HOME

Stern Logo WM 2010

Fußball-WM 2010: Zwischen Poldi und Podolski

Für Lukas Podolski ist die WM in Südafrika bereits das fünfte große Turnier mit der Nationalmannschaft. Große Lust, Verantwortung zu übernehmen, hat der Außenstürmer aber nicht. Trotzdem hat er sich weiterentwickelt.

Von Klaus Bellstedt, Centurion

Lukas Podolski hat ein beneidenswertes Gemüt. Er hat eigentlich immer gute Laune. Im Kreis der Nationalmannschaft fühlt sich der Außenstürmer traditionell besonders wohl. Das deutsche WM-Quartier, das Hotel Grande Velmore, ist für Podolski eine Art Spaß-Oase - trotz der Einsamkeit drum herum.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Kölner ist beim täglichen Training im "Super Stadium" von Atteridgeville genauso konzentriert am Werke wie seine Kollegen. Aber erst, wenn das Trainingsgerät wieder im Netz verschwindet, blüht der 25-Jährige so richtig auf. Dann ist er endlich wieder der Poldi. Dann liefert er sich heiße Playstation-Duelle mit den Mannschaftskameraden, oder er lässt es an der Tischtennis-Platte so richtig krachen.

Podolski lächelt fast immer. Dass hier in Südafrika für die deutsche Nationalmannschaft in drei Tagen eine Fußball-Weltmeisterschaft startet, sieht man Spielern wie Badstuber, Özil oder Klose sehr wohl an. Lukas Podolski sieht man diese Anspannung nicht an - eigentlich bewundernswert.

"Kapitänsbinde ist mir nicht wichtig"

Lukas Podolski hat beachtliche 73 Länderspiele auf seinem Konto. Nach der EM 2004, dem Confederations Cup 2005, der WM 2006 und der EM 2008 ist die WM 2010 in Südafrika für den Linksfüßler mit der unnachahmlichen Schusstechnik bereits das fünfte große Turnier. Dieses Mal geht der DFB mit einem besonders jungen und unerfahrenen Team in den Wettbewerb. Einer wie Podolski müsste eigentlich viel mehr Verantwortung übernehmen. Aber das will er nicht: "Der Mannschaftsrat oder die Kapitänsbinde, diese Dinge sind mir nicht wichtig", sagt er. Aus Podolskis Worten schwingt Bescheidenheit, beinahe Demut, mit. Nach einer Katastrophen-Saison mit dem 1. FC Köln ist er einfach nur froh, überhaupt hier dabei sein zu dürfen. Bundestrainer Joachim Löw erwartet von ihm bei der WM eine "Leistungsexplosion". Und Podolski hat versprochen: In Südafrika will er liefern - auch weil er zu Löw ein exzellentes Verhältnis pflegt.

Er will alles über Mandela wissen

Löw hat immer zu Podolski gehalten. Er hat ihm vor der WM quasi einen Stammplatz in der ersten Elf zugesichert. Bei so viel Vertrauen ist es logisch, dass sich der Kölner fast schon vehement für einen Verbleib Löws als Nationalcoach auch nach der WM in Südafrika einsetzt: "Ich hoffe sehr, dass er weitermacht. Wir arbeiten so gut zusammen. Es sollte alles so bleiben."

Loyalität, Bescheidenheit, Demut: Podolski hat sich bei aller Unernsthaftigkeit, die er an den Tag legt, im Laufe der Jahre doch irgendwie auch weiterentwickelt. Für das Eröffnungsspiel an diesem Freitag zwischen Südafrika und Mexiko drückt der 25-Jährige der Heim-Mannschaft die Daumen: "Ein Sieg der Südafrikaner täte der ganzen Stimmung im Land gut. Ich wünsche ihnen den Sieg." Wenn Podolski solche Sätze sagt, wirkt er beinahe nachdenklich. Überhaupt Südafrika: Das WM-Ausrichterland hat es ihm angetan. Nach einem Vortrag des deutschen Botschafters über Land und Leute Anfang der Woche steckte Podolski Nationalmannschaftssprecher Harald Stenger einen ganz besonderen Auftrag zu: "Ich möchte alles über diesen Nelson Mandela wissen."

Wissenscommunity