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WM 2010: Interview mit Lisa Müller: "Mit Thomas kann man den ganzen Tag lachen"

Thomas Müller ist der Shootingstar dieser WM. Seine Frau Lisa erzählt im Interview, wie die beiden sich kennengelernt haben, welche Pläne sie für die Zukunft haben - und verrät, ob er im Haushalt hilft.

In der 2500-Seelen-Gemeinde Pähl in Oberbayern ging nichts mehr. Bürgermeister Klaus Pfeiffer war außer sich vor Freude. Über seinen berühmtesten Bewohner Thomas Müller, 20, sagte er, wie toll es sei, dass "dieser Komet am Fußball-Himmel aufgegangen" sei. Am Ammersee hatten Mutter Klaudia, Vater Gerd und auch der Bruder Simon Tränen in den Augen, als der "Man of the Match" (Mann des Spiels) über das Fernsehen die Großeltern grüßte. Lisa Müller, seine Frau, ist seit ein paar Tagen bei ihrem Mann in Südafrika. Sie sah das Spiel live und hatte gestern einen ganzen Tag mit ihrem Thomas.

Frau Müller, haben Sie während der WM jeden Tag Kontakt zu Ihrem Mann?
Ja, das muss unbedingt sein. Wir telefonieren, schreiben uns SMS, haben Kontakt über Videochat oder MSN, eigentlich die ganze Palette.

Wie war bei Ihrem Mann die Stimmung nach der Saison?


Er war bestens gelaunt. Thomas hat in seiner ersten richtigen Saison bei den Profis mit der Meisterschaft und dem Pokal gleich zwei Titel geholt, hat 52 Pflichtspiele absolviert und fast immer durchgespielt. Von daher war er schon sehr glücklich. Und jetzt noch der Höhepunkt mit der WM, mehr geht ja fast gar nicht.

Trauerte er noch dem verpassten Sieg in der Champions League nach?


Klar, und das kann ich gut verstehen. Wenn man die Chance zum Triple hat, will man das natürlich auch schaffen. Thomas hatte ja auch noch die meisten Tormöglichkeiten in der Mannschaft. Aber das ist dafür auch eine gute Motivation für die Zukunft, denn dieser Titel fehlt ihm noch. Und er hat ja noch ein paar Jahre vor sich.

Erzählt Ihr Mann Ihnen von seinem Job?


Ich frage ihn immer danach, und Thomas erzählt selbst auch gern. Fußball ist sein Beruf und sein Leben - und damit bei uns zu Hause natürlich auch ein zentrales Thema. Wir teilen unsere Sorgen und Nöte in allen Bereichen. Thomas hat das große Glück, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Und dabei hat er großen Spaß.

Hatten Sie mit Fußball zu tun, ehe sie Ihren Mann kennenlernten?


Nein, überhaupt nicht, ich hatte keine Ahnung vom Fußball. Und wenn man sich in einer Sportart nicht auskennt, ist sie auch langweilig. Als 2006 die Fußball-WM in Deutschland stattfand, habe ich mich nur wenig dafür interessiert. Zu dieser Zeit war ja auch die Reit-WM in Deutschland, wo ich als Turnierreiterin natürlich begeistert war. Ich habe damals vom Fußball nur ganz wenig mitbekommen.

Wie würden Sie Ihren Mann charakterisieren und was schätzen Sie besonders an ihm?


Ich liebe seinen Humor, mit Thomas kann man den ganzen Tag lachen. Aber man kann mit ihm genauso gut über ernste Themen reden, er ist sehr intelligent. Er ist offen, und wir vertrauen einander blind. Thomas und ich sind seelenverwandt, wir verstehen uns oft ohne Worte. Und natürlich gefällt mir auch seine Lausbubenart total gut.

Sie haben mal gesagt, dass Sie, wenn Sie Ihren Mann auf dem Feld beobachten, genau wüssten, welchen Gemütszustand er hätte.


Wenn man sich gut kennt, dann sieht man schon von weitem, ob der Partner enttäuscht oder sauer ist. Es ist ja auch so, dass ich meistens Thomas und weniger das gesamte Geschehen auf dem Spielfeld beobachte.

Wann und wie haben Sie sich damals kennengelernt?


Das ist fast genau drei Jahre her. Ich habe damals eine Freundin begleitet, die Fußball-Schiedsrichterin war. Ihr Freund war mit meinem Mann bekannt. Allerdings haben die beiden sich dann getrennt und auch der Kontakt zu Thomas brach ab. Aber durch ein soziales Netzwerk im Internet haben wir wieder zueinander gefunden, und beim ersten Treffen hat es dann gefunkt.

