Rory McIlroy kam nach seiner historischen und nervenaufreibenden Titelverteidigung beim Masters in Augusta selbst nicht mehr aus dem Staunen heraus. "Ich kann es einfach nicht fassen, dass ich 17 Jahre auf das Grüne Jackett gewartet habe und jetzt gleich zwei hintereinander bekomme", sagte der nordirische Golf-Star, nachdem ihm als erst viertem Profi in der Geschichte das begehrte Kleidungsstück im zweiten Jahr in Folge übergestreift wurde. Zuvor war das lediglich Jack Nicklaus (1965/1966), Nick Faldo (1989/1990) und Tiger Woods (2001/2002) gelungen.
Doch wie schon im Vorjahr, als sich McIlroy im 17. Anlauf endlich den fehlenden Titel für den Karriere-Grand-Slam gesichert hatte, ging es auch diesmal nicht ohne Drama. Nachdem ihn 2025 ein Patzer beim vermeintlich finalen Putt noch in ein Entscheidungs-Playoff gezwungen hatte, drohte dem 36-Jährigen der Sieg trotz Rekord-Führung zur Halbzeit auch in diesem Jahr noch zu entgleiten. Drei Schläge lag er nach dem ersten Drittel der Schlussrunde bereits gegen Cameron Young zurück und auch der Weltranglistenerste Scottie Scheffler (beide USA) mischte nach einer fehlerlosen 68er-Runde plötzlich noch einmal ganz vorne mit.
"Ich mache es mir eben nie leicht"
McIlroy blieb allerdings konzentriert und erarbeitete sich über vier Birdies vor dem letzten Loch die komfortable Situation, dass selbst ein Bogey zum Sieg reichen würde. Doch vom Abschlag verschwand der Ball im Wald und das große Zittern begann von vorn.
"Als ich vom 18. Abschlag losging und nicht wusste, wo mein Ball ist, war das wohl der stressigste Moment. Er hätte überall hinfliegen können. Er hätte überall sein können", sagte McIlroy: "Ich mache es mir eben nie leicht." Aber der sechsmalige Major-Sieger hatte das Glück auf seiner Seite und kam mit einem Fabel-Schlag über Bahn Nummer 10 zurück ins Spiel. Dank seiner Stärke im Annäherungsspiel stellte auch der letzte Bunker keine Hürde mehr dar - anschließend platzten die Emotionen aus ihm heraus.
Scheffler, der das Turnier in den Jahren 2022 und 2024 gewinnen konnte, brauchte letztlich einen Schlag mehr als McIlroy und wurde Zweiter. Damit war der zweifache Familienvater zufrieden. "Die Major-Turniere holen das Beste aus mir heraus", sagte Scheffler. "Ich hatte eine gute Woche. Ein paar Schläge würde ich gerne ungeschehen machen, aber insgesamt habe ich mich gut geschlagen." Den dritten Platz teilte sich Young mit Landsmann Russell Henley sowie den Engländern Justin Rose und Tyrrell Hatton.
LIV-Stars spielen keine Rolle
Hatton war einer von drei Profis mit einer 66 am letzten Tag, die ihn noch in die Top-Drei katapultierte. Der 34-Jährige rettete damit auch die Bilanz der "abtrünnigen" Golfer von der LIV-Tour, deren Stars Bryson DeChambeau (USA) und Jon Rahm (Spanien) bei dem wichtigsten Turnier des Jahres keine Rolle spielten. Rahm wurde am Ende mit einem Schlag über Par geteilter 38., DeChambeau hatte sogar den Cut verpasst.
Nachdem sich Ex-Champion Bernhard Langer im vergangenen Jahr aus Altersgründen verabschiedet hatte, war kein Deutscher dabei. Auch Woods war nach seinem jüngsten Autounfall nicht am Start. Der Österreicher Sepp Straka kam mit zwei Schlägen über Par auf den geteilten 41. Platz.