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1:1 gegen Spanien Endlich ein Team: DFB-Elf lässt die Zweifler vorerst verstummen

Leroy Sané (l.) brachte viel Offensiv-Power ins deutsche Spiel
Leroy Sané (l.) brachte viel Offensiv-Power ins deutsche Spiel
© Christian Charisius / DPA
Die deutsche Elf hat gegen Spanien gezeigt, dass man sie nicht abschreiben sollte. Flick hat der Mannschaft einen Plan an die Hand gegeben, und die Spieler haben ihn mit großem Einsatz umgesetzt. 

Die ersten Reaktionen der deutschen Spieler nach dem 1:1 gegen Spanien hätten gut zum Ende eines Katastrophenfilms gepasst: Man hatte bei den Aussagen das Gefühl, dass der Untergang der Welt gegen einen übermächtigen Gegner so gerade verhindert worden ist: Noch ist nicht alles gut, aber immerhin. Ab jetzt sieht die Zukunft wieder um einiges besser aus. Kapitän Manuel Neuer sprach von einem "Fight" und betonte: "Wir leben noch". Bundestrainer Flick wurde martialisch: "Da standen Krieger auf dem Platz, die mit Herz spielen."

Die Sätze sind verständlich, wenn man bedenkt, wie sich die Ausgangslage vor der Partie gestaltete. Spanien hatte am ersten Spieltag Costa Rica mit 7:0 bezwungen. Die Deutschen hatten zwar gegen Japan nicht schlecht gespielt, aber auch dilettantische Fehler begangen und nach dem Ausgleichstreffer keine Gegenwehr gezeigt. Und jetzt ausgerechnet die Spanier, die gefühlt jeden Tag in den Medien stärker und übermächtiger gemacht wurden. Für die Deutschen hieß es so oder so: Nach der Auftakt-Niederlage gegen Japan stand bereits im zweiten Gruppenspiel ein Endspiel um das Überleben bei dieser WM an, und das gegen die technisch und taktisch brillante Mannschaft von Trainer Luis Enrique. Das konnte nur schiefgehen.

Costa Ricas Sieg hat geholfen

Doch es kam anders, und das hatte Gründe. Zum ersten tat Costa Rica der DFB-Elf den Gefallen und gewann überraschend gegen Japan, die auf einmal gar nicht mehr so stark spielten wie gegen Deutschland. Es immer etwas anderes, wenn man selbst als Favorit in ein Spiel geht. Die unerwartete Schützenhilfe sorgte dafür, dass die Ausgangslage nicht mehr ganz so hoffnungslos war. Auf einmal war ein Sieg nicht zwingend notwendig, sogar mit einer Niederlage gegen Spanien hätten die Deutschen eine Chance gehabt, in das Achtelfinale einzuziehen. Die neue Ausgangslage nahm sicherlich viel Druck von den Schultern der deutschen Elf.

Ein weiterer Grund für die Leistungssteigerung im zweiten Gruppenspiel: Flicks Umstellungen in Abwehr und Angriff wirkten. Thilo Kehrer rückte auf der rechten Außenverteidiger-Position in die Mannschaft und der im ersten Spiel so unglückliche Niklas Süle in die Innenverteidigung. Und Flick brachte das Kunststück fertig, Ilkay Gündogan, Leon Goretzka und Joshua Kimmich gemeinsam auf das Feld zu schicken. Sie verdichteten den Raum für die Spanier und die sorgten dafür, dass an diesem Abend nichts von der defensiven Anfälligkeit der DFB-Elf übrig blieb. Dass die Iberer dennoch Torchancen kreieren und ein Tor erzielten, kann keine Elf der Welt verhindern. Dafür sind die Spanier zu stark. Im Angriff musste Kai Havertz weichen und Musiala übernahm die linke Außenbahn, Thomas Müller gab die falsche Neun.

In der ersten Halbzeit war zunächst das Ziel, nicht in Rückstand zu geraten, und das gelang. In der zweiten Hälfte wurden die Deutschen mutiger und erspielten sich ihrerseits gute Torgelegenheiten. Als Flicks Männer einmal weit aufgerückt waren, hatte das Team von Luis Enrique den nötigen Raum, den es zur Führung durch Morata nutzte.

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Flick hat offenbar erfolgreich gearbeitet

Doch diesmal brach die deutsche Elf nicht ein, ganz im Gegenteil: Flick wechselte in der 70. Minute Leroy Sané, Niklas Füllkrug und Lukas Klostermann ein. Die drei kamen in ein Team, das geschlossen agierte, besonders Sané entfachte viel offensive Power. Das war der entscheidende Unterschied zur Auftakt-Niederlage. Da stand eine Einheit auf dem Platz, die mindestens den Ausgleich wollte, wenn nicht gar den Sieg, und sich nicht wegduckte.

In dieser Hinsicht hat Flick offenbar erfolgreich gearbeitet in den vergangenen Tagen und den Spielern den gemeinsamen Glauben zurückgegeben. Dass die Mannschaft sich derart steigerte, war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Viele hatten die DFB-Elf abgeschrieben. Aber von einem Team-Kollaps keine Spur. Im Gegenteil. Sané wirbelte und der Bremer Füllkrug brachte die dringend benötigten Torjäger-Qualitäten mit. Sein Treffer zum 1:1 nach Vorarbeit von Musiala und Sané bedeutete, dass die Deutschen nun gute Aussichten haben, das Achtelfinale zu erreichen. Auch hier funktionierte der Plan des Bundestrainers, und die Spieler haben mitgemacht.

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