Sie haben jung geheiratet, wie hat Thomas Ihnen den Heiratsantrag gemacht?
Es passierte an Weihnachten 2008. Wir waren mit der Familie abends zur Christmette, dort ist mir dann durch den Weihrauch ein bisschen schwindelig geworden. Auf der Treppe an seinem Elternhaus hat er mich dann gefragt, ob ich seine Frau werden wolle. Und im November 2009 haben wir dann im kleinen Kreis standesamtlich geheiratet. Nächstes Jahr wollen wir uns noch kirchlich trauen lassen.

Sie sind selbst viele Jahre als Vielseitigkeitsreiterin erfolgreich gewesen. Wie läuft Ihre sportliche Karriere jetzt?


Ich reite heute nur noch Dressur und Springen. Thomas war der Geländeritt zu gefährlich, deshalb hatte er mich darum gebeten, das nicht mehr zu machen. In Dressur und Springen starte ich auch regelmäßig bei Turnieren.

Sie sind mit einem Profisportler verheiratet. Ist es ein Vorteil, dass auch Sie Leistungssport betreiben?


Das Verständnis ist viel größer, als wenn man Nicht-Sportler wäre. Wenn ich jetzt zur Reit-WM fahren würde, würde mich Thomas genauso unterstützen. Zudem kann ich mir die Zeiten selbst recht gut einteilen und mich so auf Thomas' Zeitplan einstellen. Sonst würden wir uns auch kaum sehen.

Mag Thomas denn auch Pferde?


Oh ja, der Virus hat ihn total gepackt, er hat vor kurzen sogar ein Pferd gekauft. Und in Zukunft plant er, Pferde zu züchten. Unser Traum ist es, irgendwann ein Gut mit Pferden zu besitzen.

Kann Thomas auch reiten?


Er hat Talent, darf das als Profi aber nicht, weil es zu gefährlich ist. Deshalb wird das erst etwas nach seiner Profilaufbahn.

Wie ist das Leben als Ehefrau eines aufstrebenden Fußballprofis?


Viele Menschen sehen oft nur die positiven Seiten, von wegen, dass man bekannt ist und in der Öffentlichkeit steht. Die Wahrheit ist, dass ich auch sehr oft allein bin. Thomas ist während der Saison viel unterwegs, da muss ich mich voll und ganz nach ihm richten.

Was macht das Ehepaar Müller außer Fußball und Reiten?


Wir haben beide viel Power, der Sport bestimmt unsere Leben. Wir spielen auch gern zusammen Tennis oder gehen joggen.

Wie läuft es im Haushalt?

Meistens bin ich diejenige, die kocht, aber Thomas hilft mir gern dabei. Ich habe früher schon von der Gemeinde aus Kochkurse gemacht, von daher klappt das ganz gut. Ansonsten führe ich den Haushalt. Einkaufen, Wäsche, Hund, bei mir ist alles eingespielt, von daher bin ich eher der Chef im Haus.

Ihr Mann hat einen sensationellen sportlichen Aufstieg erlebt. Damit ist auch die Aufmerksamkeit gestiegen. Wie lebt es sich im Fokus der Öffentlichkeit?


Zurzeit geht es noch. In der Stadt können wir uns auch manchmal noch unerkannt bewegen.

Haben Sie Angst um Ihre Privatsphäre?


Angst nicht, aber es ist komisch, wenn Kinder vor unserem Haus darauf warten, dass wir herauskommen. Ich war selbst nie fanatischer Anhänger einer Musikgruppe, von daher ist das für mich auch nicht so sehr nachvollziehbar.

Ihr Familienname ist Müller, Ihr Mann ist Stürmer. Da liegt der Vergleich zu dem legendären Gerd Müller nahe.


Mir wurde schon einiges über den Bomber der Nation erzählt, als Co-Trainer der zweiten Mannschaft treffe ich Gerd Müller ab und zu. Aber ein Vergleich mit Thomas ist abwegig, und mein Mann würde sich auch gar nicht trauen.

Ihr Mann hat als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Haben Sie die aus Ihrem Haus verbannt?


Die gibt es in der Tat bei uns nicht mehr, aber dafür schlafe ich ab und an im Bayern-Trikot, für mich ist das aber mehr ein Nachthemd. Am liebsten trage ich die Trikots aus der Champions League. Und in der Nummer 25 schlafe ich wirklich perfekt.

Mit freundlicher Genehmigung von WELT ONLINE

Interview: Alexandra Gross

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