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Fußball-WM - Gruppe A: "Blauer Albtraum" schockiert ganz Frankreich

Das Entsetzen der Franzosen über die Niederlage der Équipe Tricolore gegen Mexiko ist kaum zu beschreiben. Das Sportblatt "L'Équipe" bezeichnete die Stars sogar als "Hochstapler". Ein Schuldiger für die WM-Pleite steht auch schon fest: Trainer Raymond Domenech.

Die schwache Vorstellung ihrer Nationalmannschaft gegen Mexiko (0:2) bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat die Franzosen maßlos enttäuscht und regelrecht empört. "Hochstapler" titelte das Sportblatt "L'Équipe" voller Empörung. "Das nullenhafte Auftreten" der Mannschaft "widerlegt alle Reden von (Trainer) Raymond Domenech und seinen Spielern über ihre Charakterstärke und ihre Fähigkeit zur Reaktion".

"Diese Blauen haben in Südafrika nicht mehr viel zu suchen", bilanziert "Le Parisien" niedergeschlagen. "Die Blauen wurden in allen Bereichen beherrscht und sind gegen Mexiko untergegangen." Bayern-Star Franck Ribéry sei "alles, nur kein Chef". Für Domenechs Liebling Sidney Govou sei "der Anzug viel zu groß". Und zur Beschreibung von Nicolas Anelka, der von Domenech trotz seines schwachen Auftaktspiels gegen Uruguay erneut aufgestellt wurde, fehlten die Begriffe: "Lächerlich? Schwach? Bedauernswert?"

Abrechnung mit Domenech

Die linksliberale "Libération" sah nur einen "blauen Albtraum". Die Mannschaft sei wie das Stadion in Polokwane "ohne lebende Seele". Außer Malouda hätten alle enttäuscht. "Ribéry ist ein Kreisel: Er dreht sich um sich selbst, macht ein Loch in den Rasen und fällt am Ende um. Kaputt."

Den eigentlich Schuldigen suchen die Franzosen aber nicht in ihrer ungeliebten Mannschaft, sondern im Trainer. "Domenech ist gestern gescheitert", konstatiert der ernsthafte "Figaro". "Bald schlägt die Stunde der Abrechnung." Frankreich sei nach dem "Waterloo am Limpopo" jetzt "tief im Abgrund" angelangt. "Zwischen Arroganz, Leugnung der offensichtlichsten Realität und Missverständnissen graben die Tricolores seit zwei Jahren systematisch ihr Grab."

Nur wenige hoffen noch

Nur wenige Franzosen hegen wie Domenech selbst noch ein Fünkchen Hoffnung auf ein Weiterkommen im letzten Gruppenspiel gegen Südafrika. "Dienstag müssen wir gewinnen und beten", schreibt "Le Parisien". Doch viele denken wie "L'Équipe": "Die Blauen verdienen es nicht." Auch wenn ein Weiterkommen und sogar der WM-Titel rechnerisch noch möglich seien: "Wir pfeifen drauf", schreibt das Fachblatt und rät. "Keine Trauer, keine Enttäuschung, vor allem keine Wut. Das würde diesen Männern zu viel geben, die nichts anzubieten haben."

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SID/dho / SID

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