel drei Mail die Gelbe Karte gezeigt.

Druck von außen und innen

Fifa-Präsident Joseph Blatter fordert von den Schiedsrichtern eine deutliche Steigerung. "Ich bin überzeugt, dass wir wieder die Klasse sehen werden, die sie zu Beginn des Turniers gezeigt haben", sagte Blatter. Die Unparteiischen seien zuletzt der psychischen Belastung nicht gewachsen gewesen. "Die hatten einen großen Druck, von außen und von innen." Möglicherweise habe auch dazu beigetragen, dass die 21 WM-Schiedsrichter mit ihren Assistenten nicht genug Freiraum in ihrem Quartier in Neu-Isenburg hatten.

Blatter wolle im Anschluss an die WM eine Diskussion über strukturelle Veränderungen im Schiedsrichterwesen anregen. "Wenn man bessere Spiele will, muss man auch bessere Referees haben", sagte Blatter. "Daher muss die Professionalisierung unter Schiedsrichtern vorangetrieben werden und das Feld derjenigen erweitert werden, die darüber entscheiden, wer die besten sind."

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder gibt dem FIFA-Präsidenten eine Mitschuld an den vielen Patzern. "Der hat an alle den Oberbefehl erlassen, für jeden Wimpernschlag die Gelbe Karte zu zeigen", sagte Ahlenfelder, der in der Saison 1984/85 auch FIFA-Spiele leitete, der "Berliner Zeitung". Damit habe Blatter alle Schiedsrichter total verrückt gemacht und unter Druck gesetzt. "Diese WM ist gründlich verpfiffen, und daran trägt vor allem der Herr Blatter die Schuld", meinte Ahlenfelder.

Die WM als Kartenspiel

Als "weltfremd" bezeichnete Hans Meyer, Bundesliga-Trainer des 1. FC Nürnberg, die Vorgaben der FIFA für die Unparteiischen. "Die FIFA benutzt diese WM, die Schiedsrichter betreffend, zu einer Experimentierwiese", sagte er. "Da werden selbst harmlose Spiele durch eigentlich sehr, sehr gute Schiedsrichter zu Kartenspielen."

Bei dem Treffen in Neu-Isenburg wurden die Schiedsrichter für die Viertelfinalspiele benannt: Das Spiel Deutschland gegen Argentinien am Freitag in Berlin wird von dem Slowaken Lubos Michel geleitet. Der Belgier Frank de Bleeckere leitet die Viertelfinalbegegnung zwischen Italien und der Ukraine am Freitagabend. Horacio Elizondo aus Argentinien ist Schiedsrichter im Duell England gegen Portugal und der Spanier Luis Medina Cantalejo pfeift die Partie Brasilien gegen Frankreich.

Markus Merk bleibt zumindest ein heißer Anwärter auf das Finale. Er muss in den Viertelfinals aber tatenlos zuschauen. Sollte die Klinsmann-Elf das Halbfinale erreichen, würde Merk erneut pausieren müssen. Er käme aber noch für die Leitung eines der beiden Finalspiele ohne deutsche Beteiligung in Frage.

be/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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