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Wiechmanns WM-Kolumne Brasilien sucht seinen Super-Fußballer


Pelé, Romário oder Ronaldo? Die Frage nach dem "größten Fußballer aller Zeiten" ist in Brasilien zu einem amüsanten Wettstreit ausgeartet - vor allem, weil sich die Genannten rege daran beteiligen.
Von Jan-Christoph Wiechmann

Es gibt hier in Brasilien seit einiger Zeit einen amüsanten Wettstreit, eine Art Hahnenkampf. Teilnehmer sind drei der größten Fußballspieler aller Zeiten: Pelé, Romário und Ronaldo. Es geht jede Woche um etwas anderes, aber im Prinzip dreht sich alles um die alte Frage, wer der Größte ist.

Eigentlich ist jede Diskussion sinnlos. Der größte Spieler aller Zeiten ist Pelé, "O Rei", der König, Weltmeister 1958, 1962, 1970. Aber Romário, genannt "Baixinho", der Kleine, findet, dass auch der große Romário, Weltmeister 1994, in die enge Wahl gehört. Er hat in seiner Profikarriere 1006 Tore geschossen, nach seiner Rechnung mehr als Pelé. Romário findet außerdem, dass Pelé ein Dummkopf ist und seinen Mund halten sollte, "zum Wohl der Nation". "Pelé ist ein Poet, wenn er schweigt."

Pelé vergibt Romário, Romário verspottet Ronaldo

Der große Pelé wiederum glaubt, dass der kleine Romário auf 1006 nur Tore kommt, weil er die beim Strandfußball dazu zählt. Pelé weist gern darauf hin, dass er 1281 Tore geschossen hat, erwähnt aber nicht, dass er die Tore aus Freundschaftsspielen dazu zählt. Pelé findet zudem, dass Romário ein selbstverliebter Kerl ist, "aber ich bin Katholik und Gott sagt, dass man den Ahnungslosen vergeben soll, also vergebe ich den Ahnungslosen."

Der kleine Romário wiederum lässt sich das nicht bieten und erwidert: "Ich glaube, so katholisch wie er behauptet, ist er nicht, sonst hätte er seine Tochter anerkannt und wäre zu ihrer Beerdigung gegangen." Pelés Tochter starb 2006 an Krebs.

Wenn es um Gott geht, verweist Romário außerdem gern auf ein Zitat des großen Romário: "Als ich geboren wurde, zeigte Gott auf mich und sagte: Das ist der Mann."

"Sie sollen sich ruhig prügeln"

Dann gibt es da noch den großen Ronaldo, "O Fenomeno", Weltmeister von 2002. Ronaldo kommt in seiner Karriere nur auf 414 Tore, aber dafür hat er bei Weltmeisterschaften 15 geschossen, drei Tore mehr als König Pelé und sogar zehn mehr als der kleine Romário.

Der große Ronaldo sagt, er wolle sich beim Romário-Pelé-Streit nicht einmischen, "sie sollen sich ruhig prügeln". Aber er muss schon mal festhalten, dass der Neupolitiker Romário opportunistisch und ignorant sei und mit seiner WM-Kritik einen "Mangel an Patriotismus" offenbare. Romário wiederum findet, dass der WM-Mitorganisator Ronaldo ziemlich dummes Zeug fasele und zudem für eine korrupte Organisation, den Fußballverband Fifa, arbeite. "Und nur um es noch mal klarzustellen - ich liebe Frauen", sagt Romário. Seitdem der große Ronaldo mit drei Transvestiten erwischt wurde, nutzt Romário jede Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass er Sex mit Frauen bevorzugt.

Sex und Frauen

Und damit wären die drei Helden auch schon beim großen Thema Sex. Sex und Frauen spielen offenbar immer eine Rolle, wenn es darum geht, wer der größte Fußballspieler ist. Der große Romário gibt gern damit an, dass er ein Frauenheld ist und in seinem Leben etwa so viele Frauen flachgelegt hat, wie er Tore schoss. "Die guten Angreifer schießen nur Tore, wenn sie in der Nacht davor guten Sex hatten", lautet eine seiner Weisheiten.

Der große Ronaldo verrät nicht, ob er an die 1000 Frauen herankommt, aber auch er hat eine Empfehlung für den Nachwuchs, die ihn selber zu einem der ganz Großen reifen ließ: "Sex vor einem Spiel ist der Schlüssel zum Erfolg." Vor Selbstbefriedigung warnt der große Ronaldo hingegen. "Ich glaube, dass Masturbation dich von großen Leistungen abhält. Es ermüdet viel mehr als Sex."

Der große Pelé machte einst Werbung für Viagra, sagte aber allen, dass er selber Viagra nicht nötig habe. Er hat da sein eigenes Rezept: "Ich habe viele Freundinnen, schöne Schauspielerinnen und Models. Hübsche Begleitung." Pelé ist inzwischen 73, und eigentlich will er der Welt nur sagen, dass der größte Spieler aller Zeiten auch in Sachen Potenz ganz obenauf ist.

Maradona? Da sind sich die Helden einig

Es gibt noch eine andere Möglichkeit. Vielleicht ist der größte Fußballspieler aller Zeiten nicht ein Brasilianer, sondern der Argentinier Diego Maradona. Der große Maradona selber zog diese Möglichkeit in Betracht, als er kürzlich sagte: "Pelé wird immer der Zweitbeste im Fußball sein, wenn man ihn mit Maradona vergleicht."

In dieser Frage sind sich die drei Helden aus Brasilien aber mal einig. Ein Argentinier wird niemals der Größte sein. Pelé spricht da für alle, wenn er sagt: "Wenn Maradona glaubt, dass er der größte Spieler des Jahrhunderts ist, ist das sein Problem."

Von Jan-Christoph Wiechmann print

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