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Wunder von Bern: Ein 3:2 für die Ewigkeit

Kein anderer sportlicher Erfolg in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland besaß eine größere gesellschaftspolitische und psychologische Wirkung als der Gewinn der Fußball-WM 1954. Die Deutschen waren wieder wer.

Kein anderer sportlicher Erfolg in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland besaß eine größere gesellschaftspolitische und psychologische Wirkung als der Gewinn der Fußball-WM 1954. Mit dem 3:2 der Mannschaft von Trainer Sepp Herberger gegen die als unschlagbar geltenden Ungarn am 4. Juli 1954 in Bern war ein Mythos geboren, der die Helden überlebt hat. Mit dem zum «Wunder von Bern» verklärten Triumph hatte das Team um Kapitän Fritz Walter den Deutschen ein Stück Selbstwertgefühl und nationale Identität zurückgegeben. Man war wieder wer!

Für die Bundesrepublik identitätsstiftend

Neun Jahre waren seit dem Kriegsende vergangen, das viele Deutsche noch immer als Niederlage und nicht als Befreiung vom Faschismus verstanden. Deutschland war durch die in seinem Namen begangenen millionenfachen Verbrechen moralisch diskreditiert. Die meisten Deutschen flüchteten sich in den Wiederaufbau.

1954 spürten sie die Anfänge des so genannten Wirtschaftswunders. Sie richteten sich im neuen Staat ein, der ihnen dennoch mit seiner von den Alliierten vorgegebenen freiheitlich-demokratischen Grundordnung zunächst fremd blieb. Das Misstrauen der Alliierten und der Nachbarländer gegenüber Deutschland war trotz der Teilung noch immer groß. In dieser Situation kam der WM-Titel als Zeichen nach innen und außen gerade recht.

Millionen lauschten Herbert Zimmermann im Radio. Die Schilderung des 3:2-Siegtreffers von Helmut Rahn in der 84. Minute machte seine Reportage zum Klassiker: "Schäfer flankt nach innen - Kopfball - abgewehrt - aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen - Rahn schießt - Tooooor!!! Tooooor!!! Tooooor!!! Tooooor!!! Tooooor!!! Tor für Deutschland!" Beim Schlusspfiff überschlug sich seine Stimme: "Aus! Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister."

Misstrauen im Ausland

Das Ausland nahm den Erfolg und die deutschen Reaktionen irritiert zur Kenntnis. Die mancherorts angestimmten chauvinistischen Untertöne besonders in der Presse entgingen den ausländischen Beobachtern nicht. Dass es auch gemäßigte Stimmen in der westdeutschen Presse gab, wurde kaum registriert.

Zumindest in den alten Bundesländern sind die Namen der Spieler selbst denen ein Begriff, die erst lange nach der WM geboren wurden. Die Weisheiten von Chef Herberger wie "Ein Spiel dauert 90 Minuten", "Der Ball ist rund", "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" und "Elf Freunde sollt ihr sein" sind geflügelte Worte.

Fritz Walter und Co. bekamen als Lohn für ihre Helden-Tat 2500 Mark und eine Polstergarnitur - Insignien des Wirtschaftswunders. Nur wenige der Spieler schlugen Kapital aus ihrem Ruhm wie zum Beispiel der im Juni 2002 gestorbene Walter. Einige erlebten auch die Schattenseiten: Rahn verlor durch falsche Freunde viel Geld.

DPA

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