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Olympia 2012: Ringeturnen der Männer Ein Google-Doodle für olympische "Bügelübungen"


Mit seinem heutigen Olympia-Doodle stellt Google das Ringeturnen vor. Was vor über 100 Jahren als "Bügelübungen" an Hanfseilen begann, ist heute an Kraft und Artistik kaum zu überbieten.
Von Julia Holzapfel

Turnen stammt vom lateinischen Wort "tornare" und bedeutet so viel wie "sich wenden, sich drehen". Da liegt es nahe, dass das schwungvolle und dynamische Ringeturnen auch zu den olympischen Kunstturndisziplinen zählt. Die Doodle-Zeichner von Google ehren heute die Ringeturner, deren kraftvolles Können von Rollen über Auf- und Umschwünge bis zu Handständen und Kreuzhängen reicht.

In seiner Vorstellung von "Leibesübungen" hatte Turnvater Jahn die Ringe noch nicht angedacht. Erst Adolf Spieß, der als Begründer des deutschen Schulsports gilt, soll im 19. Jahrhundert die sogenannten Schaukelringe eingeführt haben. Anfangs war von den heutigen Ringen noch nicht viel zu erkennen: Die Griffe waren dreieckig und der wenig athletisch anmutende Begriff "Bügelübungen" war üblich. In Deutschland fand das Gerät in der heutigen Gestalt erst in den 1920er Jahren Einzug in die Turnhallen. Die Ringe bestanden damals zunächst aus Eisen, waren mit Faden umwickelt und mit Leder überzogen.

Bei den Olympischen Spielen 1896 und 1904 turnten die Athleten noch an Spieß' Schaukelringen. Deshalb gelten erst die Spiele von 1924 in Paris als die ersten, bei denen das Ringeturnen als olympische Disziplin durchgeführt wurde. Dabei hingen Ringe mit relativ großem Durchmesser an einem massiven, hölzernen Gerüst. Es gab noch keinen Einzelwettkampf, die beste Einzelleistung aus dem Mehrkampf zählte. Der Italiener Francesco Martino hat es so als erster Ringebester ins olympische Protokoll geschafft.

Ringeturnen ist Männersache

Bei der Leichtathletik-EM 1954 in Rom hatte das Stahlseil Premiere, das die bis dahin üblichen Hanfseile ablöste. Auch das fest mit dem Boden verspannte Gerüst, an dem die Ringe auf einer Höhe von 2,75 Metern hängen, hat unterschiedlichste technische Weiterentwicklungen erfahren. So erhöhte sich im Lauf der Zeit die Stabilität der Turner, weil die Seitwärtsschwingungen verringert wurden. Heute hängen die Drahtseile an einer Drehwirbelaufhängung, die Ringe aus Schichtholz haben einen Innendurchmesser von 21 Zentimetern und hängen im Abstand von 50 Zentimetern nebeneinander. Mit all diesen technischen Veränderungen entwickelte sich die Sportart zu einem spannenden Mix aus Superathletik der Kraftelemente und rasanten Schwungtechniken, wie man ihn etwa bei dem chinesischen Olympiasieger von 2008, Chen Yibing, beobachten kann.

Die Kunstturndisziplin des Ringeturnens ist übrigens den Männern vorbehalten, so wie die Frauen beim Schwebebalken die Exklusivrechte haben. Seit 1997 gibt es für die Sportler beim olympischen Kunstturnen nur mehr die Kür, sie müssen nicht mehr zu Pflichtübungen antreten. Neben den Einzelentscheidungen an den jeweiligen Geräten werden im Mehrkampf und in einem Teamwettbewerb Medaillen vergeben.

Um die artistischen und athletischen Höchstleistungen an den Ringen durchzuführen, benötigen die Athleten vor allem eins: Kraft. Der ideale Körperbau von Ringeturnern ist einfach beschrieben: oben breit und unten schmal. Die Arme und die Brust sollen stark austrainiert sein, die Beine eher kurz und dünn. Demnach hat die deutsche Medaillenhoffnung in London, "Turnfloh" Fabian Hambüchen, mit seinen 1,65 Meter Körpergröße keine schlechten Voraussetzungen, um beim Einzelfinale im Ringeturnen am 6. August Edelmetall zu holen.


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