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WM-Gegner Ghana: Die Deutschen Afrikas

Minimalistisch und pünktlich: Trotz Anlaufschwierigkeiten hat Ghana es ins Viertelfinale des Afrika-Cups geschafft. Jetzt will Deutschlands WM-Gruppengegner durchstarten.

Von Christian Henkel, Luanda

Wenn sich während des Afrika-Cups jemand vor einer Pressekonferenz für eine "Verspätung von sieben Minuten" entschuldigt, dann kann das getrost als Witz gewertet werden oder allenfalls als ironischer Gruß an die Organisatoren. Aber Randy Abbey schaut ernsthaft zerknirscht in die Runde. Als die Deutschen Westafrikas werden die Ghanaer ob ihres fehlenden Hanges zur Anarchie bezeichnet - und Unregelmäßigkeiten nimmt nicht nur der massige Teamsprecher ungern in Kauf.

Besonders hart hatte es die Black Stars beim Abschlusstraining vor dem entscheidenden Spiel gegen Burkina Faso in Luanda getroffen. Gerade war man den Militäreskorten in den Straßen der Exklave Cabinda entkommen. Doch in Angolas Hauptstadt ging das Durcheinander weiter: Der zugeteilte Platz war doppelt gebucht, das Team musste eine Stunde zu einem anderen Spielfeld fahren, auf dem es dann weder Linien noch Tore gab. "Wir haben zwei Eckfahnen in den Boden gerammt wie früher als Kinder", sagte Torhüter Richard Kingson wütend. "Das alles war irgendwie beschämend."

"Für uns beginnt das Turnier nun erst richtig"

Mit einem effektiven, doch glanzlosen 1:0-Sieg haben die Black Stars gegen Burkina Faso nun den Einzug ins Viertelfinale geschafft. "Für uns beginnt das Turnier nun erst richtig", sagte Hans Adu Sarpei, Außenverteidiger bei Bayer Leverkusen, nachher, "das Minimalziel haben wir erreicht. Gegen Angola beginnt die Zugabe." Torhüter Kingson hatte später sogar das Gefühl, dass es "unser Turnier sein könnte". Und besonders überraschend wäre das vor allem, weil der Auftritt des deutschen WM-Gegners beim diesjährigen Afrika-Cup unter keinem guten Stern zu stehen schien.

Bereits vor Turnierbeginn musste Trainer Milovan Rajevac auf die verletzten Schlüsselspieler John Pantsil (Fulham), John Mensah (Sunderland) und Steven Appiah (FC Bologna) verzichten. Bei Mittelfeldstar Sulley Muntari (Inter Mailand) entschied er sich nach einer ganzen Reihe von Disziplinlosigkeiten für eine Suspendierung. Und nun sind auch Anthony Annan (Rosenberg Trondheim) und vor allem Kapitän und Superstar Michael Essien (Chelsea) verletzungsbedingt abgereist.

U20-Weltmeister sollen es richten

Viele Ausfälle, die schwierige Gruppe, das Experiment mit acht Spielern aus der U20-Weltmeisterelf - Rückschläge waren eingeplant. Doch dann bestand die Gruppe nach der Abreise Togos nur noch aus drei Mannschaften, und Ghana musste nach der Auftaktniederlage gegen Top-Favorit Elfenbeinküste im zweiten und letzten Gruppenspiel gegen Burkina Faso unbedingt gewinnen. Für Rajevac schien die Schonfrist damit bereits acht Monate nach seinem Amtsantritt abgelaufen "Ein Ausscheiden in der Gruppenphase des Afrika-Cups hat in Ghana noch selten ein Trainer überlebt" sagte William Dodzi von der Ghana News Agency.

Während der Serbe gegen die Elfenbeinküste noch fünf U20-Weltmeister aufgeboten hatte, ging er gegen Burkina Faso auf Nummer sicher und stellte die Routiniers Haminu Drahmani und Hans Sarpei in die Startelf. Doch dann erzielte der 21-jährige André Ayew, genannt Dede, Sohn von Mittelfeldlegende Abédi Pelé im zweiten Spiel das Siegtor . Schon bei der WM in Ägypten hatte er die "Black Satellites" zum Titel geführt, und nun scheint er sich auch in Angola zur Führungspersönlichkeit aufzuschwingen. Und ein weiterer Youngster soll den so schwierig gestarteten Auftritt der Ghanaer retten: Der 19-jährige Dominic Adiyiah (AC Mailand) war Toptorjäger und Topscorer beim U20-Turnier. Für die Viertelfinalpartie steht er, so Milovan Rajevac in der zweiten Reihe bereit.

Diesen Artikel haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

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