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Brasilianer Fred ausgepfiffen: Was hat dieser Mann falsch gemacht?

Glücklos stolperte Fred durchs Halbfinale. Mal wieder - und wurde gnadenlos von den eigenen Fans ausgebuht. Der Stürmer bekam den Unmut der Brasilianer zu spüren, gemeint aber war das ganze Team.

Vor nicht allzu langer Zeit war er noch der Held: Juni 2013, Brasilien, Confed Cup, das Vorbereitungsturnier der Fußball-Weltmeisterschaft. Mit fünf Toren in fünf Spielen schoss Fred den Gastgeber fast im Alleingang zum Cup-Gewinn. Juli 2014: Gleiche Mannschaft, gleiche Spielstätten, aber leider nicht der gleiche Fred. Sechs Parteien lang sehen die brasilianischen Fans einen Stürmer, der nicht nur nicht stürmt, sondern auch noch den Großteil der Bälle verstolpert. Ein einziges Tor, kein einziges vorbereitet - das ist zu wenig für den Mann, der im Halbfinale die undankbare Aufgabe hatte, Neymar zu ersetzen.

Doch Fred scheiterte, wie sein gesamtes Team scheiterte: an Ungelenkheit, an Ideenlosigkeit, an technischem Unvermögen und auch am unmenschlichen Druck, der auf der gesamten Seleção lastete. Die eigenen Anhänger in Belo Horizonte pfiffen den glücklosen Mann bei jedem Ballkontakt gnadenlos aus - keine schöne oder hilfreiche Geste. Die Buhrufe mögen an ihn gerichtet gewesen sein, gemeint aber war wohl die ganze Mannschaft. Brasilien hat neben dem kolumbianischen Neymar-Kaputttreter Zúñiga seinen zweiten Sündenbock für die sportliche Bankrotterklärung im eigenen Land.

Niels Kruse

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