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Fußball-WM 2010 Siegesparty mit Plüsch-Paul


Spaniens Fußball-Nationalelf hat mit dem ersten WM-Titel des Landes Geschichte geschrieben und die Menschen die schwere Krise daheim vergessen lassen. Die Bevölkerung dankte es ihr mit einem euphorischen Empfang in der Hauptstadt.

Spanien hat die Helden von Südafrika gefeiert: Nach dem historischen WM-Sieg bereiteten Hunderttausende Menschen der Fußball-Nationalmannschaft am Montagabend in Madrid einen begeisterten Empfang. Bei fast 40 Grad Hitze fuhr die "selección" in einem offenen Doppeldeckerbus rund dreieinhalb Stunden lang durch das Zentrum der spanischen Hauptstadt. "Campeones, campeones, oé, oé, oé!", jubelten die Fans den Spielern und Trainer Vicente del Bosque zu. Diese reckten stolz den Pokal in den Himmel.

Als Höhepunkt des Triumphzuges ließ sich das Team von rund 150 000 Menschen auf einer Riesenparty nahe dem Stadtpark Casa de Campo feiern. Andrés Iniesta, der im Finale das Tor gegen die Niederlande geschossen hatte, trat mit einem Plüsch-Tintenfisch auf die Bühne. "Ihm haben wir den Sieg zu verdanken", scherzte er in Anspielung auf Orakel Paul. Danach stellte Ersatztorwart Pepe Reina jeden einzelnen der Spieler in Entertainer-Manier vor.

Nachdem die Menge das berühmte "Que viva España" (Es lebe Spanien) gesungen hatte, wurde die Mannschaft nach rund einer Stunde zu den Klängen von "We Are the Champions" mit einem großen Feuerwerk verabschiedet.

Nach ihrer Ankunft in Madrid war "La Roja" (die Rote) zunächst von König Juan Carlos empfangen worden. "Ihr habt das ganze Land begeistert und unsere kühnsten Träume wahr werden lassen", sagte der 72-jährige Monarch. Die "selección" habe zudem Spanien geeint und Sportlichkeit sowie Teamgeist bewiesen. "Dafür danke ich euch im Namen des ganzen Volkes."

Die Spieler erschienen zu der Audienz im Trainingsanzug. Der König nahm Kapitän Iker Casillas und auch Verteidiger Carles Puyol, den Torschützen beim Halbfinal-Sieg gegen Deutschland, in den Arm. Passend zur Farbe des Trikots der "selección" trug Königin Sofía (71) bei dem Empfang ein rotes Kleid, Kronprinz Felipe dafür eine rote Krawatte. Dessen kleine Töchter Leonor (4) und Sofía (3) hatten das Trikot der Nationalmannschaft an. Beide durften den Pokal berühren, die Größere ließ sich die WM-Medaille umhängen.

Anschließend beglückwünschte auch Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero das Team. "Die Nationalmannschaft hat ihn gewonnen, aber der Pokal gehört allen Spaniern", sagte er. "Euch haben wir zu verdanken, dass das Image Spaniens nun in der ganzen Welt glänzt.".

Trainer Del Bosque dankte den Spaniern für ihre Unterstützung während der WM. "Dieser Triumph ist ein Erfolg aller, selbst des bescheidensten Fußballclubs im Land." Iniesta sagte: "Ich bin stolz, ein Teil dieses Teams zu sein."

Der erste WM-Titel in der Geschichte Spaniens hat dem Krisenland endlich wieder einen Grund zur Freude gegeben. Das bekamen die Spieler der "selección" schon bei ihrer Ankunft aus Südafrika zu spüren. "Willkommen in einem glücklicheren Land - Danke!", stand auf einem riesigen Transparent am Flughafen.

An Schuldenmisere und Arbeitslosigkeit will in Spanien derzeit nämlich kaum jemand denken. Nach dem 1:0-Sieg über die Niederlande waren Millionen Menschen in der Nacht mit rotgelben Fahnen auf die Straße gestürmt, um die "selección" zu feiern. Auch US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier David Cameron gratulierten zum WM-Gewinn.

Feuchtfröhlich ging es nach dem Schlusspfiff auf zahlreichen Freiluftpartys von Santander im Norden bis Tarifa im Süden zu. Das Land explodierte regelrecht vor Freude. Nach Schätzungen des Sportblatts "Marca" feierten 25 Millionen Menschen den ersten WM- Titel Spaniens auf der Straße - das ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

Bei Temperaturen um die 35 Grad endete so manche Party im Stadtbrunnen. Die Polizei drückte meist die Augen zu. Mancherorts ließen die Streifenwagen sogar die Sirenen heulen, nur um mitzufeiern.

Nicht so in Bilbao im Baskenland, wo militante Separatisten einige Anhänger der spanischen Nationalmannschaft verprügelten. Auch in Barcelona kam es zu Ausschreitungen. Insgesamt gab es zwei Dutzend Festnahmen und etwa 80 Verletzte. Überschattet wurden die Feiern zudem von zwei Todesfällen: Ein Mann stürzte vom Balkon, ein anderer ertrank in einem Schwimmbad.

DPA DPA

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