Zehnter Spieltag "Es geht nur noch um Sieg oder Niederlage"


Die Trainer stehen im Mittelpunkt des zehnten Spieltags. Schalkes Heynckes und Frankfurts Reimann verurteilten die Trainerwechsel mit teils drastischen Worten. Und noch mehr Trainerstühle wackeln.

Kurt Jaras Rausschmiss dominiert auch die Diskussionen vor dem zehnten Spieltag. Zuehemend wird auch von Trainern die Frage nach der Moral aufgeworfen. Die bedenkliche Entwicklung mit drei vorzeitigen Trainer-Wechseln binnen neun Spieltagen stimmte nicht allein Jupp Heynckes nachdenklich. "Es geht nur noch um Sieg oder Niederlage, um Schwarz oder Weiß. Was dazwischen ist, interessiert niemanden mehr", klagte der Schalker Fußball-Lehrer vor dem Spiel seiner Mannschaft beim Hamburger SV.

Richtig martialisch hörte sich der Kommentar von Frankfurts Willi Reimann zur Demission Jaras an. Das sei geplanter Mord, vergriff sich Frankfurts Coach in der Wortwahl.

Stevens in Gefahr

Gut möglich, dass sich dieser Trend auch am 10. Spieltag fortsetzt. Glückt der bisher sieglosen Hertha auch bei Hansa Rostock kein dreifacher Punktgewinn, muss der nächste Coach seinen Hut nehmen. Das Ultimatum für Stevens, das in dieser unmissverständlichen Form ein Novum sein dürfte, hält dessen ehemaliger Chef Rudi Assauer für unredlich. "Ich kann mir nicht vorstellen, einen Trainer so unter Druck zu setzen. Was ist das für eine Vertrauensbasis?", sagte der Schalke-Manager, der noch im März seinem Frank Neubarth die Kündigung überreicht hatte.

Moderate Worte von Hitzfeld

Der Diskussionsbeitrag von Ottmar Hitzfeld fällt ungleich moderater aus: "Es ist immer eine traurige Angelegenheit, wenn ein Trainer entlassen wird, und da fühlt man mit", kommentierte der Erfolgscoach von Rekord-Meister Bayern München, verzichtete aber auf Kritik an den beteiligten Vereinen: «Das ist nun mal im Trainerjob so, damit muss man rechnen. Dafür verdient man unheimlich viel Geld und muss mit diesen Regularien umgehen.»

Wie geht es mit Köln weiter?

Von der Rückkehr zur Normalität träumen auch die Verantwortlichen beim 1. FC Köln. Nach dem 0:0 in Stuttgart und dem 1:0 über den SC Freiburg sitzt Trainer Friedhelm Funkel wieder fester im Sattel. «Er wird auch bei einer Niederlage in Frankfurt im Amt bleiben», sicherte Manager Andreas Rettig zu. Trotzdem könnte eine Niederlage beim Tabellen-Vorletzten Eintracht Frankfurt zumindest die öffentliche Diskussion über den Coach wieder anheizen. «Die Lage ist so angespannt wie vorher. Wir sind zwar jetzt 14., haben aber nur zwei Punkte mehr als Frankfurt», warnte Angreifer Marius Ebbers.

Es sind erneut die Trainer, die an diesem Wochendende im Rampenlicht stehen. Der beachtliche Höhenflug der Leverkusener, die ihre Tabellenführung mit einem Sieg über Borussia Mönchengladbach verteidigen wollen, wird dabei in den Hintergrund gedrängt. Genau wie die Trotzreaktion der Dortmunder, die im "kleinen" Revier-Derby beim VfL Bochum auch ohne elf verletzte Profis antreten und den sechsten Pflichtspielsieg hintereinander anstreben. Oder die Aufholjagd der Bayern, die gegen den 1. FC Kaiserslautern den Anschluss an die Spitze wahren wollen. Michael Ballack: "Ein Sieg ist Pflicht."

dpa DPA

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